Stundung könnte sich bis ins nächste Jahr hineinziehen
Mobilcom-Aktie nach Zahlungsaufschub im Aufwind

Nach einem erneuten Zahlungsaufschub durch die Banken und nach Spekulationen über eine Einigung mit Großaktionär France Telecom hat die Aktie des von der Insolvenz bedrohten Mobilfunkanbieters MobilCom am Dienstag ihren Aufwärtstrend fortgesetzt.

Reuters FRANKFURT. Nachdem der im Auswahlindex Nemax 50 gelistete Titel am Freitag zeitweise über 60 Prozent und am Montag in der Spitze fast 50 Prozent zulegte, riss auch am Dienstag der Aufwärtstrend mit einem Plus von 30 Prozent auf 3,90 Euro nicht ab.

Händler und Analysten führten den Kursanstieg auf Spekulationen über eine mögliche Rettung des finanziell schwer angeschlagenen Büdelsdorfer Unternehmens zurück. So lange die Mobilcom-Manager jedoch keinen Sanierungsplan vorlegen würden, der von den kreditgebenden Banken auch akzeptiert werde, sei das Überleben des einstigen Börsenstars am Neuen Markt weiter fraglich, sagte Klaus Baumann, Analyst bei SES Research. Er rät von einem Engagement in die Aktie ab.

Den jüngsten Kursanstieg führten Frankfurter Händler vor allem auf Berichte über eine mögliche Einigung mit Großaktionär France Telecom zurück. "Medienberichte, wonach France Telecom offenbar die Schulden von Mobilcom übernehmen will und weitere Gelder für den UMTS-Aufbau zur Verfügung stellen wolle, sorgen für Fantasie bei den Anlegern", sagte ein Händler. Auch der am Montagabend von den Banken eingeräumte erneute Aufschub zur Tilgung eines Milliardenkredits nähre die Hoffnung auf ein Überleben der Firma, fügte er hinzu.

Das Handelsblatt hat aus Finanzkreisen erfahren, dass France Telecom den Banken offenbar einen unterschriebenen Vorvertrag unterbreitet habe. Danach hätten sich die Franzosen dazu verpflichtet, die jüngst fälligen Schulden von 4,7 Milliarden Euro von Mobilcom zu übernehmen und weitere Milliarden für den Aufbau des UMTS-Netzes zur Verfügung zu stellen. Am Montagabend hatte Mobilcom mitgeteilt, dass die kreditgebenden Banken Mobilcom am Montagabend einen erneuten Aufschub zur Tilgung der an diesem Tag fälligen Darlehen über insgesamt 4,7 Milliarden Euro bis zum 31. Oktober gewährt haben.

Der Branchenexperte Baumann hält es allerdings für wenig wahrscheinlich, dass der französische Telekommunikationskonzern die Schuldenlasten von Mobilcom übernimmt und dem angeschlagenen Mobilfunkanbieter sogar weitere Kredite gewährt. "Das wäre ökonomisch nicht sinnvoll", sagte der Analyst. Den französischen Telefonriesen, der 28,5 Prozent an Mobilcom hält, drückt selber ein hoher Schuldenberg. Der erneute Zahlungsaufschub der Banken kam für Baumann wenig überraschend. Bei einer Zahlungsunfähigkeit von Mobilcom müssten die Finanzinstitute ihre Kredite völlig abschreiben. "Das Stundungsszenario könnte sich daher bis ins nächste Jahr hineinziehen", sagte der Analyst.

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