Stuttgart wartet auf den herannahenden Sturm
Stuttgart ist allseits abwehrbereit

Stuttgart setzt gegen Manchester auf seine Defensive - und richtet für randalierende englische Fans Schnellgerichte ein.

STUTTGART. Wirbelstürme oder Unwetter, vor denen sich ganze Landstriche fürchten müssen, sind in Schwaben relativ unbekannt. Vor dem Duell am Mittwoch in der Champions League gegen Manchester United (20.45 Uhr, live in SAT 1) aber scheint es, als warte eine ganze Stadt auf einen herannahenden Sturm. Am Amtsgericht in Bad Cannstatt, dem Stadtteil, in dem das Gottlieb-Daimler-Stadion liegt, stellen die Justizbehörden Schnellgerichte zusammen, die randalierende Fans aus England notfalls aburteilen sollen. In den Zeitungen wird wie eine Drohkulisse ein einziger Name aus dem Fundus des Gegners präsentiert: Stürmerstar Ruud van Nistelrooy. Wie kann dieser Mann gestoppt werden?

Das neue magische Abwehrdreieck, bestehend aus Zvonimir Soldo, Marcelo Bordon und Fernando Meira, soll diesen Job verrichten. "Bild" feierte das beste Abwehrbollwerk der Liga (Torwart Timo Hildebrand ist seit 735 Minuten ohne Gegentor) als unüberwindlichen "Spätzle-Catenaccio", andere aber garnieren die Lobeshymnen mit dem Hinweis, die Abwehr des VfB habe zwar in der Bundesliga in sieben Spielen keinen Gegentreffer hinnehmen müssen, bei den Glasgow Rangers dagegen seien es schon zwei gewesen.

Sammelbegriff der "psychologischen Vorbereitung"

Das alles ist unter dem Sammelbegriff psychologische Vorbereitung zu sehen. Dazu gehört auch, dass der Brasilianer Bordon sagt, er habe keine Angst vor van Nistelrooy. Der gehöre allenfalls zu den zehn besten Stürmern, aber der beste sei er keinesfalls. Nun besteht die Vorbereitung auch darin, sich die eigenen Stärken vorzubeten. Und da hat jenes magische Abwehrdreieck einiges zu bieten. Da ist Kapitän Soldo, der vor Bordon und Meira im Mittelfeld agiert und sich in die Angriffe einschaltet. Obwohl der "alte Soldo", wie Stuttgarts Trainer Felix Magath den fast 36-jährigen Kroaten bezeichnet, viele Gefahrenmomente bereinigt, bevor die Kollegen eingreifen müssen, hat doch das Duo Bordon/Meira den größten Leistungssprung hinter sich. Einst galten sie als Konkurrenten, die sich nicht besonders viel zu sagen hatten.

Als Meira in der Winterpause 2002 nach Stuttgart kam, beeilte sich Bordon zu verkünden, er spiele lieber mit Rui Marques an seiner Seite. Marques spielt heute keine Rolle mehr. Bordon und Meira wohnten zwar in der gleichen Straße nebeneinander, fürchteten aber, vom jeweils anderen aus dem Team gedrängt zu werden. Heute treten die beiden fast wie ein Brüderpaar auf. In der Hotellobby warten sie gemeinsam auf die Abfahrt, sie stehen sich schwatzend gegenüber und sprechen über Gott und die Welt, obwohl der Portugiese Meira nicht die tiefe Hingabe Bordons zum christlichen Glauben teilt und sonntagvormittags in jener Kirche in Bietigheim-Bissingen auftaucht, die viele brasilianische Bundesligaprofis besuchen. Meira ist eher der Technikfreak, der mit einem DVD-Player der Mannschaft die neuesten Kinofilme vorführt.

Manchester hat ein Abwehrproblem

In den letzten Tagen aber haben sie viele Videos über Manchester angeschaut. Dabei wurde eines klar: Dem Abwehrdreieck fällt eine Schlüsselrolle zu, denn der übermächtig erscheinende Gegner trumpft zwar mit seinen Qualitäten im Sturm auf, hat aber selbst ein Abwehrproblem. Was Magath Mut macht, ist die Fähigkeit seiner langen Abwehrspieler Bordon (1,88 m) und Meira (1,90 m), nicht nur bei hohen Bällen die Übersicht zu behalten, sondern durch ihre Technik und Schnelligkeit Strafraumspieler wie van Nistelrooy aufhalten zu können. Er erzielte in der vergangenen Saison 25 Ligatore und traf außerdem zwölf Mal in der Champions League.

"Die Mannschaft mit ihren vielen jungen Spielern profitiert von der Erfahrung von Spielern wie Soldo, Bordon und Meir", sagt Magath. Längst spielen auch die Jungen kühl und berechnend. "Alles basiert auf dieser Ordnung. Diese erfahrenen Spieler leiten die jungen Kollegen und wir können ein Spiel aus der Kontrolle heraus absolvieren", sagt Magath. Es gehört zu seiner besondern Vorbereitung, mehr über die Qualitäten seines Dreiecks zu sprechen als über die Gefährlichkeit von van Nistelrooy. Den Rest an Bedrohung müssen die Schnellgerichte erledigen.

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