Stuttgarter Aktienclub betreut mehr als 2,1 Millionen Mark
Vom Club zum Unternehmen

Der ehemals größte deutsche Investmentclub ist Finanzdienstleister geworden. Er verkauft nun Börsenbriefe und bietet Depotverwaltung an.

DÜSSELDORF. Bei Zwiebelrostbraten und einem Glas Wein diskutierten vor 16 Jahren Martin Eberhardt und Heinz Weiler in einem Stuttgarter Lokal über die Chancen, mit Aktien Geld zu verdienen. "Hast Du gesehen, was die Daimler-Aktie macht? Plus sieben Mark - und ich bin investiert", schwärmte Heinz Weiler mit glänzenden Augen.

Aus diesem und weiteren Gesprächen entwickelte sich ein wöchentlicher Börsenstammtisch, der ein Jahr später in den Stuttgarter Aktienclub mündete. Der ehemalige Club ist mittlerweile ein großes Vermögensverwaltungs-Unternehmen, das über 2,1 Millionen DM betreut und mit "Börse-Aktuell" einen eigenen Börsenbrief herausgibt.

"Wir sind ein Finanzdienstleister", stellt Dirk Kubisch, Chefredakteur von "Börse aktuell", klar. Denn das Interesse an Stammtischprotokollen und Depotverwaltung war nach Aussagen der Clubgründer so groß, dass schnell der Rahmen des Investmentclubs gesprengt wurde. Der Name "Stuttgarter Aktienclub e.V" blieb jahrelang erhalten, wurde mittlerweile aber komplett aus dem Vereinsregister gestrichen.

Die Vermögensverwaltung über die Weiler & Eberhardt Depotverwaltung OHG kostet je nach Anlagesumme zwischen 0,1 Prozent bis 0,35 Prozent plus Mehrwertsteuer, der 14-tägige Börsenbrief - herausgegeben von der Weiler & Eberhardt Verlags OHG - pro Jahr 288 DM. Beides wird unabhängig voneinander angeboten.

Dementsprechend finden auch keine wöchentlichen Stammtischsitzungen mehr statt, sondern jährliche Börsenveranstaltungen mit teilweise 35 000 Besuchern in insgesamt acht deutschen Großstädten.

Umgestellt wurde im Laufe der Jahre auch die Anlagestrategie. "Wir konzentrieren uns auf Wachstumsaktien", erläutert Kubisch. Diese Titel bleiben langfristig im Depot, eher selten werden neue Papiere als "Wachstumswert" klassifiziert oder herabgestuft und von der Kaufliste gestrichen.

Als Mindestvoraussetzung für derartige Werte gelten unter anderem eine 10-jährige Historie und - wie der Name sagt - ein stetiges Umsatz- und Gewinnwachstum. Eine kritische Größe ist ebenfalls erforderlich", meint Kubisch. Das war früher anders. "Wir hatten 1987 noch Bremer-Vulkan-Wertpapiere auf unserer Empfehlungsliste", sagt Kubisch. Die Aktie wird nicht mehr an der Börse gehandelt.

Das Weiler & Eberhard- Depot erzielte 1999 ein Plus von 26,47 Prozent, ein Jahr später folgte ein Plus von 1,53 Prozent. In diesem Jahr gab es bislang ein Minus von 7,67 Prozent (Stand 30. Juni).

Jürgen Röder
Jürgen Röder
Handelsblatt / Redakteur Finanzzeitung
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