Stuttgarter Konzern schreibt auch in diesem Jahr Gewinn
Züblin meistert die Baukrise

Während kaum noch ein deutsches Bauunternehmen im Inland Gewinne erzielt, hat der Traditionskonzern Züblin die Krise bislang nahezu unbeschadet überstanden. Der Streit zwischen den beiden Großaktionären verleiht den Schwaben sogar Rückenwind.

STUTTGART. Die Ed. Züblin AG, der sechstgrößte Baukonzern Deutschlands, kommt auch in diesem Jahr gut durch die Baukrise. Manfred Nußbaumer, Vorstandsvorsitzender des Stuttgarter Traditionskonzerns, erwartet sogar einen etwas besseren Gewinn im Inland als im Vorjahr. Allerdings rechnet er erneut mit einer stagnierenden bis rückläufigen Bauleistung, sagte er dem Handelsblatt.

Züblin gehört zu den wenigen Bauunternehmen, die im Inland noch Geld verdienen, heißt es beim Hauptverband der Deutschen Bauindustrie. Im sechsten Rezessionsjahr prognostiziert der Verband für dieses Jahr erneut einen Rückgang der Bauleistung von 10 %.

Der Stuttgarter Baukonzern gilt seit langem als die Perle im Bauimperium des Ignaz Walter. Seine Walter Bau AG, die Nummer eins im deutschen Markt, hat auch für dieses Jahr wieder rote Zahlen ankündigt,

Nußbaumer führt den Erfolg von Züblin auf schwäbische Unternehmertugenden zurück. Denn der enorme Preisdruck macht auch ihm zu schaffen. Ein großer Vorteil von Züblin sei die stabile Stammkundschaft von namhaften baden-württembergischen Großunternehmen, die etwa 30 % des Umsatzes bringen. "Bei diesen langjährigen Kunden haben wir keinen Ärger mit Reklamationen", sagt Nußbaumer. Das allein spare Kosten. Aufträge über 10 Mill. Euro gehen über den Tisch des Chefs und werden auf die Risiken abgeklopft. Auf Dumpingpreise lässt sich der 60-jährige Bauingenieur, der seit 27 Jahren im Unternehmen arbeitet, nicht ein.

Der Manager, der dem Ertrag den Vorrang vor dem Umsatz gibt, hat deshalb in den vergangenen fünf Jahren den Mitarbeiterstamm radikal an die Marktlage angepasst. Während die Bauleistung bei knapp 2 Mrd. Euro seit fünf Jahren stagniert, schrumpfte die Mitarbeiterzahl vor allem bei den gewerblichen Beschäftigten von 13 900 auf heute 9 100. Der Betriebsgewinn hielt sich dadurch nahezu stabil. Nach 10 bis 12 Mill. Euro in den vergangenen Jahren verdiente Züblin 2000 insgesamt 9,2 Mill. Euro.

Züblin hat von jeher auf anspruchsvolle technische Ingenieursleistungen gesetzt. In der Entwicklungsabteilung erarbeiten 200 Ingenieure Sondervorschläge für komplexe, schlüsselfertige Bauten oder Bahnstrecken, Tunnel- oder Brücken. Hierüber erhalte das Stuttgarter Unternehmen zahlreiche Aufträge, betont Nußbaumer.

Es ist die Mannschaft, die Züblin auch in der Krise erfolgreich macht, heißt es in der Branche. "Die Zübliner haben das Gefühl, das ist meine Firma", sagt Reinhard Pietrowski, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats und stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender von Züblin.

Dies hat Ende der Achtzigerjahre auch Ignaz Walter gereizt, 54 % der Firmenanteile zu übernehmen. Was bis heute weder der Mehrheit der Züblin-Mitarbeiter noch dem Großaktionär, die Stuttgarter Familie Lenz, gefällt. Die hatte zuvor mit 43 % der Anteile das Sagen. Wie ein Bollwerk stellt sich Großaktionär Lenz deshalb auch gegen eine Fusion von Züblin mit der von Ignaz Walter geführten Walter Bau.

Der Streit der Großaktionäre fand seinen vorläufigen Höhepunkt bei der Fusion Walter Bau mit Dywidag, an der Züblin beteiligt ist. Die Familie Lenz wollte Züblin-Vorstandschef Nußbaumer verpflichten, gegen die Fusion zu stimmen. Im Aufsichtsrat und in der Hauptversammlung von Züblin gab es dafür aber keine Mehrheit. Der Vorstand konnte die Fusion folglich nicht blockieren.

Bei Züblin ist auch nach der Fusion zwischen Walter Bau mit Dywidag keine Ruhe eingekehrt. So hat die Fusion das Kräfteverhältnis in der Gruppe zu Ungunsten Züblins verschoben. Noch vor zwei Jahren war Züblin einer von vier gleichstarken Konzernen in der Gruppe. Nachdem Walter Bau mit Heilit+Woerner und zuletzt Dywidag zusammenging, ist Züblin der Juniorpartner, der sich jetzt nach dem Großen richten muss. Das könnte von Nachteil sein, wird bei dem Stuttgarter Unternehmen befürchtet.

Bei Züblin geht auch die Sorge um, dass sich einer der beiden Großaktionäre von seinem Anteil trennen könnte. Zwar stemmt sich in der Familie Lenz vor allem die 67-jährige Seniorchefin gegen einen Verkauf, doch ihre drei Kinder könnten sich einmal anders entscheiden und ihre Anteile an Ignaz Walter abgeben.

Ignaz Walter lässt sich beim Poker um Züblin nicht in die Karten schauen. Die Anteile könne er behalten oder auch verkaufen, erklärte er kürzlich. Den Züblinern soll er auch schon mal gedroht haben, sie an ein ausländisches Bauunternehmen zu verkaufen.

Der Streit der beiden Großaktionäre hat für das Stuttgarter Unternehmen aber auch einen Vorteil: Weil Ignaz Walter der Familie Lenz offenbar keine Dividende zukommen lassen will, sind Ausschüttungen seit Jahren gestrichen. Die Gewinne wurden voll in das Eigenkapital eingestellt.

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