Archiv
Suche nach 9. Trainer ist Chefsache

Almancil (dpa) - Die Suche nach dem neuen Cheftrainer des DFB scheint weit weniger aufregend zu verlaufen als bei der Installierung von Erich Ribbeck und Rudi Völler.

Almancil (dpa) - Die Suche nach dem neuen Cheftrainer des DFB scheint weit weniger aufregend zu verlaufen als bei der Installierung von Erich Ribbeck und Rudi Völler.

Nach dem vorzeitigen EM-Aus 2000 war der damalige Leverkusener Sportdirektor Völler in einer «Elefanten-Runde» in Königsdorf bei Köln rein zufällig zum Teamchef geschlagen worden. Als im Herbst 1998 Berti Vogts seinen Rücktritt bekannt gegeben hatte, fühlte sich für eine Nacht zunächst Paul Breitner als neuer Bundestrainer. Dann gab Ulli Stielike bereits ein Interview als vermeintlich erster Mann des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), ehe der Ruheständler Ribbeck von der Ferieninsel Teneriffa zurück geholt und als Chef der Nationalmannschaft eingesetzt wurde.

Solche Turbulenzen will DFB-Chef Gerhard Mayer-Vorfelder dieses Mal unbedingt vermeiden: In Ottmar Hitzfeld steht nur ein einziger ernsthafter Anwärter auf die Völler-Nachfolge vor Gesprächen mit der DFB-Spitze. Otto Rehhagel, bis 2006 ohnehin als Griechenlands Nationalcoach unter Vertrag, wird lediglich von einigen Medien als Kandidat gehandelt. Christoph Daum, dessen Kokain-Affäre vor vier Jahren den damals beschlossenen Amtsantritt als Bundestrainer verhindert hatte, kann bei den Ansprüchen und Aufgaben des DFB auch dieses Mal kein ernsthaftes Thema sein.

«Das ist Chefsache», verwies Nationalmannschafts-Manager Bernd Pfaff auf die klare Verantwortung von Mayer-Vorfelder bei der Auswahl und Einstellung des neunten Cheftrainers in der Geschichte des größten Sportfachverbandes der Welt. Das sei schon im Aufgaben-Profil des Präsidenten festgelegt. «Es wird aber keinen Alleingang geben», ergänzte Pfaff. Vor allem Generalsekretär Horst R. Schmidt zieht entscheidend mit die Fäden. Das 12-köpfige DFB-Präsidium wird den neuen Bundestrainer oder Teamchef dann offiziell absegnen. Ihm gehören neben Mayer-Vorfelder noch Schatzmeister Theo Zwanziger sowie Engelbert Nelle, Werner Hackmann (Ligapräsident), Alfred Sengle, Karl-Josef Tanas, Karl Schmidt, Hans-Georg Moldenhauer, Wilfried Straub (DFL-Geschäftsführer), Horst R. Schmidt, Franz Beckenbauer sowie Ehrenpräsident Egidius Braun an.

Noch bis zur Ablösung von Berti Vogts, der von 1990 bis 1998 Bundestrainer war, durfte der jeweilige Assistent das Erbe seines Chefs antreten. Helmut Schön löste Sepp Herberger ab, Jupp Derwall wiederum übernahm von Schön. «Kaiser» Beckenbauer folgte Derwall. Erst Assisten Rainer Bohnhof musste nach dem blamablen Abgang bei der WM 1998 und einem gescheiterten Neubeginn gemeinsam mit Vogts gehen. Mit einer Ausnahme hatte immer der DFB die Entscheidungsgewalt über den Chefposten der Nationalmannschaft. Als Reichstrainer Otto Nerz bei den Olympischen Spielen in Berlin mit dem deutschen Team gegen Norwegen mit 0:2 k.o. ging, griff die Politik ein. Auf Druck des nationalsozialistischen Reichssportführers Hans von Tschammer und Osten musste Nerz gehen, es begann die Ära Herberger.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%