Suche nach neuen Wachstumsfelder
Oracle erwartet langsame Erholung

In seinem schwierigsten Quartal seit zehn Jahren hat Oracle immer noch einen operativen Gewinn von 800 Millionen Dollar verbucht. Das hob Konzernchef Larry Ellison hervor. Doch das Geschäft mit neuen Softwarelizenzen, Gradmesser für künftige Service-Umsätze, brach um mehr als ein Viertel ein.

tor NEW YORK. Der amerikanische Softwareanbieter Oracle Corp. hat nach eigener Einschätzung den schlimmsten Geschäftseinbruch seiner Geschichte überstanden. "Die Dinge werden besser, unser Geschäft stabilisiert sich", sagte Konzernchef und Firmengründer Larry Ellison. Zuvor hatte er ein enttäuschendes Ergebnis für das zweite Quartal verkündet. Der Reingewinn des Konzerns mit Sitz in Redwood sank gegenüber dem Vorjahr um zwölf Prozent auf 549 Mill. $ oder 10 Cent je Aktie. Damit erfüllte Oracle gerade noch die bereits reduzierten Erwartungen der Wall Street.

Oracle ist der weltgrößte Anbieter von Unternehmenssoftware und hat besonders unter der weltweiten Wirtschaftsschwäche gelitten. Hinzu kommt ein verstärkter Konkurrenzkampf auf dem Markt für Datenbanken, wo die Wettbewerber IBM und Microsoft den Marktführer mit preisgünstigen Produkten angreifen. Zu den schärfsten Konkurrenten von Oracle im Geschäft mit Firmensoftware zählt auch die deutsche SAP.

Rückgang bei neuen Software-Lizenzen

"Es war das härteste Quartal seit einem Jahrzehnt", sagte Ellison. Nicht nur der Ertrag ging zurück, auch der Umsatz sank im dritten Quartal hintereinander. Mit Erlösen von 2,4 Mrd. $ verfehlte Oracle das Vorjahresergebnis um elf Prozent. Schmerzlich ist insbesondere der Rückgang um 27 % bei den Einnahmen aus neuen Software-Lizenzen; sie sind ein wichtiger Gradmesser für künftige Erlöse aus dem Servicegeschäft. "Trotz des schwierigen Umfeldes sind Cashflow und Margen immer noch sehr stark", sagte Bob Austrian, Analyst bei der Banc of America, der Nachrichtenagentur Reuters. Und mit einer Gewinnmarge von 35 % blieb Oracle nur knapp unter dem Vorjahreswert.

"Wenn die wirtschaftliche Lage sich verbessert, werden wir wieder sehr viel mehr verdienen", versprach Ellison. Sein Finanzchef Jeff Henley dämpfte allerdings vorschnelle Erwartungen und sagte lediglich eine langsame Erholung der Ertragslage voraus. Im laufenden Quartal werde das Ergebnis auf dem Vorjahresniveau stagnieren und der Umsatz mit neuen Softwarelizenzen noch einmal zweistellig zurückgehen. Erst für das im Mai endende Schlussquartal rechnet er mit einer Ertragssteigerung auf 17 bis 18 Cent je Aktie. Analysten hatten nach einer Umfrage des Finanzinformationsdienstes Thomson Financial/First Call bislang nur 15 Cent erwartet.

"Die entscheidende Frage ist, ob Oracle jemals zu den explosiven Wachstumsraten früherer Jahre zurückkehren kann", sagte Brendan Barnicle, Analyst bei der Anlagegesellschaft Pacific Crest Securities in Portland. Im Bereich Datenbanken, einem Kerngeschäft von Oracle, rechnen die Marktforscher von Gartner im kommenden Jahr nur noch mit einem Marktwachstum von 1,5 %. Seine größten Wachstumshoffnungen setzt Oracle deshalb auf den Markt für internetbasierte Anwendungssoftware. Henley erwartet hier Zuwächse zwischen 20 und 50 Prozent.

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