Suche nach Techniken für eine Echtzeitkommunikation
Eilige Datenpakete werden künftig schneller transportiert

Netzausrüster arbeiten weltweit an Techniken, die einen schnellen und zuverlässigen Transport von Datenpaketen über das Internet ermöglichen. Sie setzen dabei auf Vorfahrtsregeln und Stauwarnungen.

DÜSSELDORF. Trotz schneller Datenleitungen wird das Surfen im Internet am Abend und an Wochenenden oft zur Geduldsprobe. Der Datenautobahn fehlen intelligente Verkehrsleitsysteme, die Staus vermeiden und einen schnellen Transport von kritischen Daten garantieren. Das soll in Zukunft anders werden. Weltweit entwickeln Netzausrüster gemeinsam mit Forschungsinstituten Techniken, die einen schnelleren und effizienteren Transport von Datenpaketen über das Internet ermöglichen.

Dabei verfolgen die Entwickler unterschiedliche Strategien: Die einen wollen Datenpaketen digitale Etiketten aufkleben, die für einen vorrangigen Transport durch das Netz sorgen, während die anderen mit Staumeldern dafür sorgen wollen, dass während der Rushhour im Web nur noch Daten verschickt werden, die wirklich wichtig sind.

Vorfahrsregeln definiert

Wer einmal versucht hat, mit einem der für Privatleute verfügbaren Programme über das Internet zu telefonieren, ahnt bereits, worum es geht. Immer wieder kommt es zu Verzögerungen in der Übertragung, die einen echten Dialog erschweren. Dergleichen kennt man von früher aus Überseetelefonaten, in denen sich die Äußerungen der Teilnehmer immer wieder überkreuzten. Als entscheidende Zutat für ein effizienteres Internet der Zukunft sieht Siemens seine Forschungen zur Echtzeitkommunikation im Netz. Das Unternehmen koordiniert das vom Bund geförderte King-Projekt (King steht für "Komponenten für das Internet der nächsten Generation"). Beteiligt sind neben zwei Einrichtungen der Fraunhofer-Gesellschaft Universitätsinstitute in Essen, Karlsruhe, München, Stuttgart und Würzburg. Entwickelt werden unter anderem Techniken, die bestimmte Datenpakete bevorzugt behandeln, damit eine gleichbleibende Qualität der Kommunikation gewährleistet werden kann.

Bislang werden im Internet und in den davon abgeleiteten Intranets alle Datenpakete gleichwertig behandelt. Eine Priorisierung nach Typ gibt es nicht. Die ist aber Voraussetzung für Echtzeitkommunikation im Internet, wie Jürgen Plate, Professor an der Fachhochschule München, erläutert: "Ob eine Mail zwei Sekunden später ankommt, spielt keine Rolle. Wenn man aber telefonieren will und ein Besetztzeichen kriegt, sieht es schon anders aus."

Datenstaus werden reduziert

Weil im Internet die Daten in Einzelpakete aufgeteilt werden, ist zu einer bevorzugten, also schnelleren Abfertigung etwa der Telefoniepakete zunächst eine Kennzeichnung erforderlich. Dies will Siemens durch die virtuelle Etikettierung solcher Daten erreichen. Die Netzknoten sollen am Etikett erkennen, ob ein Paket mit hoher Priorität weitergeleitet werden muss.

Für eine solche Kennzeichnung besteht im Adressbereich der Daten schon heute ein entsprechendes ungenutztes Feld. Erforderlich wäre also nur noch, dass die Router - also jene Rechner, die den Datenverkehr leiten - das Etikett auch anerkennen und entsprechend reagieren. Und hier sieht Kommunikationsexperte ein Problem: "Die Vorfahrtsregeln funktionieren gut innerhalb geschlossener Umgebungen wie einem Intranet. In dem Moment, wo Sie nach außen ins weltweite Datennetz gehen, können Sie die Regeln nicht mehr sicherstellen." King-Projektleiter Karl Schrodi ist da anderer Meinung. "Das wird der Markt regeln", sagt Schrodi. Wenn sich die Lösung bewährt habe, werde sie sich auch unter den Netzbetreibern durchsetzen - zumal enorme Kosteneinsparungen möglich seien.

Nicht primär die Internettelefonie, sondern das Verschicken von wichtigen Daten über das weltweite Datennetz - wie Bestellungen - haben die Teilnehmer an dem EU-Projekt Qosips (Quality of Services and Pricing Differentiation for IP Services) im Blick. Die Softwarehersteller Ipanema Technologies und KSS Group setzen dabei zusammen mit dem Netzbetreiber 9 Telecom und den Universitäten von Manchester und Warschau auf eine Technik, die eher einem Stauwarner ähnelt. "Wir messen ständig das Verkehrsaufkommen und schicken in der Rushhour nur die wichtigen Datenpakete über das Netz", erläutert Gerhard Henke, Technikexperte bei Ipanema, das Prinzip.

Wenn sich viele Internetprovider daran halten würden, könnte so der Datenverkehr im Web besser verteilt werden. Ein Datenstau würde im Idealfall erst gar nicht entstehen. Dazu muss der durch das Internetprotokoll bedingte "chaotische" Datenfluss im Zehntelsekundentakt gemessen und permanent anhand einer vorgegebenen Prioritätenliste optimiert werden.

Vorteil für die Internetprovider: Sie könnten Dienste mit unterschiedlichen Qualitätsstufen anbieten. "Wer mehr bezahlt, erhält Vorfahrt im Netz", bringt Henke die Idee auf den Punkt. Die KSS Group hat die Software entwickelt, mit der die Qualitätsstufen in Tarife umgerechnet werden. 9 Telecom stellt ihr Netz als "Versuchslabor" für das Qualitätsinternet zur Verfügung. Im Herbst wollen die Projektpartner ihre Ergebnisse vorstellen.

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