Südafrikanische Firmen sind klare Marktführer: Platinaktien sind noch immer ein Schnäppchen

Südafrikanische Firmen sind klare Marktführer
Platinaktien sind noch immer ein Schnäppchen

Die Preise für das Edelmetall steigen, aber der Ausbau der Produktion erfolgt langsamer als geplant.

KAPSTADT. Der Platinpreis steigt und steigt. In der ersten Februarwoche kletterte die Notierung je Feinunze wegen russischer Lieferengpässe gar auf 698 US-Dollar und damit den höchsten Stand seit über 20 Jahren. Kein Wunder, dass der Platinindex der Johannesburger Börse (JSE) seit 1998 um über 250 % gestiegen ist. Zumindest mittel- bis langfristig erwarten Experten, dass der Aufwärtstrend dank der hohen Nachfrage durch die Auto- und Schmuckindustrie anhält. Kurzfristig ist das Bild indes leicht getrübt. Dies zeigen die in der letzten Woche vorgelegten Jahresergebnisse der Marktführer Anglo Platinum (Angloplat) und Implats. Der Reingewinn von Angloplat ging um 28,4 % auf 5,7 Mrd. Rand zurück, beim Erzrivalen Implats fiel er um 8 % auf 2,01 Mrd. Rand.

Die stabile südafrikanische Währung wirkt sich negativ auf die Gewinne der Platinförderer aus, weil deren Lohn- und Explorationskosten in Rand anfallen, die Erlöse dagegen in Dollar. In den sechs Monaten bis Ende Dezember hat der Rand fast 20% gegenüber der US-Valuta wettgemacht.

Angloplat gehört trotz des Gewinneinbruchs seit langem zu den Favoriten der Anleger im Platinsektor, weil es wegen seiner Größe (Börsenwert: 71,5 Mrd. Rand) und hohen Reserven aus dem Nachfrageboom Kapital schlagen kann. Allerdings hat die Tochter des Rohstoffkonzerns Anglo American wegen ihrer Dominanz besonders stark unter der von Südafrikas Regierung verabschiedeten Minen-Charta zu leiden. Sie soll den Besitzanteil der schwarzen Bevölkerung am südafrikanischen Bergbau deutlich erhöhen. Von Schwarzen geführte Unternehmen sollen spätestens 2012 zu 26 % an allen Minen des Landes beteiligt werden. Pretoria will zudem die großen Unternehmen zwingen ihre brachliegenden Reserven zu nutzen oder sie an kleine Unternehmen unter schwarzer Führung abzutreten.

Kopfzerbrechen bereitet institutionellen Anlegern zudem, dass Anglo American den Eigenanteil an Angloplat kontinuierlich ausbaut. Ein Auskauf der Minderheitsaktionäre würde dem Minenhaus die Gelegenheit geben, Angloplat völlig zu übernehmen und anschließend von der Börse zu nehmen.

Bei Impala dürfte sich der Anteil der frei handelbaren Papiere durch die bevorstehende Auflösung des bisherigen Großaktionärs Gencor beträchtlich erhöhen. Bislang hielt Gencor mit 46% den Großteil der Impala-Titel, deren Marktkapitalisierung zurzeit bei 40 Mrd. Rand liegt. Gleichzeitig wird Impala durch den Rückzug seines Großaktionärs jedoch zu einem möglichen Übernahmekandidaten. Mike Schröder, Edelmetallspezialist beim Finanzdienstleister Old Mutual in Kapstadt, stuft Impala deswegen als attraktiv ein, zumal die Titel mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 10 günstig bewertet sind.

Zunehmender Beliebtheit erfreuen sich seit einiger Zeit die Titel des viertgrößten Platinproduzenten Northam, der lange als Sanierungsfall galt. Als besonders attraktiv hat sich erwiesen, dass Northam seine hohen Gewinne in Form einer Dividende von 12 % zuletzt direkt an die Anleger ausgeschüttet hat und dies nach eigenem Bekunden bei anhaltend guten Platinpreisen auch künftig tun wird. Die Aktien weisen damit eine hohe Bruttorendite auf. Northam ist zudem durch den Einstieg des von Schwarzen gemanagten Konglomerats Mvelaphanda nicht von der neuen Minengesetzgebung des Staates betroffen. Dennoch ist eine gewisse Vorsicht geboten: Sollte der Platinpreis wider Erwarten stärker einbrechen, dürfte Northam wegen seiner hohen Kostenstruktur besonders stark leiden.

Craig Pheiffer von der Brokerfirma Sasfin Frankel Pollak Securities in Johannesburg ist davon überzeugt, dass die Platinfirmen am Kap in den nächsten Jahren vom Nachfrageüberhang profitieren werden und die Aktienkurse zumindest mittelfristig weiter steigen.

Südafrikas Platinförderer wollen die Produktion bis 2006 gewaltig ausbauen, doch neue Zahlen zeigen ein anderes Bild. Angloplat hat sein Produktionsziel für 2004 bereits von 2,8 auf 2,4 Mill. Unzen gesenkt.

Wolfgang Drechsler
Wolfgang Drechsler
Handelsblatt / Korrespondent
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