Südafrikanischer Öl- und Petrochemiekonzern weitet seine Fühler nach Deutschland immer stärker aus
Um Sasol macht die Baisse einen großen Bogen

Die meisten Investmentbanken empfehlen die Titel des südafrikanischen Öl- und Petrochemiekonzerns Sasol (South African Synthetic Oil Limited)angesichts des hohen Wachstums zum Kauf.

KAPSTADT. Völlig unvermittelt ragt der stahlgewordene Traum der Kohle-Technologen bei Secunda, 120 Kilometer östlich von Johannesburg, hervor: ein gigantischer Industriekomplex. Es ist die Zwillingsanlage II und III des südafrikanischen Öl- und Petrochemiekonzerns Sasol (South African Synthetic Oil Limited), und sie dient der Gewinnung von Mineralöl aus Kohle. Auch nach dem stetigen Kursanstieg in den vergangenen fünf Jahren empfehlen die meisten Analysten die Aktie zum Kauf.

Fast nirgendwo sind die geologischen Bedingungen zur Förderung billiger Kohle so günstig wie in der Kap-Republik. In nur 200 Meter Tiefe lagern hier mehr als zwei Milliarden Tonnen Kohle in bis zu sechs Meter mächtigen Flözen. Kein anderes Land verfolgte die Technik der Kohleverflüssigung trotz der Kosten so intensiv wie der frühere Apartheidstaat und der 1950 von ihm gegründete Konzern Sasol.

Aus dem einstigen Bollwerk gegen die vermeintlich feindselige Außenwelt ist ein Global-Player im internationalen Öl- und Chemiesektor geworden. Sasol hat sich durch die Weiterentwicklung des Fischer- Tropsch-Verfahrens weltweit zum Marktführer bei der Umwandlung schwer zugänglicher Gasreserven in leichter verwendbare Energieformen wie etwa synthetisch gewonnenem Dieseltreibstoff entwickelt. Seit 1996 sind die Auslands- und Exportgeschäfte der Südafrikaner jedes Jahr um mehr als 30% gestiegen - im letzten Jahr sogar um 123%. Für die Petrochemie-Gruppe vom Kap zahlt sich nun aus, dass sie allein in diesem Jahr rund drei Mrd. Euro in Sachinvestitionen wie neue Anlagen und Firmenkäufe steckt. Der Betriebsgewinn stieg bis Ende Juni trotz rückläufiger Öl- und Chemiepreise von um fast 50 % auf 1,45 Mrd. Euro, wobei dem Unternehmen der Absturz der südafrikanischen Währung zugute kam.

Obwohl Sasol stolz auf seine südafrikanischen Wurzeln ist, verfolgt Firmenchef Peter Cox eine globale Strategie. Erst im letzten Jahr erwarb das Unternehmen für 1,3 Mrd. Euro das deutsche Spezialchemieunternehmen Condea und unternahm damit den kühnen Schritt auf internationalem Parkett. Condea heißt heute Sasol Chemie und hat großen Anteil am Wachstum des Auslandsgeschäfts. Die frühere Tochter des Energieversorgers RWE war entscheidend dafür verantwortlich, dass die Einnahmen aus dem Chemikaliengeschäft letztes Jahr um 90% stiegen und nun ein Gegengewicht zur bisherigen Abhängigkeit des Unternehmens vom Ölgeschäft bilden.

Sasols Auslandsbeteiligungen gehen allerdings über Sasol Chemie hinaus: Erst vor kurzem kauften die Südafrikaner für fast 50 Mill. Euro die verbliebenen 33% an dem deutschen Wachshersteller Schümann und entwickelten sich dadurch zum weltweit größten Wachslieferanten. Daneben ist Sasol an Gasfeldern in Mosambik, Nigeria und im arabischen Katar beteiligt. Letztes Wochenende wurde zudem bekannt, dass die Südafrikaner mit China über die Umwandlung seiner zentralasiatischen Kohlevorkommen in Benzin und andere synthetische Öle verhandeln.

Sasol will in den nächsten zehn Jahren mindestens fünf Mrd. $ in den Ausbau seiner Technologien stecken, insbesondere in die Umwandlung von Gas zu Diesel. Angesichts der Auslandsexpansion und seiner internationalen Aktionärsbasis wird das Unternehmen nach Aussage seines Vorsitzenden (Chairman) Paul Kruger seine Zweitnotierung von der US-Technologiebörse Nasdaq an den breiten New Yorker Aktienmarkt verlegen. Das soll die Liquidität stärken und den Bekanntheitsgrad erhöhen.

Die Sasol-Aktie ist nach dem starken Anstieg in den letzten zwölf Monaten nach Ansicht von Credit Suisse First Boston "fair bewertet". Befürchtet wird, dass die hohen Projektkosten negativ zu Buche schlagen könnten. Die meisten Investmentbanken, darunter Schroder Salomon Smith Barney, SCMB Securities, UBS Warburg, Deutsche Bank und Merrill Lynch empfehlen den Titel angesichts des hohen Wachstums aber zum Kauf.

Quelle: Handelsblatt

Wolfgang Drechsler
Wolfgang Drechsler
Handelsblatt / Korrespondent
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