Südafrikanischer Rand bringt auf Tagesgeldkonten bis zu 11,5 Prozent – Forint und australischer Dollar gelten als Favoriten der Devisenexperten: Fremde Währungen locken mit hohen Renditen

Südafrikanischer Rand bringt auf Tagesgeldkonten bis zu 11,5 Prozent – Forint und australischer Dollar gelten als Favoriten der Devisenexperten
Fremde Währungen locken mit hohen Renditen

Es ist häufig eine lohnende Wette. Wer in ausländische Währungen investiert, kann hohe Zinsen einstreichen. Experten warnen jedoch davor, das Wechselkursrisiko zu unterschätzen. Denn wenn die Währung gegenüber dem Euro an Wert verliert, ist der Zinsgewinn schnell dahin.

DÜSSELDORF. Enttäuscht vom Aktienmarkt? Die Unsicherheit über den Zeitpunkt einer Trendwende an der Börse treibt Anleger seit Monaten in kurzfristige Geldanlagen. Sie parken hohe Beträge auf Tages- oder Festgeldkonten oder legen einen Teil ihrer liquiden Mittel in Geldmarktfonds an.

Wer sich dabei auf Euro-Zinsanlagen beschränkt, hat allerdings wenig Freude. Die Sätze für Tagesgeld am europäischen Geldmarkt pendeln gegenwärtig um 2,5 Prozent. Risikobereiten Anlegern bieten sich allerdings Alternativen: Tagesgeldkonten in Fremdwährungen locken mit bis zu 11,5 Prozent. Das klingt verlockend, doch der Preis dafür ist das Währungsrisiko. Die Rendite kann durch Wechselkursverluste schnell zusammenschmelzen. Steigt der Wechselkurs jedoch, profitiert der Anleger zusätzlich von Kursgewinnen.

Der südafrikanische Rand zum Beispiel verbucht allein seit Anfang vergangenen Jahres gegenüber dem Euro einen Kurszuwachs von knapp 20 Prozent. Profitiert hat der Rand von dem starken Anstieg des Goldpreises, der für das Land am Kap mit seinen großen Minengesellschaften von weitreichender Bedeutung ist. Nils Fiebig, Leiter Geld- und Devisenhandel beim Bankhaus Wölbern, sieht für die südafrikanische Währung auch weiterhin gute Perspektiven: "Sollte der Irak-Krieg länger dauern als erwartet, stützt das den Goldpreis - und damit den Rand." Die wirtschaftlichen Rahmendaten seien gut, die jüngsten Inflationszahlen signalisierten einen Rückgang des Preisauftriebs.

Doch es gibt auch skeptische Stimmen. "Der Rand ist deutlich überbewertet", meint etwa Alexandra Bechtel, Währungsanalystin bei der Commerzbank. Sie hält in den kommenden Monaten Kursrückschläge gegenüber dem Euro von bis zu 20 Prozent für möglich. Das sieht Tobias Müller, Devisenexperte der Vereins und Westbank, - ähnlich und rät von Engagements in Rand ab: "Im letzten Jahr hätte man dabei sein sollen, aber jetzt kann man nur noch verlieren." Gold werde von nun an eher zum Belastungsfaktor für die Währung. Denn nach Ansicht von Müller werden viele Anleger erkennen, dass auf langfristige Sicht eine Investition in Gold nicht sinnvoll sei. "Parallel dazu wird sich der Rand abschwächen", befürchtet Müller.

Unter den Währungen der EU-Beitrittskandidaten steht bei Anlegern und Analysten der ungarische Forint zurzeit im Mittelpunkt. Im Januar bremste die ungarische Zentralbank den Kursanstieg des Forints. Sie reduzierte den Leitzins in zwei Schritten von 8,5 auf 6,5 Prozent. Der Forint darf in einer Bandbreite von plus/minus 15 Prozent um den Mittelkurs von 276,10 Forint je Euro schwanken. Bei einem Kurs von unter 234,69 Forint je Euro ist die Zentralbank somit zu Interventionen verpflichtet.

"Der Kurs wird sich tendenziell wieder in die Richtung von 234 Forint je Euro bewegen", prognostiziert Commerzbank-Analystin Bechtel. Das Zinsniveau in Ungarn sei nach wie vor sehr attraktiv, so dass der Zustrom an ausländischem Kapital anhalte, sagt auch Währungsexperte Müller. Positive Impulse versprechen sich die Analysten von dem Referendum am 12. April, bei dem mit einer breiten Zustimmung zum EU-Beitritt gerechnet wird.

Die American Express Bank verzinst den ungarischen Forint zurzeit mit sieben Prozent pro Jahr. Für den polnischen Zloty bietet sie einen Satz von vier, für die tschechische Krone von zwei Prozent. In Polen ist Anfang März die Regierung aus Sozialdemokraten und Bauernpartei zerbrochen. Die Marktreaktion war erstaunlich moderat. Die Kursverluste standen in keinem Verhältnis zu früheren Turbulenzen. Die Mehrzahl der Analysten hält den Zloty gegenwärtig für fair bewertet. Mit Aufwertungstendenzen sei allenfalls in der zweiten Jahreshälfte zu rechnen.

Wenig Anreiz für Investitionen bietet die tschechische Krone. Die Zinsen liegen mittlerweile auf EZB-Niveau, mit Wechselkursgewinnen gegenüber dem Euro ist nicht zu rechnen - zumal auch in Tschechien die Regierung unter Druck steht.

Im Hinblick auf die Verzinsung erscheint auch eine Anlage in US-Dollar gegenwärtig kaum interessant. Zudem befürchten die Finanzexperten Wechselkursverluste. "Mit jeder Hiobsbotschaft im Verlauf des Irak-Krieges wird sich der US-Dollar abschwächen", warnt etwa Währungsspezialist Müller. Die Analysten rechnen bis Jahresende mit einer Abschwächung der US-Währung auf 1,10 bis 1,15 Dollar je Euro.

Weitaus positiver sind die Perspektiven für die Währungen von Australien, Kanada und Neuseeland - die für Privatanleger Chancen auf Wechselkursgewinne bieten. Hintergrund: Die Zentralbanken dieser drei Länder haben sich dem Zinssenkungstrend seit dem Terroranschlag am 11. September 2001 entzogen. Zuletzt erhöhte die kanadische Notenbank Anfang März dieses Jahres ihre Leitzinsen.

"Wir verzeichnen die größten Umsätze im Geschäft mit dem australischen Dollar", berichtet Gerhard Müller, der bei der Luxemburger Tochter der Allgemeinen Deutschen Direktbank für das Privatkundengeschäft zuständig ist. Aus Sicht des Devisenexperten der Vereins und Westbank - eine gute Wahl. "Der australische Dollar hat gegenüber dem Euro auf Jahressicht ein Aufwertungspotenzial von rund zehn Prozent und ist damit sehr attraktiv", sagt Müller.

Von Engagements in Pfund Sterling rät er dagegen nachdrücklich ab. Sorgen bereitet ihm der aufgeheizte Immobilienmarkt in Großbritannien. "Es wäre möglich, dass die Blase bald platzt", so Müller. Ulrike Bischoff, Währungsanalystin bei der Landesbank Hessen-Thüringen, rechnet jedoch eher mit einer graduellen Abschwächung der Immobilienpreise in England. Bei diesem Szenario hält sie sogar eine leichte Aufwertung des Pfundes für möglich. Mittelfristig werde sich der Kurs um 0,65 Pence je Euro einpendeln, glaubt sie.

In einem Punkt sind sich die Devisenexperten im Übrigen einig: Wenn der Trend bei der Wechselkursentwicklung dreht, sollten Anleger sehr schnell reagieren und konsequent ihr Geld aus dem Währungskonto abziehen. Verluste auszusitzen habe im Devisengeschäft wenig Aussicht auf Erfolg.

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