Südafrikanischer Rand und polnischer Zloty gelten als interessante Depotbeimischung
Währungskonten locken mit hohen Renditen

Konkurrenz belebt das Geschäft. Immer mehr Banken bieten Tagesgeldkonten in Fremdwährungen als Alternative zu Euro-Konten an. Die Zinssätze sind zum Teil zweistellig, jedoch müssen Anleger das Wechselkursrisiko einkalkulieren. Währungsanalysten geben Empfehlungen.

HB DÜSSELDORF. Es ist ein riskantes, aber häufig lukratives Spiel. Wer in ausländische Währungen investiert, kann hohe Zinsen einstreichen. Für ein Tagesgeldkonto in polnischen Zloty zum Beispiel bieten Banken zurzeit 10 bis 12 % Zinsen pro Jahr. Für den südafrikanischen Rand bewegen sich die Zinskonditionen zwischen 7,0 und 8,5 %, der mexikanische Peso bringt ebenfalls bis zu 8,5 %. Das klingt verlockend, doch der Preis dafür ist das Währungsrisiko. Die Rendite kann durch Wechselkursverluste schnell zusammenschmelzen. Steigt der Wechselkurs jedoch, profitiert der Anleger zusätzlich von Kursgewinnen.

"Währungskonten sind nichts für Leute mit schwachen Nerven. Wer zum Beispiel in den südafrikanischen Rand investiert, sollte seinen Einsatz am besten als Spielgeld betrachten", meint Hartmut Preiß, Rentenanalyst der DZ Bank. Auf kurzfristige Sicht wird der Wechselkurs der südafrikanischen Währung seiner Meinung nach weiter stark schwanken. "Bis Ende nächsten Jahres könnte der Rand gegenüber dem Euro jedoch an Wert gewinnen", prognostiziert Preiß. Schließlich sei die aktuelle Währungsschwäche alles andere als hausgemacht. Ein Belastungsfaktor seien zum Beispiel die anhaltenden Unruhen im Nachbarland Simbabwe, das zu den größten Handelspartnern Südafrikas zählt. Positiv bewertet der Analyst dagegen die fundamentalen Wirtschaftsdaten des Landes am Kap der Guten Hoffnung. Die Leistungsbilanz weise einen leichten Überschuss auf. Zudem habe sich die Bonität des Landes nach Einschätzung der Ratingagentur Moody?s verbessert.

Auch Länderanalyst Ulrich Rathfelder von der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) geht davon aus, dass sich der Kurs des südafrikanischen Rands stabilisiert - allerdings auf niedrigem Niveau. "Ein Engagement könnte sich daher lohnen, ist aber mit hohem Risiko verbunden", konstatiert er. Weitaus skeptischer beurteilt Rathfelder eine Anlage in Zloty. Die polnische Währung habe sich zwar in den vergangenen Monaten erstaunlich stabil gezeigt. Dennoch sei in den nächsten Monaten mit Abwertungstendenzen zu rechnen. Als Grund nennt der Analyst vor allem sinkende Direktinvestitionen ausländischer Investoren.

Dagegen sieht Sven Hein, Leiter Geld- und Devisenhandel der Santander-Filiale Patagon, den polnischen Zloty als "interessante Beimischung" für ein Währungsdepot. Sein Szenario: Bei weiteren Leitzinssenkungen der polnischen Zentralbank steigen die Kurse festverzinslicher Wertpapiere. Vor diesem Hintergrund werde die Nachfrage nach Zloty-Anleihen anziehen, was wiederum den Kurs der polnischen Währung stützen sollte. Möglicherweise werde der Zloty gegenüber dem Euro sogar an Wert gewinnen. Nach Einschätzung von Hein wird die polnische Zentralbank spätestens im ersten oder zweiten Quartal 2002 die nächste Leitzinssenkung vornehmen - "es sei denn, die Inflation zieht plötzlich massiv an".

"Nicht so rosig" seien die Perspektiven für den mexikanischen Peso, fügt Hein hinzu und stimmt damit mit einer Reihe von Finanzexperten überein. Die Bilanz für das erste Amtsjahr des Präsidenten Vicente Fox sei ernüchternd. Die versprochene Steuerreform liege auf Eis, die Wirtschaft stagniere, Kriminalität und Korruption hätten sich nicht verringert. Vor diesem Hintergrund erwartet Hein Schwächetendenzen der mexikanischen Währung.

Aufwertungspotenzial sehen viele Analysten dagegen bei der tschechischen Krone, da die Konjunktur des Landes weiter an Fahrt gewinnt. Dennoch stellt sich die Frage, ob sich ein Engagement lohnt. Tagesgeld in tschechischen Kronen verzinst sich aktuell mit 2,75 bis 4,0 Prozent pro Jahr. Damit liegen die Sätze kaum über den Konditionen für Euro-Tagesgeld, das zurzeit durchschnittlich 2,5 bis 3,5 % bringt - ohne Wechselkursrisiken.

Eine ähnliche Problematik besteht beim Pfund Sterling, für das Banken bis zu 3,3 % Zinsen bieten. Nur wer auf Kursgewinne setzt, wird somit in das Pfund investieren. Für Kurssteigerungen gibt es nach Einschätzung von Währungsanalystin Ulrike Bischoff von der Helaba jedoch berechtigte Hoffnung. Großbritanniens Wirtschaft wird im nächsten Jahr stärker wachsen als im laufenden Jahr und damit die Länder der Euro-Zone übertrumpfen. "Die Briten fahren bislang sehr gut damit, außerhalb Euro-Lands zu stehen", betont Bischoff.

Auch die Einführung des Euro-Bargelds könne den Pfund-Kurs kurzfristig beflügeln, da in den ersten Wochen des neuen Jahres eine gedämpfte Euro-Nachfrage zu erwarten sei.

Im Hinblick auf die geringe Verzinsung erscheint eine Anlage in US-Dollar gegenwärtig kaum interessant. Zumal Analysten Wechselkursverluste befürchten. Die amerikanische Wirtschaft befindet sich seit dem Frühjahr in einer Rezession. Nach jüngsten Veröffentlichungen der US-Notenbank hat sich die wirtschaftliche Lage nicht grundlegend verbessert. Hoffnungen auf einen nahenden Konjunkturfrühling wurden vom sinkenden Verbrauchervertrauen zunichte gemacht. Aus Angst vor Arbeitslosigkeit und Terror haben die US-Bürger ihren Konsum drastisch gedrosselt.

Anders die Situation in Neuseeland und Australien. Beide Länder präsentieren sich mit einem unerwartet starken Wirtschaftswachstum. Ihre Landeswährungen gelten als deutlich unterbewertet, so dass Analysten ein Engagement für interessant halten und mit Kursgewinnen rechnen. Helaba-Analyst Rathfelder: "Für beide Währungen bin ich sehr optimistisch."

Grundsätzlich gilt: Wer bei Währungskonten einsteigt, sollte Tagesgeld den Vorzug geben und nicht in Festgeld investieren. Denn dadurch kann der Anleger schneller auf Wechselkursschwankungen reagieren und mögliche Verluste begrenzen. Zudem sind die Zinskonditionen für Tagesgeld teilweise sogar attraktiver als für Festgeld.

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