Südafrikas Regierung reduziert Pläne zu Minenanteilen
Druck auf Minenaktien nimmt ab

Der Goldpreis bröckelt ab, weil sich die politische Stimmung und die Aktienmärkte etwas beruhigen. Der Markt für das gelbe Metall verharrt damit in Wartestellung. Für die Minenhäuser in Südafrika bleiben aber die Rahmenbedingungen stabiler als befürchtet.

HB KAPSTADT. Der Goldpreis ist gestern auf ein Niveau von rund 321 $ je Unze gesunken und reagierte damit auch auf die Beruhigung am Aktienmarkt. Das World Gold Council erklärte, es sehe den Preis für die nächste Zeit weiterhin in einer Spannbreite von 320 bis 325 Unzen, bei den Händlern würden aus markttechnischer Sicht aber auch Werte zwischen 328 und 330 $ diskutiert. Nach Aussage des Councils hat die Schweizerische Nationalbank in letzter Zeit ihre Goldbestände um 7,9 Tonnen reduziert, was den Markt belastet haben dürfte.

Entsprechend dem nachgebenden Goldpreis notierten auch die Bergbautitel gestern in Johannesburg etwas niedriger als am Tag zuvor. Dabei hellt sich die mittelfristige Perspektive für die Minentitel auf. Wie jetzt bekannt wurde, wird die südafrikanische Regierung womöglich schon in dieser Woche eine neue Bergbau-Charta vorlegen, die in weiten Teilen vom radikalen ersten Entwurf abweicht. In diesem hatte die Regierung Ende Juli geplant, innerhalb von nur zehn Jahren einen Anteil von 30 % der bestehenden südafrikanischen Minen in die Hände schwarzer Unternehmer zu überführen. Auch sollten von Schwarzen geführte Unternehmen bis etwa zum Jahr 2012 zu 51% an allen neuen Gruben beteiligt werden.

Der Markt erwartet ein "beträchtlich verwässertes Dokument"


Angeblich hat die Regierung diese Zielvorgaben nun halbiert. Nach Angaben von James Allan vom Johannesburger Brokerhaus Barnard Jacobs Mellet erwarte der Markt ein "beträchtlich verwässertes Dokument". Er selbst rechnet damit, dass etwa 15 % der Anteile an den bestehenden Minen übertragen würden. Daneben würde die Regierung aber verstärkt darauf achten, was die Firmen in der Vergangenheit zur Integration Schwarzer in die Minenindustrie getan haben. Allan erwartet, dass die neue Charta den Minenaktien Aufschwung verleiht, vorausgesetzt es komme auch zu einer Erholung der internationalen Märkte.

Beobachter hatten die ursprünglichen Pläne der Regierung schon wegen der immensen Kosten für illusorisch gehalten und wegen der von ihnen geschaffenen Unsicherheit kritisiert. Um zum Beispiel einen Anteil von 30 % an der Minenindustrie zu erwerben, müssten Schwarze Fremdmittel im Umfang von mindestens 200 Mrd. Rand (19,8 Mrd. Euro) aufnehmen. Das entspricht rund einem Viertel aller Kredite, die Südafrikas Banken vergeben haben. Skeptisch kommentierten Analysten die Auswirkungen der angepassten Bergbau-Charta auf den Aktienkurs der Minenkonzerne. Selbst die zurückgeschraubten Zielvorgaben, so hieß es, seien wegen der dazu benötigten Gelder extrem ehrgeizig und kaum allgemein durchsetzbar.

Zu den Nutznießern einer abgemilderten Bergbau-Charta würde vor allem das Bergbauhaus Anglo American gehören. Aber auch die Platinfirmen Angloplat und Impala dürften wegen ihrer einseitigen Ausrichtung auf Südafrika stärker profitieren. Die Versuche der Regierung, mit Hilfe von Gesetzen, Vorschriften und Quoten Druck auf den Minensektor auszuüben, haben indes Befürchtungen verstärkt, dass weitere Zweige der Wirtschaft wie etwa die Finanz- und Fremdenverkehrsbranche ins Visier des regierenden Afrikanischen Nationalkongress (ANC) geraten könnten. Als Vorbild dient der Regierung offenbar die neue Charta für den Energiesektor, der Präsident Thabo Mbeki am Freitag mit seiner Unterschrift Gesetzeskraft verleihen wird. Sie soll dafür sorgen, dass bis 2010 rund 25 % der Aktiva von Energiegesellschaften in schwarze Hände wandern. Im Fall des Petrochemieunternehmens Sasol würde ein solcher Transfer zum jetzigen Unternehmenswert mindestens 15 Mrd. Rand (1,4 Mrd. Euro) kosten.

Unsicherheit über die künftigen Besitzverhältnisse


Die Unsicherheit über die künftigen Besitzverhältnisse benachteiligt nach Angaben von Experten die Aktien südafrikanischer Bergbauunternehmen gegenüber anderen Minentiteln wie etwa der britisch-australischen Bergbaugruppe Rio Tinto. Finanzkräftige Gesellschaften wie Anglo American oder BHP Billiton könnten sich zu einem Befreiungsschlag gezwungen sehen, was die Konsolidierungsphantasie wachhält. International hat der Johannesburger Goldsektor allerdings trotz einiger Einbußen bei den Minenwerten recht gut abgeschnitten. Der südafrikanische Index hat den Gold & Silver-Index der Börse in Toronto seit Anfang Januar um mehr als 50 % überflügelt.

Mittelfristig befindet sich der Goldmarkt laut Philip Klapwijk derzeit in einem "sensiblen Gleichgewicht". Nach Ansicht des Chefs der Londoner Gold Fields Mineral Services (GFMS) könnte das Edelmetall in den Augen vieler Anleger schnell wieder zu einem "Zufluchtsort" werden, sollte sich die Lage in Nahost weiter verschlechtern oder es zu einem "bedeutenden wirtschaftlichen Schock kommen". GFMS, die bekannteste Researchgesellschaft rund um Gold, hält das Risiko eines Rückschlags aber für gering. Für die zweite Jahreshälfte 2002 sei ein Durchschnittspreis von 316 $ zu erwarten - wenn auch Schwankungen zwischen 300 und 330 $ möglich seien.

Die weltweite Investorennachfrage belief sich in der ersten Hälfte 2002 allerdings auf nur 182 Tonnen (t). Die dafür ausgegebenen knapp 2 Mrd. $ seien gegenüber anderen Anlageformen eher "winzig". Viele Anleger hätten offenbar Bergbauaktien den Vorzug gegeben.

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