Südkorea "hungrig auf Erfolg"
Traum und Trauma

Südkoreas "Rote Teufel" träumen von einem Achtelfinal-Sieg gegen Italien. Dessen Trainer Trapattoni setzt weiter auf Defensive und Spielmacher Totti macht seinen "Azzurri" Mut: "Das wird eine Schlacht, die wir gewinnen werden." Erinnerungen an das WM-Desaster von 1966 werden (noch) verdrängt.

dpa DAEJEON. Im Hexenkessel von Daejeon wollen Südkoreas "Rote Teufel" Titelaspirant Italien das Achtelfinale zur Hölle machen. 48 Millionen Koreaner hoffen, dass die Elf von National-Held Guus Hiddink den Traum vom Viertelfinale verwirklicht. "Wir wollen weiter Geschichte schreiben", verspricht Mittelfeld-Ass Nam Il Kim gegen den dreimaligen Weltmeister am Dienstag (13.30 Uhr/MESZ) einen historischen Erfolg. "Das wird eine echte Schlacht", fürchtet Italiens Stürmerstar Christian Vieri. "Aber eine Schlacht, die wir gewinnen werden", beruhigt Spielmacher Francesco Totti die "Tifosi" in der Heimat, die den vierten Weltmeistertitel fordern.

Die Euphorie in Korea sprengt alle Grenzen. Tagelang campierten einige hundert fanatische Fans vor dem Stadion in Daejeon, um noch eines der wenigen Tickets zu ergattern. Auf dem Schwarzmarkt wurden weit über 700 Euro für eine Eintrittskarte gezahlt. "Die Südkoreaner werden vom Enthusiasmus getragen", warnt Italiens Nationaltrainer Giovanni Trapattoni. Selbst Hiddink, der sonst eher zurückhaltende Vater des koreanischen Erfolgs, ließ sich vom Fieber anstecken. "Ich bin immer noch hungrig auf Erfolg", rief er den Fans zu.

Nach den unerwarteten Triumphen über Polen (2:0) und Portugal (1:0) hat das Team den Respekt vor den Stars aus Europa abgelegt. "Wir sind im Turnier gewachsen", glaubt Hiddink. Jetzt fühlen sich die Gastgeber sogar stark genug, um eine Fußball-Großmacht wie Italien zu schlagen. "Wir werden unsere Taktik nicht ändern und setzen ganz auf Offensive", verspricht Hiddink. "Wir sind schneller und motivierter", glaubt Verteidiger Tae Young Kim. "So können wir jeden schlagen", behauptet Jung Hwan Ahn, der beim AC Perugia in Italien spielt und die "Azzurri" sehr gut kennt. Der von "Maestro" Trapattoni gefürchteten "läuferischen Stärke" der Koreaner werden die Italiener "ihre spielerische Überlegenheit" entgegensetzen, so Totti.

Auch ohne den gelb-gesperrten Abwehrstar Fabio Cannavaro "haben wir eine der besten Abwehrreihen der Welt", meint dessen Ersatz Christian Panucci. Der mit einer Fußverletzung angeschlage Abwehrchef Alessandro Nesta fehlte zwar im Abschlusstraining. Der Kapitän von Lazio Rom soll aber wieder fit gespritzt werden und gemeinsam mit Panucci und Kapitän Paolo Maldini verteidigen. Vorne setzt Trapattoni mit Spielmacher Totti und Alessandro Del Piero als zweiter Spitze neben Vieri auf ein bisschen mehr Risiko. Der Held des Mexiko-Spiels sei "der Stürmer mit den besten Defensiv-Qualitäten", begründete Sicherheitsfanatiker "Trap" seine Entscheidung für Del Piero.

Vor der hitzigen Atmosphäre in Daejeon haben die Italiener keine Angst. "Wir sind es gewohnt, gegen 80 000 Zuschauer zu spielen, hier sind es nur 40 000", sagte Totti gelassen. Ein Desaster wie gegen die "Roten Mosquitos" aus Nordkorea, gegen die Italien 1966 bei der WM nach einem 0:1 ausschied, wird sich nicht wiederholen, versprechen die "Azzurri". Zumal Südkorea ohne seinen "zwölften Mann", Präsident Kim Dae Jung, auskommen muss. Mit ihrem Staatsoberhaupt auf der Tribüne schlugen die Koreaner Portugal und Polen. Ohne ihn reichte es gegen die USA lediglich zum 1:1. Hiddink ist dennoch siegessicher: In Suwon schaute er sich das Achtelfinale Spanien - Irland an. Denn auch Nationalhelden brauchen Informationen über den nächsten Gegner.

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