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Südkorea lehnt Terroristen-Ultimatum ab

Seoul/Bagdad (dpa) - Die südkoreanische Regierung hat die Forderung der Entführer eines 33 Jahren alten Südkoreaners nach einem Truppenabzug aus dem Irak abgelehnt. Die mutmaßlichen El-Kaida-Terroristen drohen mit der Enthauptung des Mannes.

Seoul/Bagdad (dpa) - Die südkoreanische Regierung hat die Forderung der Entführer eines 33 Jahren alten Südkoreaners nach einem Truppenabzug aus dem Irak abgelehnt. Die mutmaßlichen El-Kaida-Terroristen drohen mit der Enthauptung des Mannes.

In einem vom arabischen Nachrichtensender El Dschasira in der Nacht zum Montag ausgestrahlten Video verlangte die Gruppe El Tawhid wa El Dschihad von Seoul den Abzug aller Soldaten aus dem Irak innerhalb von 24 Stunden.

Das südkoreanische Verteidigungsministerium erklärte am Montag, das Ultimatum der Geiselnehmer sei unannehmbar. Die Entführung werde keinen Einfluss auf die geplante Entsendung weiterer Soldaten haben. Das Ministerium betonte, der Einsatz südkoreanischer Truppen diene dem friedlichen Wiederaufbau und humanitären Zwecken. Der südkoreanische Außenminister Ban Ki-moon bat die USA, internationale Menschenrechtsgruppen und religiöse Organisationen, Seoul bei den Bemühungen um eine Freilassung des Mannes zu unterstützen.

Nach südkoreanischen Medienangaben handelt es sich bei der Geisel um den 33 Jahre alte Kim Sun-il, dessen südkoreanischer Arbeitgeber militärische Ausrüstung für die US-Armee liefert. Der Mann, der als arabisch/englisch Dolmetscher arbeitet, sei am Sonntag in der Gegend von Falludscha verschleppt worden.

In dem Video sind drei Bewaffnete hinter dem Asiaten zu sehen. Der Mann flehte auf Englisch seine Regierung an, die Forderungen der Terroristen zu erfüllen. Der Führer der Terrorgruppe, Abu Mussab el Sarkawi, soll Beziehungen zum Terrornetzwerk El Kaida von Osama bin Laden haben.

Zur Zeit halten sich etwa 600 südkoreanische Soldaten im Irak auf. Ab Juli will Seoul mehr als 3000 zusätzlich Soldaten in den Irak schicken. Die südkoreanische Regierung hatte kurz vor der Entführung eine Reisewarnung für den Irak ausgesprochen.

Angesichts der eskalierenden Gewalt kündigte der irakische Ministerpräsident Ijad Allawi eine grundlegende Umstrukturierung der Aufgaben der Sicherheitskräfte an. Allawi sagte am Sonntag vor Journalisten in Bagdad, der Kampf gegen Aufständische werde für absehbarer Zeit im Mittelpunkt der Aufgaben stehen. Für diese Aufgabe könnten insgesamt mehr als 60 000 Mann eingesetzt werden. Der Aspekt der nationalen Verteidigung solle aber dennoch nicht vernachlässigt werden. Die Grenzpolizei solle zum Schutz gegen das Eindringen ausländischer Kämpfer verstärkt werden.

Allawi stellte zudem die Verhängung von Notstandsgesetzen in einigen Problemregionen in Aussicht. «Wir erwägen, diese an Orten zu verhängen, wo es nötig sein könnte», sagte Allawi, dessen Übergangsregierung ab dem 30. Juni formal die Souveränität ausüben wird. Sein Kabinett wolle verstärkt gegen die «Netzwerke des Bösen» vorgehen. Allawi nannte die amerikanische Entscheidung, die irakische Armee aufzulösen, einen «großen Fehler». Dieser solle behoben werden, betonte er.

Im Irak sind am Wochenende bei einem US-Luftangriff sowie einer Serie von Bombenanschlägen und anderen Zwischenfällen mehr als 30 Menschen getötet worden. Gesundheitsminister Aladdin Alwan entging in der Nacht zum Sonntag nach einem Bericht von El Dschasira einem Attentatsversuch.

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