Südkorea weint nach Wonnewochen
WM-Titel für Fans

Michael Ballacks Siegtor im Halbfinale zwischen Deutschland und dem Gastgeber holte ein ganzes Volk am Dienstag nach Wochen des beinahe außerirdischen Glücks auf den Boden zurück. Als Ballack den Ball in die Maschen jagte, herrschte auf einen Schlag atemlose Stille.

dpa SEOUL. Südkoreas Staatspräsident Kim Dae Jung verbarg seine Enttäuschung hinter einem diplomatischen Lächeln, viele seiner Landsleute weinten und seine Nationalspieler gingen fast alle nach dem Schlusspfiff in die Knie. Michael Ballacks Siegtor im Halbfinale zwischen Deutschland und dem Gastgeber holte ein ganzes Volk am Dienstag nach Wochen des beinahe außerirdischen Glücks auf den Boden zurück. "Nonstop Action! Beat Germany", hatten die Fans im World Cup Stadium von Seoul vor dem Anpfiff noch gefordert und ihre "Reds" mit "Taehan Minguk"-Rufen, Trommeln und Geschrei nach vorne getrieben. Als Ballack den Ball in die Maschen jagte, herrschte auf einen Schlag atemlose Stille. "Respekt vor diesem Land, Respekt vor diesem Gegner", meinte Christoph Metzelder beeindruckt von der Atmosphäre.

Die etwa 1000 deutschen Anhänger aus Wolfsburg, Darmstadt, Halle oder Frankfurt/Main unter den 65 256 Zuschauern hatten gegen die einheimische Fan-Übermacht wenig zu melden. Erst am Vormittag des Spiels hatten 600 von ihnen mit Hilfe des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) Tickets für Preise zwischen 175 und 600 Euro erworben. Knapp 40 DFB-Fans waren extra zum Halbfinale aus der Heimat eingeflogen und hatten - ungeachtet des Ausgangs der Partie - den Rückflug für Mittwoch gebucht. Wer für sie der Garant des Erfolges ist, machten sie mit einem Spruchband deutlich. "Rudi schick' die Männer vor, vor, vor - der Olli hütet schon das Tor", hieß es darauf mit Anspielung an Torwart-"Gott" Oliver Kahn.

In der Hauptstadt Seoul drehte sich seit den Nachmittagsstunden alles nur noch um Fußball, der in Südkorea seit dem ersten Sieg gegen Polen (2:0) immer mehr zur schönsten Hauptsache geworden ist. Bank- Angestellte und Geschäftsleute mit roten T-Shirts unter dem Jacket eilten zur TV-Übertragung nach Hause oder mischten sich unter die rund drei Millionen Fans, die sich auf vielen Plätzen versammelten.

Darunter die "Rote Armee" einzigartigen Fußball-Fangemeinde Südkoreas, die friedlicher Fanatismus und Fantasie auszeichnet: Auf den Kopf gesteckte Teufelshörner, Korea-Tattoos auf den Wangen und als Tiger geschminkte Gesichter machten das Kicker-Festival zu einem bunten Maskenball - und sich selbst zu "Fan-Weltmeistern".

Allein in der Innenstadt um die City Hall, das Kwanghwa-mun-Areal und den Yoida Park sollen 500 000 Menschen vor Großleinwänden gefeiert und gelitten hatten. Ein Rekordaufgebot von 3177 Feuerwehrleuten und Sanitätern mit 180 Einsatz- und Krankenwagen standen für den Ernstfall bereit, weitere 1781 warteten auf Abruf auf einen Einsatz. Im ganzen Land versammelten sich nach Polizei-Angaben mehr als sieben Millionen Menschen auf etwas 400 öffentlichen Plätzen. Zur Vorbeugung waren rund 40 000 Polizisten in höchste Alarmbereitschaft versetzt worden.

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