Südkoreas Konzerne haben große Probleme
Konzernriese Hyundai steht vor der Aufspaltung

Enttäuschte Gläubiger setzen den in die Krise geratenen Konzern unter Druck.

dpa SEOUL. Noch vor wenigen Jahren glaubte niemand, dass die großen Konzerne Südkoreas in Schwierigkeiten geraten könnten. Die mächtigen Familienunternehmen machten den Anschein, nichts könne sie aufhalten. Sie wuchsen innerhalb weniger Jahrzehnte zu gigantischen Konzernen heran. Es wurden Kredite aufgenommen, um neue Betätigungsfelder zu erschließen. Immer mehr Tochtergesellschaften wurden gegründet. Bis Ende 1997 die Finanzkrise über Ostasien hereinbrach: Die Einnahmen sanken und die Kredite konnten nicht zurückgezahlt werden.

Den Anfang machte 1999 der Gigant Daewoo. Kurz vor dem Ausbruch der Krise vereinte Daewoo rund 50 Tochterfirmen unter seinem Dach. Als zweitgrößtes Unternehmen des Landes produzierte Daewoo nahezu alles, von Containerschiffen und Autos bis hin zur elektrischen Zahnbürste. Nach der Umbildung blieb Daewoo lediglich die Autoproduktion.

Im Falle der Firma Samsung war es Übermut, der den damals drittgrößten Konzern Südkoreas in die Knie zwang. Ohne auf die Ratschläge seiner Berater zu hören, setzte das Familienoberhaupt, ein Autonarr, seinen größten Wunsch, Autos zu produzieren, in die Tat um. Dass mit den Marken Hyundai, Daewoo und Kia der heimische Markt bereits mehr als ausreichend versorgt war, kümmerte ihn wenig.

Jetzt kämpft die Hyundai Gruppe mit Problemen. Die Gläubiger wollen ihr Geld wiedersehen und verstärken zunehmend den Druck auf den Mischkonzern. Auch die Regierung in Seoul unter Kim Dae Jung, die seit ihrem Amtsantritt im Februar 1998 unermüdlich die Restrukturierung der Konzerne forderte, ist mit ihrer Geduld am Ende. Sie befürchtet, die Hyundaikrise könne die sich erholende Wirtschaft des Landes erneut in einen Abgrund stürzen. Beide Seiten drängen den mit 5,6 Billionen Won (etwa 11 Mrd. DM) verschuldeten Konzern auf ihre drei Hauptforderungen einzugehen.

Regierung und Gläubigerbanken bestehen auf einem sofortigen Rücktritt der Familienmitglieder des Firmengründers, Chung Ju Yung, aus dem Management. Mit ihnen sollten auch jene Manager ihren Hut nehmen, die man für das Finanzdebakel Hyundais verantwortlich macht. Zudem soll sich das Unternehmen früher als geplant von Hyundai Heavy Industries trennen. Ursprünglich wurde der Termin auf das Jahr 2003 festgelegt. Die dritte Forderung, nach Abspaltung des Automobilsektors von der Hyundai Gruppe, ist der Familie Chung ein Dorn im Auge. Ist doch gerade Hyundai Motor der ertragsreichste Sektor.

Hyundai Motor hat in der ersten Jahreshälfte einen Rekordumsatz von 277 Mill. $ eingefahren, fast drei Mal so viel wie im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Und gerade jetzt soll Firmengründer Chung, nach dem Willen von Regierung und Gläubigern, rund ein Drittel seines Anteils von 9,1 % an die Korea Exchange Bank, dem Hauptgläubiger, abtreten.

Hyundai hat angekündigt, am 19. August einen Selbsthilfeplan vorlegen zu wollen. Analysten bezweifeln jedoch, dass dieser die Zustimmung aller Streitparteien finden wird.

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