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Südkoreas Minister bieten geschlossen Rücktritt an

Als Reaktion auf einen Misstrauensantrag gegen den Vereinigungsminister hat das südkoreanische Kabinett am Dienstag geschlossen seinen Rücktritt angeboten. Präsidialamtssprecher Park Joon Young sagte in Seoul, die Minister und Staatssekretäre hätten ihren Rücktritt angeboten, um die Verantwortung für die Abstimmung im Parlament zu übernehmen.

rtr SEOUL. Park sagte nicht, ob Präsident Kim Dae Jung die Rücktritte annehmen wird. Die Abgeordneten in der Nationalversammlung hatten am Montag mit einer Mehrheit von 148 zu 119 Stimmen dem Minister für Vereinigung, Lim Dong Won, das Misstrauen ausgesprochen und ihm das Scheitern seiner Politik gegenüber dem kommunistischen Nordkorea vorgeworfen. Auf die Frage, wann der Präsident sein Kabinett umbilden werde, sagte Park: "In dieser Woche." Es sei einige Zeit nötig, um mit der neuen Situation umzugehen. "Da ein politisches Vakuum nicht akzeptabel ist und eine Sitzung der Nationalversammlung ansteht, wird die Entscheidung so bald wie möglich fallen", sagte Park.

Trotz des Misstrauensantrages gegen Lim will Präsident Kim dem Präsidialamt zufolge an seiner so genannten Sonnenschein-Politik gegenüber Nordkorea festhalten. Lim sagte am Dienstag auf einer Pressekonferenz, es zeuge von Ignoranz der Realität, die Sonnenschein-Politik als gescheitert anzusehen. "Die Politik der Aussöhnung (mit Nordkorea) erfreut sich weltweit einer breiten Unterstützung und der beständigen Unterstützung durch die südkoreanische Öffentlichkeit", sagte Lim. Die Opposition wirft Kim dagegen vor, er habe einseitig an ein undankbares Nordkorea Gelder vergeben, die besser im eigenen Land ausgegeben worden wären. Zuletzt hatte die Finanzierung einer Reise südkoreanischer Linker in die nordkoreanische Hauptstadt Pjöngjang für Kontroversen gesorgt. Dort hatten rund 100 Südkoreaner an Versammlungen teilgenommen, die Nordkorea als Plattform für gegen Südkorea gerichtete Propaganda genutzt hatte.

Erst am Sonntag hatte Nordkorea Südkorea neue Gespräche auf Regierungsebene angeboten. Im Juni vergangenen Jahres war es zu einem ersten Treffen der beiden Staatschefs in Pjöngjang gekommen. Das historische Treffen hatte Hoffnungen auf eine Wiedervereinigung des seit Ende des Korea-Krieges 1953 geteilten Landes genährt.

Chinas Präsident Jiang Zemin, der sich derzeit in Nordkorea zu einem Besuch aufhält, unterstützte chinesischen Medienberichten zufolge die Politik der Aussöhnung zwischen den beiden Ländern. Die "China Daily" zitierte Jiang mit den Worten, China werde weiterhin die Bemühungen von Nord- und Südkorea unterstützen, "die Beziehungen weiter zu verbessern und Unabhängigkeit, Frieden und Wiedervereinigung zu erreichen".

Die südkoreanischen Finanzmärkte reagierten nicht auf den möglichen Rücktritt der Regierung.

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