Südkoreas Präsident will Koreakrieg förmlich beenden
Nord- und Südkorea verabreden weitere Maßnahmen zur Annäherung

afp SEOUL. Der südkoreanische Präsident Kim Dae Jung hat eine neue Friedensinitiative zur weiteren Entspannung mit Nordkorea vorgeschlagen. In einer Rede aus Anlass des "Tags der Streitkräfte" sagte der Präsident am Sonntag, seine Regierung setze sich für ein Vierer-Treffen zwischen Nord- und Südkorea, den USA und China ein, um dem nicht mehr zeitgemäßen Kalten Krieg auf der koreanischen Halbinsel ein Ende zu setzen. Die USA und China sollten dabei als Garantiemächte für einen förmlichen Friedensvertrag mit Nordkorea auftreten. Die beiden Minister für Wiedervereinigung, Jon Kum Jin und Park Jae Kyu, verabredeten nach zweitägigen Gesprächen am Wochenende die Bildung einer gemeinsamen Wirtschaftskommission sowie eine Reihe weiterer vertrauensbildender Maßnahmen.

Die koreanische Halbinsel ist seit 1945 in den kommunistisch regierten Norden und den westlich orientierten Süden geteilt. Einen Friedensvertag haben die beiden Staaten nach dem Koreakrieg (1950 bis 1953) niemals geschlossen. Bisher gibt es lediglich ein Waffenstillstandsabkommen, das Südkorea jetzt offenbar in Verhandlungen mit dem Norden durch einen förmlichen Friedensvertrag ersetzen will. Im Koreakrieg kämpfte China an der Seite von Nordkorea gegen das von US-geführten UN-Truppen unterstützte Südkorea.

Im August 1997 hatten Friedensgespräche zwischen den vier Staaten begonnen. Diese wurden zwei Jahre später jedoch ausgesetzt, nachdem Nordkorea den Abzug der 37 000 in Südkorea stationierten US-Soldaten forderte. Erst seit dem historischen Gipfeltreffen in Pjöngjang zwischen Kim Dae Jung und dem nordkoreanischen Präsidenten Kim Jong Il im Juni diesen Jahres herrscht Tauwetter in den Beziehungen zwischen beiden Staaten.

Sechs-Punkte-Programm für bilaterale Maßnahmen

Die beiden Minister für Wiedervereinigung vereinbarten auf der südkoreanischen Insel Cheju ein neues Treffen für Ende November und sprachen über weitere Besuchstermine hochrangiger nordkoreanischer Vertreter in Südkorea. Außerdem einigten sie sich auf ein Sechs-Punkte-Programm für bilaterale Maßnahmen. Dazu zählen der Bau einer Bahnverbindung zwischen beiden Staaten, Freundschafts-Fußballspiele sowie Austauschprogramme für Professoren, Studenten und Künstler. Beide Seiten stimmten ferner darüber ein, die Familienzusammenführung zu beschleunigen. Im Laufe des Monats ist außerdem ein Besuch des nordkoreanischen Vize-Präsidenten Cho Myong Nok in Washington vorgesehen.

Einen Stich in den zunehmend freundschaftlichen Beziehungen der beiden Koreas versetzte die Teilnahme von US-Soldaten an den Feierlichkeiten zum "Tag der Streitkräfte" auf dem Gelände des südkoreanischen Armee-Hauptquartiers in Taejon. Erstmals seit dem Korea-Krieg nahmen US-Soldaten an der Zeremonie teil. Präsident Kim hob die Bedeutung der US-Streitkräfte für die "Sicherheit und den Frieden" in seinem Land hervor, in dem 37 000 US-Soldaten stationiert sind. In der einflussreichen staatlichen nordkoreanischen Zeitung "Rodon Sinmun" wurde die Teilnahme des US-Militärs kritisch gesehen. Auf ihrem Weg zur Wiedervereinigung sollten die beiden Koreas "jegliche Intervention von ausländischen Streitkräften" zurückweisen", hieß es in einem Kommentar.

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