Südwestdeutsche Medien Holding
Neuer Medien-Riese tritt ins Rampenlicht

In der deutschen Zeitungslandschaft tritt ein neuer Name in den Blickpunkt: Die Südwestdeutsche Medien Holding GmbH (SWMH) mit Sitz in Stuttgart beteiligt sich mit 18,75 Prozent an der renommierten "Süddeutschen Zeitung" in München, wie am Montag mitgeteilt wurde

HB/dpa STUTTGART. Die SWMH ist noch weniger bekannt als "stille Medien-Riesen" wie die WAZ-Gruppe in Essen und der Stuttgarter Holtzbrinck-Verlag. Doch immerhin handelt es sich bei der Medien Holding mit einem Anteil von 4,9 Prozent an der bundesweiten Auflage inzwischen um den drittgrößten deutschen Tageszeitungsverlag hinter dem Axel Springer Verlag und der WAZ.

Hauptgesellschafter der SWMH sind mit je 44,36 Prozent die Medienunion GmbH Ludwigshafen und die Gruppe Württembergischer Verleger. Hinter der Medienunion steht die Verleger-Familie Schaub und die in der Pfalz vorherrschende Tageszeitung "Die Rheinpfalz".

In der Gruppe Württembergischer Zeitungsverleger soll der Ulmer Verleger Eberhard Ebner mit über neun Prozent den größten Anteil haben. Ebner gibt unter anderem die "Südwest Presse" in Ulm heraus. Keine Angaben machte die Stuttgarter Medien Holding darüber, wie viel sie für den Einstieg bei der "Süddeutschen Zeitung" gezahlt hat. Beobachter gehen davon aus, dass es gut 100 Millionen Euro gewesen sein dürften. Die FAZ gibt den letztjährigen Umsatz der SWMH mit 282 Millionen Euro an. Die Umsatzrendite soll bei knapp 19 Prozent liegen.

Die SWMH ist die Obergesellschaft der Zeitungsgruppe Stuttgart mit zahlreichen Beteiligungen im Medienbereich. Sie ist unter anderem zu 75 Prozent an der "Stuttgarter Zeitung" und zu 80 Prozent an den "Stuttgarter Nachrichten" beteiligt. Beide haben zusammen mit den Mantelpartnern der "Stuttgarter Nachrichten" eine Auflage von 570 000 Exemplaren. Zwischen beiden Blättern gibt seit Jahren einen Anzeigenverbund.

Nun spekulieren Medieninsider, ob es künftig vielleicht zwischen der "Stuttgarter Zeitung", den "Stuttgarter Nachrichten" und der "Süddeutschen Zeitung" auch einen Anzeigenverbund geben könnte. Auch wird unter Branchenkennern darüber gerätselt, ob die "Stuttgarter Zeitung" und die "Süddeutsche Zeitung" auf einigen Medienplätzen im In- und Ausland neue Synergien nutzen und Korrespondentenplätze zusammenlegen könnten. Doch zu dieser Frage gibt es in beiden Häusern keine Auskunft.

Die Stuttgarter Zeitungsfamilie mit ihrem Geschäftsführer Jürgen Dannenmann agiert im neunten Stock des Pressehauses im Stadtteil Möhringen ebenso schwäbisch zurückhaltend wie der nur wenige Kilometer entfernte Holtzbrinck-Verlag auf der Gänsheide. Erst vor kurzer Zeit hat die SWMH durchblicken lassen, dass sie an einer Übernahme der "Berliner Zeitung" interessiert ist. Derzeit sieht es aus, dass der Holtzbrinck-Verlag, dem schon der Berliner "Tagesspiegel" gehört, die "Berliner Zeitung" aus kartellrechtlichen Gründen nicht übernehmen darf.

Nicht nur in Branchenkreisen ist man überrascht, dass die Südwestdeutsche Medien Holding, um die sich herum eine ganze Reihe von Verlagen aus Baden-Württemberg gruppiert, der "Süddeutschen Zeitung" zu Hilfe kommt. Bisher war zwischen München und Stuttgart vor allem von der Rivalität der Automobilkonzerne Mercedes-Benz und BMW die Rede. Viele Redakteure der "Süddeutschen Zeitung" dürften überrascht gewesen sein, dass nun ausgerechnet aus Stuttgart Unterstützung kommt.

Für SWMH-Geschäftsführer Dannenmann passen der Süddeutsche Verlag und die Zeitungs-Gruppe Stuttgart "hervorragend" zueinander, nicht zuletzt in den publizistischen Grundhaltungen. "Qualität und Unabhängigkeit" der "Süddeutschen Zeitung" stehen dabei für Dannenmann außer Frage.

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