Summe der Gebote übersteigt die Marke von 20 Milliarden DM
Kursrutsch bei UMTS-Bietern

Schon jetzt kostet eine UMTS-Lizenz für Deutschland mindestens vier Milliarden Mark. Noch immer ist keiner der sieben Bieter ausgestiegen. Experten fürchten, dass sich die Bieter übernehmen.

dri/hz BERLIN/FRANKFURT. Die Versteigerung der deutschen UMTS-Mobilfunklizenzen wirkt sich inzwischen auch an den Aktienmärkten aus. Vodafone, Deutsche Telekom, France Télécom und British Telecom, die bereits in Großbritannien zwischen zwölf und 18 Mrd. DM für ihre jeweilige UMTS-Lizenz bezahlen mussten, geraten seit Wochenbeginn unter Druck. "Es wird auch in Deutschland viel zu teuer", befürchten Händler, nachdem sich gestern Vormittag die Höchstgebote auf mehr als 20 Mrd. DM summiert hatten, ohne dass sich ein Ende des Bieterwettbewerbs abzeichnete.

20 Mrd. DM ist die Summe, mit der Finanzminister Hans Eichel vor Beginn der Auktion gerechnet hatte. Am frühen Abend waren der Staatskasse bereits Einnahmen von 24,7 Mrd. DM sicher.

Noch immer bieten neben den Mobilfunknetzbetreibern D2/Vodafone, T-Mobil, E-Plus-Hutchison/KPN und Viag Interkom (BT) drei potenzielle Neueinsteiger mit: Mobilcom/France Debitel/Swisscom und das Konsortium 3G von Telefónica und Sonera.

Als Ergebnis der Auktionsrunden werden jeweils nur die Höchstgebote veröffentlicht. Daher war es gestern Abend weiterhin unklar, ob alle Bieter noch immer, wie zu Anfang, für drei der zwölf angebotenen Frequenzblöcke bieten oder ob sich einzelne bereits mit der Mindestzahl von zwei Blöcken zufrieden geben. Damit ist weiterhin offen, ob es vier, fünf oder sechs Lizenzen geben wird. Telekom-Regulierer Klaus-Dieter Scheurle blieb jedenfalls auch gestern bei seiner Einschätzung, dass am Ende fünf Bieter erfolgreich sein werden.

Mit einem schnellen Ende der Auktion rechnete Scheurle gestern noch nicht. "Wir befinden uns in der mittleren Phase der Auktion", sagte er dem Handelsblatt. Scheurle könnte den Stress der Bieter allerdings dadurch mindern, dass er die Mindesterhöhungsrate von derzeit 10 % senkt. Dann würden die Gebote zunächst wieder etwas langsamer steigen. Gestern sah er dafür jedoch noch keine Veranlassung.

Ein Sprecher des Finanzministeriums bekräftigte, dass die Einnahmen zum Schuldenabbau eingesetzt würden. Je 10 Mrd. DM höhere Versteigerungseinnahmen führten zu Zinsersparnissen von 500 Mill. DM. Der Bund erreicht nach bisheriger Planung in diesem Jahr eine Schuldensumme von 1,5 Bill. DM. Die Zinsersparnis aus den ersten 20 Mrd. DM wurde in den Haushaltsentwurf des Bundes für 2001 eingestellt. Daraus soll je die Hälfte zur erhöhten Bafög-Finanzierung und für Verkehrsinvestitionen eingesetzt werden.

An den Finanzmärkten erwarteten Analysten, dass bis Ende der Woche möglicherweise der erste Bieter aussteigt. Die Experten rechnen damit, dass Debitel oder das Konsortium aus Telefónica und Sonera als erste aufgeben werden. Entscheidend für die Höhe des Auktionserlöses werde dann das Verhalten der übrigen Unternehmen sein, sagte BHF-Analyst Michael Schatzschneider. Würden mehr als zwei Telekommunikationsfirmen auf eine große Lizenz mit drei Frequenzblöcken setzen, könnten 70 Mrd. DM zusammenkommen.

Angesichts derartiger Summen warnte das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) die Bieter vor überhöhten Geboten. Durch "Übertreibungen" bei den gebotenen Summen liefen die sieben Firmen und Konsortien Gefahr, sich zu übernehmen, sagte DIW-Experte Georg Erber.

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