Sumpf tiefer als bislang gedacht
Bahn: Weitere Ermittlungen wegen Korruption

Der Korruptionssumpf bei der Deutschen Bahn ist tiefer als bisher bekannt. Derzeit laufen noch in 25 Fällen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft, sagte Personalvorstand Horst Föhr am Montag in Berlin. Zudem gebe es bahnintern weitere bis zu 50 Ermittlungen, bei denen der Vorwurf der Bereicherung jedoch noch nicht geklärt sei, ergänzte Föhr.

ddp.vwd BERLIN. In der vergangenen Woche waren wegen Korruption ein Mitarbeiter der Bahn sowie drei Personen anderer Firmen verhaftet worden. Zugleich kündigte Föhr an, dass die Deutsche Bahn ihren Personalabbau verzögern werde.

Beim Personal will die Bahn in den kommenden beiden Jahren zwischen 3200 bis 3800 Stellen weniger abbauen als ursprünglich vorgesehen, sagte Föhr. Die dafür entstehenden Kosten will der Konzern durch Einsparungen beim Materialeinkauf sowie eine Umsatzsteigerung von mehreren hundert Millionen Mark ausgleichen. Für das laufende Jahr rechnet Föhr bis Dezember mit einem planmäßigen Personalabbau um 8100 auf 214 000 Beschäftigte zuzüglich knapp 9000 Auszubildenden.

Händeringend sucht die Bahn derzeit nach Planungsingenieuren, von denen sie bis Jahresende 1000 einstellen will. Föhr gestand jedoch, dass dieses Ziel auf Grund der Marktsituation nicht vollständig zu erreichen sei. Die Bahn benötigt die Ingenieure, damit sie die von der Bundesregierung zur Verfügung gestellten Gelder aus der UMTS-Lizenzversteigerung zum Ausbau des Bahnnetzes investieren kann.

Zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit dringt die Bahn auf branchenorientierte Tarifabschlüsse. Die Verhandlungen darüber dauerten "länger als an sich vertretbar", klagte Föhr. Er bemängelte vor allem, dass es innerhalb der Bahn keine regionale Differenzierung der Löhne gebe, bei den Speditionen jedoch die Tarife zwischen München und Mecklenburg-Vorpommern um bis zu 40 Prozent voneinander abwichen. Sollte hier keine Lösung gefunden werden, müsse die Bahn ihre Angebote einschränken und dementsprechend mehr Personal abbauen, drohte Föhr. Derzeit hätte die Bahn bei Ausschreibungen keine Chance, wenn sie mit ihren tatsächlichen Kosten kalkulieren würde, sagte der Personalvorstand.

Beim Personalabbau im Bereich der Beamten greift der Bund der Bahn unter die Arme. Die 1998 ausgelaufene Vorruhestandsregelung soll Anfang kommenden Jahres wieder eingeführt werden. Von dieser Regelung könnten bis 2006 rund 7100 der 53 000 Beamten profitieren, sagte Föhr. Die Bahn koste dies rund 60 000 Mark pro Person.

Bei dem in der vergangenen Woche bekannt gewordenen Korruptionsfall hatte die Bahn selbst der Staatsanwaltschaft vor mehr als einem Jahr die Ermittlungen übergeben. Diese Zeitspanne wertete Föhr als "eindeutig zu lang". Deshalb suche man mit dem Bundesjustizministerium nach Lösungen, um diese Frist künftig verkürzen zu können. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft seien wichtig, um ein Signal in das Unternehmen zu geben, betonte Föhr. "Wir von uns aus tun alles, um die Korruption bei der Bahn auszumerzen", versprach er.

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