S&P-Analysten küren die Dividendenelite
Steter Tropfen fürs Depot

In den Zeiten der Hightech-Hausse nahm kaum jemand von ihnen Notiz: Dividenden. Das waren Krümel, die vom Cash-Kuchen der Börse abfielen. Jetzt steigt an der Wall Street das Interesse an Unternehmen, die ihre Aktionäre belohnen.

Dividenden-Papiere erleben eine Renaissance. Im ersten Quartal 2002 - die nordamerikanischen Aktiengesellschaften zahlen quartalsweise aus - waren die Dividendenzahlungen 27 % höher als 1999.

In den Zeiten des Boommarktes schauten die Investoren auf Wachstum. Sie hofften auf Kurshöhenflüge und beließen Überschüsse (sofern vorhanden) lieber in den Händen des Managements, weil sie sich dadurch Expansion und höhere Profite versprachen. "Wer gibt etwas auf 2 % Dividendenrendite, wenn er 30 % verdienen kann?", fragt Chuck Carlson von Horizon Investment Services. Bei den jungen Hightech-Unternehmen spielen Dividenden keine Rolle. Selbst die Großen wie Microsoft, Cisco oder Dell zahlen an ihre Anteilseigner keinen Cent.

Diejenigen US-Unternehmen, die Geld an ihre Aktionäre ausschütten, tun das um so regelmäßiger. US-Anleger erwarten darüber hinaus, dass die Dividende über Jahre und Jahrzehnte stetig wächst. Die Zahlung zu kürzen oder ganz ausfallen zu lassen, schadet dem Unternehmen. Denn dann fragen sich nicht nur die enttäuschten Aktionäre, ob etwas nicht stimmt. Das versuchen die US-Gesellschaften unter allen Umständen zu vermeiden. Es gilt die Devise: Wer einmal zahlt, zahlt immer. Kein Wunder, dass die Beträge in der Regel nicht so großzügig bemessen sind wie die der deutschen Aktiengesellschaften.

Und die meisten US-Dividendenzahler schütten bereits seit mehreren Jahrzehnten aus-oder länger. So erhalten die Aktionäre der Bank of New York bereits seit 1785 regelmäßig eine Gewinnausschüttung. Brausebrauer Coca-Cola zahlt immerhin seit 1893, der Ölmulti Exxon seit 1882 und Procter & Gamble - Hersteller von Pampers und Ariel - belohnt die Anteileigner seit 1891.

Wer die Cent-Beträge für eine vernachlässigbare Größe hält, sollte sich nicht täuschen lassen. Merck beispielsweise zahlt zur Zeit eine Dividendenrendite von 2,7%. Das ist höher als bei einer Anlage im Geldmarkt. Die Dividenden können außerdem als Indikator bei der Aktienauswahl dienen: Beim Performance-Vergleich schnitten die Dividendenpapiere in den vergangenen Jahren im Gesellschaften ohne Gewinnausschüttung meist besser ab.

Investmentfonds, die in sogenannte Mid Cap Value Aktien investieren, also wertorientierten Unternehmen mit mittlerer Marktkapitalisierung, gelten als guter Indikator für das Abschneiden der Dividendenpapiere insgesamt. Diese Fonds legten laut der Morningstar-Ratingagentur im vergangenen Jahr im Durchschnitt 6,39 % zu. Dagegen fiel der S&P 500, ein Indikator für breiten Markt, um 13%.

Die Ratingagentur Standard & Poor`s kürt jährlich die sogenannte "Dividendenelite" Dividendenpapiere. Nur die Aristokraten unter den Gesellschaften mit regelmäßiger Gewinnausschüttung schaffen es auf die Liste der 35 Unternehmen. Um in den Kreis der Auserwählten zu gelangen, mussten die Gesellschaften aber mehr als nur hohe Auszahlungen vorweisen können. Folgende Mindestvoraussetzungen gibt S&P vor: Jedes der bewerteten Unternehmen schüttet bereits seit mehr als einem halben Jahrhundert Gewinne an ihre Aktionäre aus.

Die Unternehmen müssen eine in den vergangenen zehn Jahren stetig gestiegene Ausschüttung vorweisen können. Zudem beurteilen die S&P-Analysten die Performance-Aussichten der Gesellschaften in den nächsten sechs bis zwölf Monaten. Um der Dividenden-Elite beizuwohnen, müssen die Unternehmen mindestens die Einstufung "Zukaufen" erhalten.

Zu den "Aristokraten" gehört der Tabakriese Philip Morris, der in diesem Jahr ein Kursplus von rund 19,5 % verzeichnen kann. Der Zigarettenhersteller steigerte in den vergangenen vier Jahren seine Gewinnausschüttungen um 45 %. Geadelt wurde auch der Bierbrauer Anheuser-Busch. Die weltgrößte Gerstensaftproduzent konnte seine Dividendenrendite seit 1997 immerhin um 44 % steigern.

Aber die S&P-Analysten richten ihr Augenmerk auch sehr gerne auf Werte, die nicht so im Rampenlicht der Wall Street stehen. Darunter ist in diesem Jahr zum Beispiel die Bank of New York, die zu den Marktführern bei der Abwicklung von Wertpapiertransaktionen gehört. Zwar leide das Finanzinstitut, das auf die Region New York konzentriert ist, unter der derzeitigen Marktschwäche, werde sich aber zum Jahresende erholen, glauben die Experten von Standard&Poor`s.

Die Dividende von derzeit 0,76 Cents kletterte seit 1997 um mehr als 50%. Dividendenzahler kommen oft aus Branchen, die die Phantasie der Anleger nicht gerade anregen. Sie bewegen sich in einem Umfeld, in dem sich der kapitalbedarf relativ gut veohersagen läßt. So gilt auch Hillenbrand Industries, ein Dienstleister für die Gesundheitsbranche und Beerdigungsinstitute, bei S&P als Kandidat für eine positive Kursentwicklung sowie für höhere Dividenden. Attraktiv finden sie auch Progress Energy.

Durch eine Übernahme stieg der Versorger unter die zehn größten Stromproduzenten auf. Das sollte einen "stetigen Strom von Einnahmen" erzeugen, so S&P. Und mit ebenso wachsenden Gewinnausschüttungen und Kurserhöhung.

Nachteil der Dividendenpapiere: Der Fiskus kassiert gleich zweimal. Zuerst beim Unternehmen und dann beim Anleger. Der muss Einkommensteuer auf die Gewinne zahlen. An deutsche Bürger ausgezahlte amerikanische Dividenden unterliegen einer 15-prozentigen Quellensteuer. Grundsätzlich unterliegen Dividenden bei in Deutschland Steuerpflichtigen der Einkommensteuer. Die US-Quellensteuer wird je nach Fall entweder direkt auf die US-Dividenden angerechnet oder auf Antrag von der Bemessungsgrundlage der deutschen Steuer abgezogen.

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