S&P bestätigt Rating nur unter Vorbehalt
Gute Kreditwürdigkeit der Telekom ist abhängig von T-Mobil Börsengang

Die Ratingagentur Standard & Poor's hat die langfristige Einstufung der Kreditwürdigkeit der Deutschen Telekom mit A- bestätigt, ihre Einschätzung aber von einem raschen Börsengang der Mobilfunk-Tochter T-Mobil abhängig gemacht. Die kurzfristige Einschätzung sei auf A-2 belassen worden. Der Ausblick sei "negativ".

dpa-afx/rtr LONDON. Außerdem wurde der Telekomriese von der Beobachtungsliste (CreditWatch) gestrichen: Zwar hätten die Gespräche mit der Deutschen Telekom noch keine Klarheit darüber gebracht, wann die Tochter T-Mobile an die Börse gebracht werden solle. Als die Telekom im Februar auf die Beobachtungsliste gesetzt worden sei, seien die Analysten von S&P davon ausgegangen, dass es fraglich sei, ob das Unternehmen mit den Einnahmen aus dem angekündigten Börsengang der Mobilfunktochter seine Schulden deutlich reduzieren werde.

Nun seien sie jedoch davon überzeugt, dass es zur Konzernstrategie gehöre, den Börsengang von T-Mobile weiter zu verfolgen. S&P rechne in der nächsten Zeit mit dem Börsengang. Deshalb sei die Telekom von der CreditWatch entfernt worden.

Die Telekom hatte den angekündigten Börsengang ihrer in der internationalen Mobilfunk-Holding T-Mobile gebündelten Aktivitäten wegen der inzwischen vollzogenen Übernahme der US-Mobilfunkfirmen Voicestream und Powertel im vergangenen Jahr auf unbestimmte Zeit verschoben. Ein neues Datum für die Börseneinführung war bislang nicht genannt worden.

Der negative Ausblick spiegele zum Einen das Risiko wider, kürzlich erworbene Unternehmen in den Konzern zu integrieren. Außerdem würden die Auswirkungen eines möglicherweise steigenden Wettbewerbs auf dem US-Markt, der den Anstieg des Ertrags vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) bremsen würde, berücksichtigt, hieß es. Drittens sei die Position der Deutschen Telekom zwar auf dem Heimatmarkt stark, international jedoch nicht.

Fitch sieht schlechtere Kreditwürdigkeit

Die Ratingagentur Fitch stufte indes die Bonität der Deutschen Telekom herunter, setzte aber gleichzeitig den Ausblick für langfristige Verbindlichkeiten auf stabil hoch. Fitch teilte in London mit, die Bonität für die vorrangigen, ungesicherten Schuldtitel der Telekom werde auf "A minus" von "A" zurückgenommen. Kurzfritistige Verbindlichkeiten des Unternehmens würden auf "F2" von "F1" zurückgestuft, hieß es bei Fitch weiter. Der Ausblick für langfristige Verbindlichkeiten sei auf "Stabil" von bislang "Negativ" angehoben worden.

Mit den Bewertungsänderungen reagierte Fitch eigenen Angaben zufolge auf die gestiegenen Geschäftsrisiken der Telekom nach der Übernahme von Voicestream und Powertel sowie auf Unsicherheiten über den angekündigten Verkauf von Randaktivitäten. Bedenken gebe es auch hinsichtlich eines "mittelfristig moderat konservativen Finanzprofils" des Unternehmens. Das bis zuletzt schwache Festnetzgeschäft gewinne jedoch durch den Ausbau des ISDN- und DSL-Geschäfts neuen Schwung. Auch die starke Marktposition der Internet-Tochter T-Online werde dazu beitragen. Fitch erkannte eigenen Angaben zufolge zudem das fortgesetzte Bekenntnis der Unternehmensführung an, durch einen Börsengang von T-Mobile einen Erlös von zehn Mrd. ? zu erzielen. Der Börsengang sei frühestens im vierten Quartal zu erwarten.

An den Finanzmärkten war zum Teil mit einer Herabstufung der Bonität der Telekom-Verbindlichkeiten gerechnet worden, da darüber spekuliert worden war, ob der für das laufende Jahr geplante Schuldenabbau in Höhe von bis zu 14 Mrd. ? zur Bestätigung der Ratings ausreicht. Telekom-Chef Ron Sommer hatte wiederholt gesagt, dass bessere Börsenbedingungen eine notwendige Voraussetzung für eine Börseneinführung von T-Mobile sei. "Beim Börsengang lassen wir uns auch nicht von der Bewertung der Bonität des Unternehmens leiten", hatte Sommer zuletzt gesagt. Das Unternehmen hatte ebenso wie mehrere Analysten signalisiert, dass die mit einer möglichen Bonitätsherabstufung verbundenen höheren Refinanzierungskosten am Kapitalmarkt geringer seien als Einnahmeausfälle in Folge einer ungünstige Platzierung der Mobilfunksparte an der Börse. Zu den Bewertungen der Ratingagenturen wollte die Telekom keine Stellungnahme abgeben. "Wir kommentiren dies nicht", sagte ein Sprecher. In Unternehmenskreisen hieß es, die Agenturen hätten die verbesserten Aussichten für das Unternehmen gewürdigt. Ein Börsengang werde nicht länger als unbedingter Bestandteil des geplanten Schuldenabbaus gesehen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%