Sunways AG als gute Investition
Neuemissionen für Anleger bisher ein schlechtes Geschäft

Wer in diesem Jahr in neue Aktien investiert hat, der hat in der Regel Geld verloren. Von knapp 20 Unternehmen, die seit Januar den Sprung an die Börse gewagt haben, notieren zur Jahresmitte nur fünf oberhalb des Ausgabepreises. Kräftig verdient haben vor allem die Aktionäre der Deutsche Börse AG, deren Aktien-Kurs seit dem Börsengang am 5. Februar um fast 25 % gestiegen ist.

dpa-afx FRANKFURT. Übertroffen wird dieser Wertzuwachs nur von der Aktie der Sunways AG Photovoltaics . Dieser am Neuen Markt notierte Titel gewann gegenüber dem Ausgabekurs vom 9. Februar fast ein Drittel an Wert. Dagegen sahen die Aktionäre der Mitte März am neuen Markt gestarteten OBH Teledata und LS Telcom den Wert ihrer Investitionen um mehr als die Hälfte schrumpfen.

Nachdem sich nach dem Platzen der Spekulationsblase "am Neuen Markt viele die Finger verbrannt haben", fällt die Halbjahresbilanz für Andreas Kehl "schlecht" aus. Der Aktienhändler der Deutschen Bank sieht in diesem Jahr nur einen ernst zu nehmenden Börsengang, der sich "zufrieden stellend entwickelt: Die Deutsche Börse." Am stärksten hätten jene Aktien gelitten, die in den weniger liquiden und reglementierten Börsensegmenten Freiverkehr und Geregelter Markt notiert seien.

"Ich denke, es gibt einen Zusammenhang zwischen sinkenden Kursen und dem Desinteresse" an Neuemissionen, sagte Stefan Rangosch von der Frankfurter Gontard & MetallBank. Als vor rund zwei Jahren am ersten Handelstag teilweise mehr als 300 % Gewinn hätten gemacht werden können, sei das Interesse größer gewesen. "Seitdem es das nicht mehr sicher gibt, ist das Interesse drastisch zurückgegangen", erklärte er.

Besserung ist nicht in Sicht

In der Hysteriephase des Neuen Marktes gab es keine Party und keinen Geburtstag, auf der nicht über den Neuen Markt diskutiert wurde", sagte Rangosch. Dies sei inzwischen vorüber. Auch für das kommende Halbjahr sehe er "schwarz". Bereits in der ersten Jahreshälfte sei es schwieriger als im Vorjahr gewesen, einen Investor für eine Aktie zu begeistern. "Ich bezweifele, dass der Markt aufnahmebereit ist. Das haben die letzten großen Beispiele Fraport und Nordsee gezeigt."

Seit seinem Börsengang am 11. Juni haben die Aktien des Frankfurter Flughafenbetreibers Fraport mehr als acht Prozent von ihrem Ausgabekurs verloren. Mangels Interesse hat die Imbisskette Nordsee ihren Gang an die Börse sogar auf unbestimmte Zeit ganz verschoben. Auch die Degussa-Tochter Zentaris brach ihre Börsengänge ab, weil sie für ihre Aktien keine Käufer fand. Der Logistik-Anbieter Müller holte hingegen den verschobenen Gang aufs Parkett nach und sah im Umfeld fallender Kurse prompt seine Aktie um mehr als 11 % verlieren. Noch schlimmer erwischte es die Friseurkette Essanelle , deren Anteilsscheine sich binnen einer Woche nach dem nachgeholten Start und mehr als 18 % verbilligten. Unverändert notieren hingegen Pulsion , die sich erst nach einer dreimonatigen Pause für eine Aktienausgabe entschlossen.

Enttäuschung überall in Europa

Enttäuschend verlaufende Börsengänge sieht Christian Bacherl überall in Europa. Für die Münchener HypoVereinsbank begleitet der Experte Unternehmen bei ihren letzten Schritten des Börsengangs. In Europa sei ihre Zahl in den ersten sechs Monaten um fast 70 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum zurückgegangen.

Beim Versuch, sich über die Börse mit frischem Kapital zu versorgen, hätten sich "kleine und mittlere Emissionen extrem schwer getan", sagte Bacherl. Einige Unternehmen hätten gar kein Geld über den Verkauf ihrer Anteilsscheine hereingeholt. Erfolgreicher seien hingegen größere Börsengänge abgelaufen. "Dort habe ich eine Chance, bei schlechten Unternehmensnachrichten aus der Aktien wieder raus zu kommen", erklärt Bacherl. Bei Titeln mit einem geringen Handelsumsatz bestehe dagegen die Gefahr, in Zeiten fallender Kurse keinen Käufer für seine Anteilsscheine zu finden.

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