Supercomputer zur Entschlüsselung von Gendaten
Computerkonzerne entdecken die Biotechnik

Bisher war Bioinformatik vor allem die Domäne kleiner Startups, die Spezialsoftware entwickelten. Jetzt boomt die Biotechnologie, und Computerkonzerne wie IBM entdecken ein lukratives Feld.

NEW YORK. Die Menge an bekannten Daten in der Biotechnologie verdoppelt sich alle sechs Monate. Eine solche Menge von Informationen kann der Mensch nur mit Hilfe von Computern bewältigen. Doch die Geschwindigkeit der Rechner verdoppelt sich nur alle 18 Monate. Und immer noch können selbst die leistungsstärksten Supercomputer die Datenflut nicht bewältigen. Hinzu kommt, dass die Informationen über die ganze Welt verstreut sind und die einzelnen Datenbanken jeweils nur einen Bruchteil des vorhandenen Wissens enthalten.

Bisher war die Bioinformatik - Software für die Biotechnologie - Domäne junger Firmen, die "Werkzeuge" genannte Spezialprogramme schreiben. Jetzt mischen sich in den Kampf um die Milliarden aus der Biotechnologie - allein die Entzifferung des menschlichen Genoms hat 1 Mrd. $ gekostet - die Großen der IT-Branche ein. Die Schätzungen der Analysten über die Größe des Marktes schwanken zwischen 2,2 Mrd. $ und 4,4 Mrd. $ bis zum Jahr 2004.

Rechner zur Entzifferung des menschlichen Genoms

Die Compaq Computer Corp. etwa hat einen Investmentfonds für Biotech-Startups mit einem Kapital von 100 Mill. $ etabliert. So hofft der Konzern, die Nachfrage nach seinen Alpha-Servern - Zentralrechner für Computernetze - zu erhöhen, die bereits bei der Entzifferung des menschlichen Genoms eingesetzt wurden. Compaq liefert sich einen erbitterten Kampf mit der IBM Corp. um den Bau des leistungsstärksten Supercomputers - allerdings nur mit zeitweisem Erfolg, meist hat IBM die Nase vorn. Das bisher ehrgeizigste Projekt, der Blue Gene von IBM, soll 2003 ans Netz gehen. Sun Microsystems Inc. hat ein Beratungsgremium extra für Biotech-Manager ins Leben gerufen, um seine Produkte verstärkt in der Branche zu verkaufen. Und IBMs Erzfeind im Bereich Datenbanken, die Oracle Corp., hat sich an der Myriad Genetics Inc. beteiligt.

IBM hat den wohl energischsten Schritt getan: Im vergangenen Sommer stellte das Unternehmen Investitionen von 100 Mill. $ für eine komplett neue Abteilung bereit. Der Konzern aus Armonk im US-Bundesstaat New York will den Biotech-Firmen künftig Hard- und Software aus einer Hand liefern, bildete eine eigene Gruppe von Biotech-Beratern und beteiligt sich an Biotech-Firmen wie Structural Bioinformatics Inc., MDS Proteomics Inc. und Nu Tech Sciences. Nu Tech hat den Supercomputer Blue Gene geordert.

Caroline Kovac, Chefin der Abteilung Life Sciences bei IBM, rechnet gar mit einem Markt von 9,5 Mrd. $ für Hard- und Software für Biologen und Gentechniker im Jahr 2004. Allein im Datenmanagement schätzt sie den Umsatz auf 4,5 Mrd. $ - und darauf hat es IBM abgesehen.

Schneller Zugang zu relevanten Informationen

Der Erfolg der Branche, vor allem bei der schnelleren Entwicklung von Medikamenten, liegt nicht allein an der Leistungsfähigkeit der Rechner. Auch der schnelle Zugang zu den relevanten Informationen ist wichtig. "Die Zusammenführung der Daten ist die Herausforderung", sagt Kovac. Entscheidender Faktor ist für sie, wo und wie die Daten aufbewahrt werden. Nicht selten müssten 50 verschiedene Datenquellen durchsucht werden, wo die Informationen zudem in unterschiedlichen Formaten - dreidimensional, als einfacher Text oder als Bild - abgelegt sind. "Ein System, das das bewältigt, muss mit allen Betriebssystemen kompatibel sein und alle Datenformate verarbeiten können."

Hier sieht die Managerin IBM vorn: Im Gegensatz zum Erzfeind Oracle wählt IBM einen dezentralen Suchansatz: "Wir lassen die Daten, wo sie sind, und optimieren nur den Zugang", beschreibt Janet Perna, Chefin der Abteilung Software für Datenmanagement bei IBM, das Datenmanagementpaket DB2 und Discoverylink für Biotechfirmen. Oracle dagegen verwende ein zentralisiertes System, das die Daten zunächst in die eigene Datenbank lädt und dann durchsucht. "Das ist möglich, solange man einige Terrabyte an Daten hat", urteilt Datenbankspezialistin Perna - ein Bruchteil von dem, was in der biotechnologischen Forschung anfällt. Und setzt selbstbewusst hinzu: "Unsere Suche in Oracle-Datenbanken mit Hilfe von Discoverylink brachte das Ergebnis acht Mal schneller als beim direkten Zugang über Oracle."

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