Supermarktbetreiber kritisieren Teilzeitgesetz
Mittelstandsverband sieht Ende der Discountwelle im Einzelhandel

ddp HAMBURG. Die mittelständischen Supermarktbetreiber wittern Morgenluft. "Die Discountwelle ist vorbei", sagte der EDEKA-Aufsichtsratsvorsitzende Jörg Hieber zum Abschluss des Herbst-Kongresses des Verbands der Mittelständischen Lebensmittel-Filialbetriebe (MLF) am Dienstag in Hamburg. Zugleich forderte der MLF jedoch Chancengleichheit im Kampf gegen die Konkurrenz der Lebensmittel-Discounter, die derzeit durch baurechtliche Beschränkungen bei der Ladengröße klar im Vorteil seien. Die Mittelständler kritisierten zudem das von der Bundesregierung geplante Recht auf Teilzeitarbeit als "beschäftigungshemmend".

Viele Marktbetreiber hätten gerne mehr Verkaufsfläche

Die Strukturveränderungen im Lebensmittelhandel in den vergangenen zehn Jahren seien hauptsächlich zu Lasten des Mittelstandes gegangen, sagte Gerd Härig vom Bundesverband Lebensmittel. Während es in der Branche insgesamt ein Überangebot an Verkaufsfläche gebe, hätten die mittelständischen Supermärkte nicht genügend Platz, um ihr gegenüber den Discountern sehr viel umfassenderes Vollsortiment zu präsentieren. Gegenwärtig sei die ohne Einzelfallprüfung genehmigte Ladenfläche auf 1 200 Quadratmeter begrenzt, während die mehr qualitäts- als preisorientierten Supermärkte allein 2&nbspA;000 Quadratmeter reine Verkaufsfläche benötigten, Lager- und Sozialräume nicht gerechnet.

Dies sei einer der Gründe, warum in den vergangenen zehn Jahren die Verkaufsfläche der Discounter um 85 % gestiegen sei, die der kleinen Supermärkte aber nur um fünf Prozent, sagte Härig. Um die Versorgung der Verbraucher durch einen Supermarkt mit Vollsortiment in ihrer direkten Nähe sicher zu stellen, müsse deshalb das Baurecht in dieser Hinsicht geändert werden.

Heftige Kritik übte der MLF-Vorsitzende Friedhelm Dornseifer an dem geplanten Recht auf Teilzeitarbeit. Nach den Verschlechterungen im Zusammenhang mit dem 630-Mark-Gesetz im vergangenen Jahr werde dies bei der Personalplanung der Lebensmittelhändler zu einem "programmierten Chaos" führen. Der MLF fordere daher die Bundesregierung auf, ihren Gesetzentwurf unverzüglich zurückzuziehen.

Ungeachtet dieser Kritik sehen die Mittelständler aber insgesamt zuversichtlich in die Zukunft. Die privaten Supermarktbetreiber hätten gute Chancen, sich trotz des schädlichen Preiskampfs im Lebensmittelhandel mit einem stärker auf Qualität orientierten Angebot am Markt zu behaupten, resümierte Dornseifer. Insgesamt sei in der Branche nach einer mehrjährigen Phase realer Umsatzrückgänge inzwischen eine Trendwende eingetreten. Nach einem deutlichen preisbereinigten Umsatz-Plus von 2,9 % 1999, sei auch in den ersten acht Monaten des laufenden Jahres ein realer Zuwachs von 2,0 % im Lebensmittel-Einzelhandel zu verzeichnen gewesen. Allerdings würden die Zuwächse aufgrund der stark gestiegenen Energiekosten in der zweiten Jahreshälfte voraussichtlich etwas niedriger ausfallen.

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