Supply Chain Event Management soll drohende Fehler anzeigen
Frühwarnsysteme für die Lieferkette

Weil in eng geknüpften Lieferketten Präzision gefragt ist, haben winzige Fehler im Computersystem oft fatale Wirkungen: Sendungen gehen verloren oder kommen zu spät, weil die Computersysteme die Ware nicht lokalisieren können, obwohl sie sich irgendwo in den beteiligten Lagern oder LKW auf Paletten stapelt.

HB DÜSSELDORF. "Bei mehreren Tausend Sendungen am Tag und der speditionsüblichen Hektik ist es unvermeidlich, dass sich bei einem Depot hin und wieder Fehler bei der Datenübertragung einschleichen. Sendungsaufträge oder Statusberichte werden da schon mal im verkehrten Format, unvollständig oder an den falschen Empfänger abgesetzt", erklärt Ralf Stohldreier, Vorstandssprecher des auf Logistikdienste spezialisierten IT-Unternehmens Euro-Log AG in Hallbergmoos.

Wenn aber die Waren ähnlich wie im vordigitalen Zeitalter durch Telefonanrufe oder Faxe umständlich wieder aufgespürt werden müssen, sind die dringend benötigten Effizienzgewinne im Supply Chain Management (SCM) dahin. Auch die viel beschworene Transparenz für den Kunden, der online verfolgen könne, wo sich seine Sendung gerade befindet, wäre Makulatur. Kein Wunder also, dass sich die Logistikbranche auf die Suche nach Lösungen gemacht hat, die hier Abhilfe schaffen.

Ein Ansatzpunkt für Verbesserungen ist das Supply Chain Event Management (SCEM). Dabei handelt es sich um ein Kontroll- und Warnsystem für Abläufe in der Logistikkette. SCEM-Software schlägt Alarm, wenn an vom Anwender vorgegebenen Punkten innerhalb der Waren- und Produktströme Planabweichungen auftauchen. Zum Beispiel löst es eine Warnung aus, wenn sich zu einem bestimmten Zeitpunkte eine erwartete Warenmenge nicht im Warenausgang befindet. Die SCEM-Software meldet solche Störungen dann sofort dem zuständigen Disponenten oder Produktionsplaner, so dass diese Gegenmaßnahmen ergreifen können.

Die Spedition 2000 GmbH in Rodgau, ein Zusammenschluss mehrerer Einzel-Spediteure, gehört zu den ersten die ein derartiges Frühwarnsystem einsetzen. "Alle Logistikverbünde haben die gleichen Probleme", sagt Thomas Anthes, der bei der Spedition 2000 für das Frühwarnsystem zuständig ist. Auch der Automobilzulieferer Pierburg, die Logistikriesen Schenker und Fiege sowie der deutsche Marktführer bei Tiefkühltransporten Transthermos haben bereits SCEM-Lösungen im Einsatz.

Im Vordergrund steht dabei, die umfangreichen Lieferketten-Systeme nicht durch weitere voluminöse Softwarepakete zur Qualitätskontrolle noch weiter aufzublähen, sondern schlanke Prüfapplikationen in die IT-Architektur einzubinden. "Nicht jedes Datenfitzelchen wird geprüft, sondern bestimmte Schlüsselereignisse", erklärt Thomas Anthes.

In der Evolutionskette der Logistiktechnologie ist SCEM eine Folge des Tracking & Tracing von Gütern. Die fortlaufende Ermittlung von Status- und Positionsdaten innerhalb einer Lieferkette führte zu einer Datenflut, die zwar in den rückgelagerten Systemen zur Abrechung und Abwicklung notwendig ist. Entscheider seien aber von der Datenflut eher verwirrt und gar überfordert, erklärt Frauke Heistermann, Supply Chain Expertin des Softwareanbieters Axit in Frankenthal. "Die Kunden wollen nicht mit Statusdaten überhäuft werden, sondern nur alarmiert werden, wenn es nötig ist, also wenn etwas schief geht", sagt Heistermann.

Unternehmen wie Axit oder auch die PSI AG setzen deshalb auf Agententechnologie. Intelligente Softwareagenten beobachten kontinuierlich die Vorgänge in den komplexen logistischen Netzwerken und verschicken bei Zeit- oder Normabweichungen selbsttätig E-Mails oder SMS-Nachrichten. Die Euro-Log AG verlässt sich dagegen auf Prüfalgorithmen, die die Datensätze der Spedition 2000 semantisch, syntaktisch und nach logischen Plausibilitätskriterien kontrollieren. Weisen die Datensätze strukturelle oder inhaltliche Fehler auf, etwa unplausible Sendungsgewichte oder falsche Routing-Angaben, weist das System den Datensatz mit einer Fehlermeldung zurück.

Neutrale Plattformen wie Axit sie anbietet, ermöglichen es den Beteiligten, sich an bereits bestehende SCEM-Lösungen anzudocken. So er sparen sie den Unternehmen den Aufwand, die eigene IT um spezielle Alarmkomponenten auszubauen. Doch egal, ob sie in Eigenregie oder von Fremdfirmen betrieben werden - Investitionen in SCEM-Systeme zahlen sich aus, sagen die Anbieter. "Im Bereich der Recherche und Reklamationen kann man 80 Prozent der Prozesskosten sparen, wenn die Informationen proaktiv zum Schreibtisch kommen und ich nicht mehr durch die Gegend telefonieren muss", sagt Frauke Heistermann.

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