SuSE 8.0: Neuer Linux-Desktop
Linux spricht nun mit der digitalen Kamera

Der neue Linux-Desktop KDE 3.0 schlägt die Brücke zur digitalen Kamera. Das kurz vor seiner Fertigstellung stehende Paket des Open-Source-Projekts enthält ein Programm, mit dem die Kamera als externer Datenträger eingebunden wird. In einem eigenen "camera"-Verzeichnis können alle Fotos im Kamera-Speicher abgerufen und zur Weiterbearbeitung auf die Festplatte kopiert werden.

WiWo/ap HANNOVER. Solche neuen Multimedia-Funktionen sind nur ein Teil der zahlreichen Verbesserungen in der wohl meist verbreiteten grafischen Oberfläche für Linux. In einem ersten Test machte die neue Systemumgebung einen soliden Eindruck. Dabei kam das noch nicht ganz fertig gestellte KDE 2.97 als Bestandteil einer Beta-Version von SuSE Linux 8.0 zum Einsatz - dieses Paket erscheint voraussichtlich Mitte April.

Bei der Konfiguration der digitalen Kamera wird eine breite Palette von Modellen angeboten, zu denen auch ältere Geräte gehören: Die noch an der seriellen Schnittstelle angebundene Olympus 830L offenbarte im Datei-Manager "Konqueror" ebenso ihren Inhalt wie neuere Kameras mit USB-Anschluss. Der auch als Browser dienende Konqueror zeigt Bild- und Text-Dateien in einer kleinen Vorschau-Grafik an. Dies funktionierte im Test der Beta-Version einwandfrei mit jpg- und gif-Dateien, teilweise auch mit dem Windows-Dateiformat bmp, aber noch nicht mit dem png-Standard. Bei mpeg-Filmdateien lässt sich mit der rechten Maustaste ein kleines Vorschaufenster starten, in dem das Video abläuft. MP3-Audiodateien werden vom Konqueror mit Doppelklick abgespielt.

Als Browser beherrscht das zentrale KDE-Programm HTML 4.0, den größten Teil der CSS-Formatierungen und etwa 90 Prozent der JavaScript-Anweisungen. Ebenfalls verbessert wurde KMail - hier hat das KDE-Projekt nach den Worten von Entwickler Martin Konold auf der Cebit den Anspruch, "das bisher komfortabelste E-Mail-Programm" anzubieten. Mit KMail 1.4 wird es möglich, die E-Mail im herkömmlichen POP-Standard bereits auf dem Server zu prüfen und zu entscheiden, welche Mails auf die eigene Festplatte heruntergeladen oder vorher gelöscht werden sollen. Das früher etwas stockend arbeitende Programm läuft inzwischen sehr rund und unterstützt auch IMAP-Konten.

Die Herkunft vieler KDE-Entwickler aus dem akademischem Umfeld macht sich beim neuen Paket KDE Edu bemerkbar. Hierzu gehören etwa ein virtuelles Planetarium, ein Latein-Trainer und ein Geometrie-Lernprogramm. Die KDE-Entwickler sind nach Angaben Konolds aber auch bemüht, das Gesamtpaket schlank zu halten, um schonend mit Speicher- und Prozessor-Ressourcen umzugehen. Dabei hat das KDE-Projekt auch Linux-Anwender etwa in Osteuropa im Blick, wo noch zahlreiche ältere Computer genutzt werden. KDE unterstützt zahlreiche Sprachen und Schriftarten. Letztere werden inzwischen dank Kantenglättung (Anti-Aliasing) ohne hässliche Ausfransungen angezeigt.

Bei der optischen Darstellung des Desktops gibt es eine Vielzahl von Varianten, darunter auch das an Windows erinnernde Design mit der Bezeichnung "Redmond - ein Stil aus dem Nordwesten der USA" (Redmond bei Seattle ist der Firmensitz von Microsoft). Die KDE-Pakete können kostenlos im Internet heruntergeladen werden. Der Quellcode der Software ist ebenfalls frei verfügbar - verbunden mit der Aufforderung, mit eigenen Ideen zur Weiterentwicklung des nichtkommerziellen Projekts beizutragen.

Bequemer als der Download der umfangreichen Daten ist allerdings die Installation einer fertigen Linux-Distribution wie SuSE Linux 8.0. Für diese neue Version hat das Nürnberger Unternehmen unter anderem die Hardware-Erkennung ausgebaut. Automatisch erkannt wird neben einer Vielzahl von USB-Geräten, DVD-Laufwerken und CD-Brennern nunmehr auch die ISDN-Karte FritzCard 2.0, die bislang nur umständlich mit manuell zu verändernden Konfigurationsdateien zum Laufen gebracht werden konnte.

Der Kernel, das Herz des Betriebssystems, trägt jetzt die Versionsnummer 2.4.18 - beim Vorgänger 2.4.10 gab es verschiedentlich Probleme, etwa beim Herunterfahren nach einer ISDN-Verbindung. Den Linux-Einsteigern kommt eine weiter vereinfachte Installation zu Gute, die das bereits auf der Festplatte vorhandene Windows-System unberührt lässt. SuSE Linux 8.0 erscheint voraussichtlich Mitte April und wieder in zwei Versionen: Das Professional-Paket mit sieben CDs, einer DVD und drei Handbüchern, darunter einem für die Netzwerkinstallation, kostet 79,90 Euro. Die Personal-Ausgabe mit drei CDs und zwei Handbüchern wird für 49,90 Euro vertrieben.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%