Svanberg schließt weitere Entlassungen nicht aus: Ericsson-Chef startet mit Verlust

Svanberg schließt weitere Entlassungen nicht aus
Ericsson-Chef startet mit Verlust

Der neue Ericsson-Chef Carl-Henric Svanberg wird knapp einen Monat nach seinem Amtsantritt den zehnten Quartalsverlust des Unternehmens präsentieren müssen. Auch in den kommenden Quartalen ist kaum Besserung in Sicht - die Konkurrenten Nokia und Motorola schrauben ihre Erwartungen nach unten.

STOCKHOLM. Der Einstand hätte besser ausfallen können: Doch Carl-Henric Svanberg muss heute - nur knapp einen Monat nach seinem Einstieg als Vorstandsvorsitzender des angeschlagenen schwedischen Telekommunikationsausrüsters Ericsson - den 10. Quartalsverlust in Folge präsentieren. Der Weltmarktführer bei Mobilfunknetzen leidet besonders stark darunter, dass große Telekom-Konzerne zurückhaltend investieren. Allein seit dem Jahr 2000 sind deren Investitionen in neue Mobilfunknetze um ein Viertel zurückgegangen. Und auch der als Rettung für die gesamte Branche angesehene Mobilfunkstandard UMTS kämpft weiter mit enormen Startproblemen.

Analysten rechnen deshalb bei Ericsson mit einem Vorsteuerverlust von knapp 3,5 Mrd. Kronen (384 Mill. Euro). Das ist zwar etwas besser als im ersten Quartal des Vorjahres, als Ericsson einen Verlust von 5,3 Mrd. Kronen auswies, aber ein deutlich größeres Minus als die 2,2 Mrd. Kronen im vierten Quartal des vergangenen Jahres. Auch der Umsatz wird nach Meinung fast aller Analysten einbrechen: Im Durchschnitt rechnen sie mit einem Umsatzminus gegenüber dem Vorjahresquartal von mehr als einem Drittel. Stimmen diese Berechnungen, wird Ericsson im ersten Quartal etwa 25,5 Mrd. Kronen umsetzen.

Nachdem Konkurrent Nokia vor Ostern seine Prognose für die Entwicklung des weltweiten Mobilfunktmarktes von minus 10 % auf "minus 15 % oder mehr" revidiert hat und auch Motorola mittlerweile mit einem 12 %-igen Rückgang rechnet, erwarten die Experten auch bei Ericsson eine Korrektur. Bisher gingen die Schweden von einem Einbruch um etwa 10 % aus. "Wir wären sehr überrascht, wenn Ericsson seine Aussichten nicht auch nach unten revidiert", sagte ein Handelsbanken-Analyst in Stockholm.

Ericsson hat die Krise in der Telekommunikationsbranche stärker getroffen als die meisten Mitbewerber, da der Konzern 80 % seines Umsatzes mit Mobilfunknetzen macht, die am stärksten von der Investitionszurückhaltung betroffen sind. Die finnische Nokia kommt bei Netzen gerade einmal auf 20 %, für den gewaltigen Rest stehen die Handys. In Stockholm wurde deshalb bereits unter dem bisherigen Konzernchef Kurt Hellström ein in der schwedischen Wirtschaftsgeschichte bisher nicht da gewesenes Kostensenkungsprogramm eingeleitet: Bis Ende 2003 will Ericsson nur noch knapp 60 000 Mitarbeiter weltweit beschäftigen. 2000 waren es noch mehr als 110 000. Svanberg hat bereits Anfang April gesagt, er könne weitere Stellenstreichungen nicht ausschließen, sollten die bislang eingeleiteten Maßnahmen nicht ausreichen.Der schwedische Konzern hat das Ziel, seine Betriebsausgaben bis zum Jahresende auf 38 Mrd. Kronen zu reduzieren. Ende vergangenen Jahres lagen sie noch bei 51 Mrd. Kronen.

Für die Ericsson-Aktionäre waren die vergangenen zweieinhalb Jahre eine zuvor nicht vorstellbare Talfahrt. Die Aktie notierte Mitte 2000 bei 166 Kronen. Heute liegt der Kurs bei rund 6 Kronen. Zu den Verlierern zählt auch Ericsson-Chef Svanberg: Als er im Winter als Nachfolger von Hellström vorgestellt wurde, kaufte er privat Ericsson-Aktien für 100 Mill. Kronen - zu einem Preis von über 7 Kronen.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
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