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Swinging Teams gefragt

Manager sollten nicht nur auf die richtige fachliche Zusammensetzung eines Teams achten. Ebenso wichtig ist für Prof. August-Wilhelm Scheer (Foto) die emotionale Übereinstimmung. Ein Team zum Swingen zu bringen ist die Kunst des Top-Managers.

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"It don?t mean a thing, if it ain?t got that swing", heißt ein bekannter Musik-Titel der Jazz-Legende Duke Ellington. Swing steht im Jazz für Spannung und Rhythmus, ist die Seele eines Stücks. Alle Erklärungsversuche, wie der Swing zustandekommt und wie man ihn definieren kann, sind unbefriedigend geblieben. Den Swing hat man - oder man hat ihn nicht. Eine Gruppe in Spannung zu halten und sie ständig zu neuen Ideen zu inspirieren, sie quasi zum Swingen zu bringen, das ist die Kunst eines Managers. Eine gute Teamkonstellation erreicht er nicht, indem er ausschließlich auf intellektuelle Einzelleistungen setzt. Wichtiger kann die emotionale Übereinstimmung der Mitglieder sein. Kreative Prozesse gilt es zu fördern Damit sich beflügelnder Enthusiasmus entfalten kann, müssen Gelegenheiten geschaffen werden. Das Ausbrechen aus der Tageshektik durch ein Wochenendseminar in ungewohnter Umgebung oder ein unkonventioneller Moderator können kreative Prozesse verstärken. Beim Jazz offenbaren bereits die ersten Takte, ob die Gruppe dieses gemeinsame Spannungsgefühl hat und Energien austauscht, die zu eruptiver Höchstleistung führen. Die Jazz-Solisten greifen zu unvorgesehener Inspiration, die sie alleine wahrscheinlich nicht hätten finden können. So entstehen Sternstunden wie jener Auftritt der Ellington Band 1956 auf dem Newport Jazz Festival. Völlig ungeplant schwang sich Tenor-Saxophonist Paul Gonsalves bei dem Stück "Diminuendo and Crescendo in Blue" zu einem 28 Chorusse langen Solo empor - ein an Spannung und Dichteunwiederholbarer Höhepunkt. Begabung schützt nicht vor lebenslangem Üben Wer als Musiker einen wegweisenden, neuen Stil zustandebringen will, weiß, dass ihn auch höchste Begabung nicht vor lebenslangem Üben schützt. Virtuosität braucht Zeit. Wie gegensätzlich mutet uns hier das heutige Zeitgefühl vieler Manager an. Kurzfristig wollen sie Erfolge spüren, schnellstens die Karriereleiter erklimmen. Wie schnell man dabei eine Bruchlandung erleben kann, hat das hektische Kopieren von Geschäftsideen durch die Dot.coms gezeigt, die tatsächlich glaubten, innerhalb weniger Monate zu den Sternen greifen zu können. Auch ein Unternehmen muss für eine Innovation, die Wachstum und Profitabilität trägt, lange kämpfen. Bahnbrechende Erfindungen und Erneuerungen fallen nicht vom Himmel. Der Vorrat an Kreativität und Dynamik ist weder bei Künstlern noch bei Managern unendlich. Schöpferische Pausen sind unumgänglich. Die besten Jazzer - Miles Davis, Sonny Rollins, Thelonious Monk - haben sich für längere Zeit aus den Konzertauftritten zurückgezogen, um ihr Spiel weiter zu perfektionieren, um Neues zu entdecken. In Sabbaticals sollten Manager neue Energie tanken, ihre Kenntnisse auffrischen und zu neuer Schaffenskraft gelangen. Umwelt schwingt nicht in eigenem Takt mit Das Spannungsverhältnis zwischen Einzelnem und Gruppe kennt noch einen anderen Aspekt: Das gemeinsame Gefühl kann zeitweise verloren gehen, wenn ein Unternehmen in die Krise gerät. Die Manager wollen schnell entscheiden, um den Wagen in eine andere Richtung zu lenken. Plötzlich müssen sie feststellen, dass die Umwelt nicht in ihrem Takt mitschwingt. Die Mitarbeiter machen im alten Rhythmus weiter und lassen sich nicht beschleunigen. In solchen Stresssituationen müssen die Manager die Ruhe bewahren, dürfen den anderen nicht davonlaufen, sondern müssen ihre Handlungen mit ihrer Umwelt synchronisieren. Die Partner zu mehr Eile anzutreiben und zu bedrängen, kann Gegenwehr hervorrufen. Zu hastiges Reagieren provoziert Überinterpretationen einer Situation. Der Jazz-Solist zeigt in solchen Ungleichzeitigkeiten sein wahres Können. Viele Musikstücke besitzen einen sogenannten Einstiegsbreak, bei dem der Musiker frei solieren kann. Vier Takte ist er ohne Begleitung und muss im fünften Takt mit der Rhythmusgruppe wieder zusammentreffen. Während dieser vier Takte kann sein individuelles Zeit- und Rhythmusgefühl völlig anders schlagen als das der Gruppe. Die Kunst besteht darin, die vier Takte kreativ auszufüllen, neue Ideen zu entwickeln und sich gleichzeitig darauf vorzubereiten, wieder mit der Gruppe zu verschmelzen. (*) 1985 legte der gebürtige Westfale Prof. Dr. Dr. h.c. mult. August-Wilhelm Scheer den Grundstein für die IDS Scheer AG. Seit November 1999 ist Scheer Beauftragter des Ministerpräsidenten des Saarlandes für Innovation, Technologie und Forschung. Lesen Sie mehr über den leidenschaftlichen Jazz-Musiker in seinem Portrait weiter ...

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