Archiv
Swiss Re: Jahresziel wegen "Ivan" gefährdet - Will Converium Geschäft abjagen

Die Jahresgewinnprognose des weltweit zweitgrößten Rückversicherers Swiss Re steht wegen des Wirbelsturms "Ivan" auf tönernen Füßen. "Vor einigen Wochen habe ich die angepeilte Schaden-Kosten-Quote von 96 % für absolut erreichbar gehalten", sagte Swiss-Re-Chef John Coomber am Montag in Monte Carlo.

dpa-afx MONTE CARLO. Die Jahresgewinnprognose des weltweit zweitgrößten Rückversicherers Swiss Re steht wegen des Wirbelsturms "Ivan" auf tönernen Füßen. "Vor einigen Wochen habe ich die angepeilte Schaden-Kosten-Quote von 96 % für absolut erreichbar gehalten", sagte Swiss-Re-Chef John Coomber am Montag in Monte Carlo.

Liegt diese so genannte Combined Ratio unter 100 %, so erzielt ein Versicherer operativ Gewinne. Die Schäden von "Ivan" seien noch nicht abschätzbar, betonte Coomber. Der Wirbelsturm steuert derzeit auf die US-Küste zu. In den vergangenen Wochen hatten bereits die beiden Wirbelstürmen "Charley" und "Frances" schwere Schäden angerichtet. "Es ist erst September", sagte Coomber angesichts der Hurrikan-Saison.

Swiss RE Sieht Chancen BEI Converium-Kunden

Swiss Re will unterdessen von den schlechten Nachrichten des Schweizer Mitbewerbers Converium profitieren. "Ich erwarte, dass wir Converium weltweit einiges Geschäft abnehmen können", sagte Coomber in Monte Carlo. Dort treffen sich im Herbst traditionell die Rückversicherer zum Auftakt der Erneuerungsrunde von Verträgen. Der Konzernchef wollte nicht sagen, ob sich die Swiss Re an der geplanten Kapitalerhöhung von Converium beteiligen wird, wenn diese zustande kommt.

Converium hatte im Juli überraschend gemeldet, Schadenreserven aufstocken zu müssen. Im ersten Halbjahr schrieb der Rückversicherer tiefrote Zahlen. Rating-Agenturen stuften die Kreditwürdigkeit von Converium inzwischen teils deutlich ab. Rückversicherer übernehmen Großrisiken von Erstversicherern. Deswegen ist für sie finanzielle Stärke wichtig. Vorigen Freitag hatte Converium angekündigt, seine Gesellschaften in dem lukrativen US-Markt abwickeln zu wollen.

WIE BEI Münchener Rück Profitabilität VOR Wachstum

Unterdessen zeigt sich die Swiss Re bereit, Prämieneinbußen hinzunehmen, um die Profitabilität zu sichern. "Wir werden sicher große Volumina abgeben, wenn die Preise verfallen", sagte Coomber. Am Vortag hatte der Branchenprimus Münchener Rück diesbezüglich seine Bereitschaft erklärt. Der Swiss-Re-Chef erachtet das derzeitige Preisniveau in der Rückversicherungsbranche aber als "attraktiv".

Druck verspürt die Schweizer Rück laut ihrem Chef wegen der steigenden Konkurrenz von Rückversicherern, die im Steuerparadies Bermudas angesiedelt sind. Diese drängten beispielsweise in das Haftpflicht-Geschäft. Coomber gab sich jedoch zuversichtlich. Die Swiss Re sei gut aufgestellt wegen ihrer Größe, ihrer Erfahrung und ihrer etablierten Kundenbeziehungen.

Chefvolkswirt MIT Zuversicht FÜR Branche

Der Chefvolkswirt der Swiss Re, Thomas Hess, zeigte sich optimistisch für die Entwicklung der Rückversicherungsbranche. Die Schaden-Kosten-Quote der Branche habe sich in den vergangenen Jahren weltweit verbessert habe. Im laufenden Jahr dürfte der Sektor erneut operativ Gewinne erzielen. Zwischen 2000 und 2004 seien die Prämien um mehr als 60 % (in US-Dollar) hochgeschnellt. Potenzial böten Schwellenländer. Deren Marktanteil dürfte bis 2014 von 14 % (2003) auf 20 % steigen. Wachstumsregionen seien vor allem China, Indien und Korea.

"Die Rückversicherung befindet sich in einer stark verbesserten Fassung, aber nicht alle Probleme sind gelöst", sagte Hess. "Das Kapital in der Erst- und Rückversicherungsbranche ist noch knapp, aber beginnt, erneut zuzulegen." Die Rückversicherungspreise seien "sehr attraktiv" und würden auch so bleiben. Zudem sei die Profitabilität von hoher Qualität. Anders als vor einigen Jahren setze die Branche angesichts flauer Aktienmärkte nicht mehr auf Gewinne aus Kapitalanlagen, sondern auf das zu zeichnende Geschäft.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%