Swissair atmet auf - Neue Partner wollen Europas viertgrößten Touristik-Konzern schmieden
Rewe übernimmt Sanierung der LTU

Die Rewe-Handelsgruppe wird nach langem Verhandlungspoker bei der Flug- und Touristikgruppe LTU einsteigen. Einzelheiten will die Schweizer SAir-Group, LTU-Hauptgesellschafter, heute bekannt geben.

HB DÜSSELDORF. Die Schweizer SAir- Group hat den dringlich gesuchten Partner zur Sanierung der schwer angeschlagenen Flug- und Touristikgruppe LTU gefunden. Wie in der Branche bereits seit längerem vermutet, wird sich die Rewe-Handelsgruppe, Köln, an der Düsseldorfer Ferienfluggesellschaft und ihren Reiseveranstaltern beteiligen. Damit entsteht Europas viertgrößter Reisekonzern mit rund 3,7 Mrd. Euro Umsatz, der sämtliche Dienstleistungen rund um den Urlaub aus einer Hand anbieten kann.

Ein Sprecher der SAir-Group, kündigte für heute anlässlich der Bekanntgabe des Halbjahresergebnisses Einzelheiten zu dem Deal an. Dies wollte die Rewe-Zentrale nicht bestätigen; noch läge ein Verhandlungsergebnis nicht auf dem Tisch, hieß es am Montagnachmittag. SAir, unter anderem Mutter der Fluggesellschaften Swissair und Crossair, hält 49,9 Prozent der LTU-Anteile und hat die unternehmerische Verantwortung bei LTU inne.

Mit seinem künftigen Partner Rewe hätte sich der Schweizer Luftfahrtkonzern Know-how und eingespielte Strukturen im Reiseveranstalter- und Reisebüromarkt verschafft. Denn das Kölner Handelshaus mischt seit 1995 intensiv in der Tourismusbranche mit: Seinerzeit übernahm es den Reiseveranstalter ITS und die Kette der Atlas-Reisebüros. Im vergangenen Jahr hatte Rewe dann noch die Bahntochter DER Deutsches Reisebüro mit Veranstalter Dertour und 800 Reisebüros gekauft.

In der Touristikbranche wird erwartet, dass Rewe mit einer Mehrheitsbeteiligung nun im Geschäft der Reiseveranstaltertochter LTU Touristik GmbH die unternehmerische Führung übernimmt. Denn über seine Reisebüroketten kann Rewe ein Grundproblem der LTU-Gruppe lösen, das im Überlebenskampf schwer wiegt: LTU hat keinen eigenen Vertriebsweg für ihre Reiseprodukte der Marken Jahn Reisen, Marlboro Reisen, Meier?s Weltreisen, THR-Tours, Tjaereborg, smile & fly.

Darüber hinaus wird Rewe nach Einschätzung von Beobachtern auch als Juniorpartner bei der Ferienfluggesellschaft LTU International Airways einsteigen. Zwar hatten Rewe-Chef Hans Reischl und ITS-Chef Dietmar Kastner in früheren Äußerungen die Notwendigkeit einer eigenen Airline im Konzern immer wieder bestritten. Doch die Zeiten haben sich in der Tourismusbranche geändert: Der europäische Fusionsprozess hat in den letzten Jahren immer weiter "vertikal" integrierte Konzerne entstehen lassen. Diese versammeln alle Dienste der touristischen Wertschöpfungskette - vom Reisebüro über Veranstalter und Fluggesellschaft bis hin zu den Hotelbetten in den Ferienzielgebieten - unter ihrem Dach. So wollen sie sich im harten Wettbewerb um kleine Margen eine bessere Ausgangsposition verschaffen.

An der Holdinggesellschaft LTU Group hatten sich die Schweizer Anfang 1999 eingekauft. Die weiteren Anteile liegen bei der WestLB (10,2 %) und bei der Conle-Familie, den Erben der LTU-Gründer. Es wird erwartet, dass Rewe zumindest diese 39 % übernimmt; unklar ist, ob die Düsseldorfer Landesbank ihren Anteil abgibt.

Mit großen Erwartungen war die Schweizer Gruppe Anfang vorigen Jahres bei der LTU angetreten. Optimistisch hatte SAir-Vorstandschef Philippe Brugisser das Bild eines europäischen "Ferien-Verbundes" gezeichnet, in dem die LTU-Gruppe gemeinsam mit den Schweizer Schwestern eine führende Rolle im wachsenden Freizeitreisemarkt spielen sollte. Doch der an den Rhein entsandte Statthalter Peter Fankhauser hatte ganz andere Sorgen: Das kränkelnde Unternehmen entpuppte sich als schwerer Sanierungsfall, der den Schweizern in ihren ersten beiden Jahren rund eine halbe Milliarde DM Verlust bescheren wird.

Um eine Zerschlagung zu verhindern und 5 000 Arbeitsplätze zu retten, hat das Land Nordrhein-Westfalen eine Bürgschaft angeboten. Rewe indessen scheinen die Verluste nicht zu stören: Schon bei ITS nutzt Hans Reischl sie, um die Steuerlast zu vermindern.



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