Swissair bot sich selbst an
British Airways liebäugelt mit Swissair

Gleich das erste Projekt des neuen BA-Chefs Ron Eddington stürzte ab. Er muss jetzt eine klare Strategie finden, um nicht selbst in die Kritik zu geraten. Erwartet wird ein harter Sparkurs, ein Umbau im Management sowie die Trennung von der Billigairline Go - und mehr Geschick bei der Partnersuche.

HB LONDON. Im Hauptquartier von British Airways (BA) ist alles wie immer: In dem modernen Bau am Flughafen Heathrow plätschert das kleine Bächlein am Eingang, die Beschäftigten eilen in die lichtdurchfluteten Büros. Dennoch beherrscht zum Wochenbeginn vor allem ein Thema die Korridore: Die geplatzte Fusion mit der niederländischen Fluggesellschaft KLM kam für die Belegschaft völlig überraschend. "Ich denke schon, dass unser Management die richtige Entscheidung getrofffen hat", sagt eine Stewardess, "doch für uns bleibt weiter die Unsicherheit: Was passiert jetzt?"

Diese Frage wird auch in der Londoner City diskutiert. Selbst für die Analysten kam die Meldung über das Scheitern der Verhandlungen am Donnerstagabend aus heiterem Himmel. Noch am selben Tag hatten die Experten ihre Einschätzungen zur neuen Airline gegeben, die weltweit die Nummer drei geworden wäre. Entsprechend ratlos waren am Wochenende die Kommentare.

Fest steht, dass beide Airlines nach neuen Partnern in Europa suchen wollen. KLM habe ebenso wie Lufthansa, Air France oder British Airways "keine Chance, als unabhängige Fluggesellschaft zu überleben", erklärte KLM-Chef Leo van Wijk im Fernsehen. Auch BA-Chairman Lord Marshall hat bereits die Suche nach einem anderen Partner angekündigt. In London wird dabei vor allem die Swissair als Wunschkandidat von BA-Chef Ron Eddington gehandelt. Lufthansa als Fusionspartner kann sich dagegen hier momentan niemand so recht vorstellen.

Die Swissair hat sich selbst angeboten. Hintergrund ist eine noch nicht veröffentlichte Studie vom Swissair-Eigentümer SAirGroup, deren Ergebnis aber bereits bekannt ist. Danach soll eine schweizerisch-britische Fusion besser sein als KLM-BA, weil die kartellrechtlichen Hürden geringer wären.

Zudem bezeichnen Analysten Swissair als passenden BA-Partner, da die Schweizer im Bereich der Business-Fluggäste gut positioniert sind. Dies passt in die Strategie der Briten, die vor allem auf das Geschäft mit den gut zahlenden Reisenden setzen. Bislang sind BA und Swissair noch nicht über Allianzen verbunden. Swissair gehört zur Qualifyer-Gruppe, British Airways ist Mitglied der Allianz One World. Möglich ist auch, dass BA hier seine Allianz mit American Airlines weiter ausbaut. Spekuliert wird auch, dass British Airways die Börsenpläne der Go-Tochter vorantreiben könnte.

Auf jeden Fall wird erwartet, dass das BA-Management bald ein hartes Sparprogramm ankündigen wird, um die seit Monaten schwache Kursentwicklung zu bremsen und wieder in die Gewinnzone zu fliegen. Neben einem Stellenabbau könnte es auch einen Wechsel im Management geben. Vor allem Chairman Lord Marshall steht erneut in der Kritik: Unter ihm war bereits der erste Versuch einer Fusion mit KLM vor Jahren gescheitert. Damals war Marshall Chief Executive. Auch der zweite Fehlversuch wird ihm angelastet, da Eddington erst kurz vor Beginn der Verhandlungen mit KLM zu BA gekommen war.

Der Markt habe längst sein Urteil über den geplatzten KLM-Deal gefällt, steht für die Commerzbank fest. Sie empfiehlt die BA-Titel als Kauf und rät dagegen, sich von KLM-Aktien zu trennen. Der KLM-Titel brach um über 20 % ein. BA dagegen legte nach der Absage wieder zu.

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