Swissair hinterlässt 15 Milliarden Franken Schulden
Strategie der neuen "Swiss" ist umstritten

Unter dem neuen Markennamen "Swiss" will die Schweiz künftig wieder mit einer eigenen Fluggesellschaft international und interkontinental an den Start gehen - mit einer zu annäherend 40 % verstaatlichten Airline.

BASEL. Nach dem Bankrott der Swissair soll dies unter dem Dach der einstigen Regionalfluggesellschaft Crossair geschehen. Die Schweizer erheben den Anspruch, "eine der angesehensten Airlines der Welt zu werden". Dieses Ziel formulierte am Donnerstag Crossair-Vorstandschef André Dosé vor Journalisten in Basel.

"Es wird ein kompromissloses Bekenntnis zur Qualität geben, von A bis Z", sagte Dosé. Für den Launch der Marke hatten die Schweizer Luftfahrtexperten eigenes den Londoner Lifestyle-Guru Tyler Brulé engagiert, der dafür sorgen soll, dass "Swiss" künftig die beste Business-Class "weltweit" (Dosé) bietet. So will sich die neue Airline von der Konkurrenz abheben und Ende 2003 schon wieder 15 Millionen Passagiere befördern. Damit wäre die Schweizer Airline nach British Airways, Lufthansa und Air France die viertgrößte Fluggesellschaft Europas.

Zunächst allerdings wird "Swiss" nicht anders als die frühere Swissair tiefrote Zahlen einfliegen. Allein die erste Werbekampagne, um die Marke bekannt zu machen, lässt sich das Unternehmen knapp 80 Mill. sfr kosten. Im Businessplan ist für 2002 ein operativer Verlust in Höhe von 1,1 Mrd. sfr vorgesehen, schon im Jahr darauf will die neue Gesellschaft jedoch die Gewinnschwelle erreichen.

Vom 1. April 2002 an übernimmt die bisherige Regional-Airline Crossair 26 Swissair-Langstreckenjets und damit einen Großteil des weltweiten Flugbetriebs. Aus rechtlichen Gründen soll das Unternehmen bald Swiss Air Lines heißen. Damit kann sie nicht als juristische Nachfolgerin der Swissair gesehen werden und Milliardenforderungen der Swissair-Gläubiger aus dem Weg gehen. Zuletzt hatte Swissair einen Schuldenberg von 15 Mrd. sfr aufgetürmt.

Globaler Flugbetrieb vor allem politisch motiviert

Der Zusammenbruch der einst stolzen helvetischen Airline im vergangenen Herbst hatte den Staat trotz EU-weiter Proteste zu umfangreichen Beihilfen veranlasst. Dabei stellte die Schweizer Bundesregierung zunächst fast 1,5 Mrd. sfr als Sofortkredite zur Verfügung, um bis März 2002 den Verlust von Kunden und Landerechten im Ausland zu vermeiden. An der abgeschlossenen Kapitalerhöhung der Crossair, die nun dreimal so groß ist wie vorher, hatte sich die Wirtschaft mit knapp 62 % beteiligt. Den Rest übernahm die öffentliche Hand.

Das Vorhaben, einen globalen Flugbetrieb aufrechtzuhalten, ist vor allem politisch motiviert. Wirtschaftlich gilt der Plan indessen als überaus waghalsig und kaum durchführbar - nicht nur bei der Konkurrenz, aber vor allem dort: Das Netz mit 26 Langstreckenjets sei, umgerechnet auf die Schweizer Bevölkerung, noch immer rund fünfmal so groß wie jenes der Lufthansa, errechnete Ralf Teckentrup, Lufthansa-Vorstand im Bereich Netzwerk, vor.

Er sieht deshalb keine Chance auf den Wunsch der Schweizer, in einer der drei globalen Luftfahrtallianzen aufgenommen zu werden. "Das ist bisher eher eine Kampfansage", betonte Teckentrup. Lufthansa fürchtet wie die anderen Großen der Branche, dass die Schweizer ihr Flughafendrehkreuz Zürich auf Kosten anderer Mitglieder mit Umsteigepassagieren füttern könnten.

Dosé hingegen glaubt an einen baldigen Beitritt: Er sei zuversichtlich, "per Ende 2003 auswählen zu können, in welche Allianz wir eintreten". Vor allem die großen US-Fluggesellschaften seien an einer Airline mit Premiumanspruch sehr interessiert. Das Netz mit 26 Langstreckenjets will er allerdings "nicht weiter redimensionieren".

Matthias Eberle
Matthias Eberle
Handelsblatt / Ressortleiter Ausland
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