Archiv
Swissair mit neuem alten Namen in eine ungewisse Zukunft

Mit einer gestrafften Konzernstruktur, frischem Kredit und der Rückkehr zum Markenzeichen Swissair soll die heftig ins Trudeln geratene Schweizer Traditionsfluglinie fit für die Zukunft gemacht werden. Der neue Konzernchef Mario Corti legte bei der Hauptversammlung am Mittwoch in Zürich ein Konzept vor, das unter anderem auch den Ausstieg aus dem verlustreichen Auslandsengagement vorsieht.

dpa GENF/ZÜRICH. Konzernchef Corti hatte mitgeteilt, dass das Unternehmen, das sich erst 1997 in SAir-Group umbenannt hatte und nun wieder Swissair heiße, eine Kreditlinie von 1 Mrd. Franken (1,28 Mrd.DM) erhalten wird. Das Geld werde von der Credit Suisse First Boston, der Deutschen Bank und der City Bank zur Verfügung gestellt. Dazu bemerkte die "Neue Zürcher Zeitung", dass die Gruppe, die im vergangenen Jahr einen Verlust von 2,8 Mrd. Franken eingeflogen hatte, trotzdem nicht um eine Rekapitalisierung herum kommen werde. "Mit einem Risikokapital von etwas mehr als einer Milliarde Franken ist kein Staat zu machen", so das Blatt am Donnerstag.

Der neue Vorstandsvorsitzende, dem als einzigen der Geschäftsführung von der Hauptversammlung Entlastung erteilt wurde, kündigte auch den geordneten Rückzug aus den französischen Beteiligungen an. Dies gehört zu den Schritten, die Fehler der Vergangenheit wieder rückgängig zu machen, als die Swissair versuchte, sich international zu etablieren. So sollen das Engagement bei AOM und Air Liberté beendet werden.

Die Mehrheitsaktionäre der Linien Taitbout und die Swissair-Group stellten letztmalig bis zum 30. Juni Mittel von je 115 Mill. Franken zur Verfügung, um die Vorbereitungen für einen Sanierungsplan zu ermöglichen, so Corti. Bis Ende Juni werde entschieden, ob dieser akzeptiert werden könne oder ob die Liquiditätszufuhr gestoppt werde. Abwartend wird die Entwicklung bei der belgischen Sabena beobachtet, an der die Swissair noch mit knapp unter 50 % beteiligt ist.

Sonderprüfung des Geschäftsgebahrens durchgesetzt

Nahezu einhellig begrüßt wurde in der Schweizer Presse, dass die Hauptversammlung eine Sonderprüfung des Geschäftsgebahrens des Unternehmensvorstandes durchgesetzt hat. Das war sowohl vom Schweizer Bund und dem Kanton Zürich als Anteilseigner als auch einer Schutzgemeinschaft für SAir-Group-Aktionäre gefordert worden. Die Prüfung unter richterlicher Aufsicht verlangt die Klärung rund um die Beteiligungen, die Finanzen sowie die Information der Aktionäre. Dies sei zwar aufwendig und teuer, diene aber letztlich auch der Aufklärung und dem Schutz der Steuerzahler, hieß es in den Medien.

Nach der Entscheidung für die Sonderprüfung, die im Ergebnis auch gerichtliche Verfahren für die verantwortlichen Manager nach sich ziehen könnte, hatte der Vorstand auf eine Entlastung durch die Aktionäre verzichtet. Beobachter verwiesen aber darauf, dass er damit nur eine Abmahnung zuvor gekommen sei. Der Unmut der rund 5300 Aktionäre, die etwa 40 Prozent des Aktienkapitals repräsentierten, konnte während der rund achtstündigen Hauptversammlung im Züricher Flughafengebäude nur durch die geschickte Regie Cortis in geordneten Bahnen gehalten werden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%