Swissair will LTU-Anteil verkaufen - Reischl für Treunhandlösung
Tauziehen um LTU-Sanierung

Bei den Rettungsversuchen für Deutschlands zweitgrößten Ferienflieger LTU ist ein Tauziehen zwischen Banken und Anteilseigner entstanden. Rewe-Chef Hans Reischl, der zugleich auch Aufsichtsratsvorsitzender der LTU-Airline ist, sprach sich für eine Treuhandlösung unter der Beteiligung der Westdeutschen Landesbank (WestLB) aus.

dpa/ddp/rtr DÜSSELDORF/ZÜRICH. Er halte diese Rettungsvariante für den vernünftigsten Weg, sagte Reischl der "Süddeutschen Zeitung. Die WestLB lehnte diesen Rewe-Vorschlag zum Wiedereinstieg bei der LTU postwendend ab. In Hinblick auf damalige kartellrechtliche Auflagen werde die WestLB keine Eigentümerposition übernehmen, erklärte ein Sprecher der WestLB. Dies gelte auch für eine Treuhandposition.

Die Landesregierung Nordrhein-Westfalens zeigte sich unabhängig von dem Rewe-Vorstoß zuversichtlich, dass die Düsseldorfer Airline dauerhaft gesichert werden kann. Es liefen mit Hochdruck Gespräche mit allen Beteiligten und mit potenziellen Investoren, unterstrich die Staatskanzlei. Ministerpräsident Wolfgang Clement (SPD) klopfte die Linie der Landesregierung offenbar in der Kabinettssitzung am Dienstag in Düsseldorf fest.

Als zentraler Punkt der Rettungsversuche gilt der Einstieg eines Investors, der Verluste im kommenden Jahr ausgleicht. Nach der Pleite des LTU-Hauptgesellschafters Swissair (49,9 %) vor einem Monat ist noch kein Ersatz in Sicht. Der Kölner Lebensmittelhändler Rewe lehnt es bisher ab, seinen Anteil an der LTU-Airline von 40 % aufzustocken. Die Genossenschaftsgruppe verweist darauf, dass sie in die Sanierung der LTU-Reiseveranstalter schon Millionen investiere. Die Airline hat eine Landesbürgschaft in dreistelliger Millionenhöhe beantragt, mit der Bankkredite abgesichert werden sollen. Die in der Verlustzone fliegende LTU will von 2004 an wieder Gewinne erzielen.

Die vor dem Aus stehende Schweizer Fluggesellschaft Swissair will derweil ihren Anteil an der Charterfluggesellschaft LTU verkaufen. Das bestätigte ein Sprecher des provisorischen Swissair-Sachwalters am Dienstag in Zürich. Die notwendigen Unterlagen seien am Morgen eingetroffen. Angaben über mögliche Interessenten oder den Verkaufspreis für den 49,5 %-Anteil wollte der Sprecher nicht machen.

An diesem Mittwoch sollen die unterbrochen Tarifverhandlungen für den Sanierungsbeitrag der 360 LTU-Piloten fortgesetzt werden. Die Vereinigung Cockpit bietet eine dauerhafte Gehaltsabsenkung um zehn Prozent an. Strittig ist jedoch auch noch ein flexiblerer Einsatz der Piloten sowie die Punkte Flugstunden- und Arbeitsplatzgarantien. Zum aktuellen Verhandlungsstand sagte der Cockpit-Sprecher, es lägen "mehrere Optionen" vor. Das Unternehmen sei sehr zuversichtlich, dass man zügig zu einer Einigung komme, sagte ein LTU-Sprecher. Für die 2000 Mitarbeiter am Boden und in den Kabinen sind dagegen Sanierungstarifverträge schon unterschrieben. Die Vereinbarungen sehen unter anderem einen Gehaltsverzicht von fünf Prozent bis 2003 vor und bedeuten nach Gewerkschaftsangaben für die LTU ein Einsparungen von 28 Millionen Mark jährlich. Der Piloten-Tarifabschluss wäre dann der letzte Mosaikstein im LTU-Sanierungspaket, mit dem in den kommenden drei Jahren 350 Mill. DM eingespart werden sollen.

Der Abschluss von Sanierungstarifverträgen für alle LTU-Mitarbeiter gilt als wichtige Voraussetzung für die Gespräche zwischen Gesellschaftern, Banken und der Landesregierung.

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