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Swissair will sich auf das Fliegen konzentrieren

Der Schweizer Konzern muß sparen. Innerhalb von 3 Monaten sollen Bereiche, die nicht zum Kerngeschäft gehören, verkauft werden. Kommentar: Hoffen auf Super-Mario

dpa ZÜRICH. Die Schweizer Traditionsfluglinie Swissair will sich künftig auf das Kerngeschäft Fliegen konzentrieren und durch weitere Verkäufe von Firmenbeteiligungen die angespannte Finanzlage verbessern. Mit diesem Konzept hofft Konzernchef Mario Corti aus der Krise zu kommen, wie er am Donnerstag vor Journalisten in Zürich mitteilte. Von Kündigungen sprach Corti nicht. Die Börse reagierte auf die Ankündigung positiv. Die Aktie notierten gegen Mittag mit 105 Franken, was einem Plus von 14,6 Prozent entsprach.

Vor allem wegen ihres zu groß bemessenen Engagements bei ausländischen Fluglinien hatte die Swissair im Jahr 2000 einen Verlust von 2,88 Milliarden Franken (3,69 Mrd DM/1,89 Mrd Euro) und damit das schlechteste Ergebnis der 70-jährigen Geschichte eingeflogen. «Im Zentrum wird wieder das Fliegen stehen», sagte Corti. Er stellte erneut fest, dass die frühere Geschäftsleitung sich mit ihrem Engagement bei ausländischen Fluglinien einem enormen Finanzbedarf gegenüber sah, der nicht zu decken war. «Es wurde zu viel investiert, und es gab wohl auch einen Mangel an finanzieller Disziplin», sagte Corti.

Corti will weitere Bereiche, die nicht zum Kerngeschäft gehören, verkaufen. Dies soll innerhalb der nächsten 18 Monate geschehen und mehr als 3 Milliarden Franken einbringen. Bisher wurden Firmenbeteiligungen in Höhe von 900 Millionen Franken verkauft, darunter die Hotelgruppe Swissotel.

Die Gruppe habe ausreichende flüssige Mittel und bestehende Kreditlinien, um das laufende Geschäft zu finanzieren, sagte Corti. Dazu gehört auch ein von einem Bankenkonsortium unter Einschluss der Deutschen Bank angekündigter Kreditrahmen von einer Milliarde Franken. Doch sei in den ersten drei Monaten die Nettoverschuldung von 6,8 Milliarden Franken auf 8,3 Milliarden gestiegen. Bis Ende Juni sei sie jedoch wieder auf 7,8 Milliarden Franken gesunken. Insgesamt ist die Swissair aber mit dem Geschäftsverlauf im ersten Halbjahr zufrieden. Der Umsatz stieg um 5,2 Prozent auf 6,4 Milliarden Franken. Die Einkünfte aus dem Luftfahrt-Kerngeschäft legten um 8,9 Prozent auf 2,9 Milliarden Franken zu.

Einvernehmliche Lösung bei Sabena angestrebt

Die Gruppe wolle sich mit ihrem Fluggeschäft von Swissair und Crossair sowie mit den rentablen Unternehmensbereichen Gate Gourmet und Nuance weiter entwickeln, sagte der Konzernchef. Das dringlichste Problem sei, eine Lösung für die defizitären Beteiligungen AOM/Air Liberté in Frankreich und die Sabena in Belgien zu finden. Bei der Sabena wird eine einvernehmliche Lösungen angestrebt, sagte Corti mit Blick auf die zwei Klagen der belgischen Regierung und der Sabena. Er ließ durchblicken, dass derzeit trotzdem weiter verhandelt werde. Zunächst gehe es der Swissair darum, ihre Beteiligung nicht wie geplant von 49,5 auf 85 Prozent aufstocken zu müssen. Langfristig seien alle Optionen offen. Es sei denkbar, dass sich die Gruppe nur auf Swissair und Sabena konzentrieren werde. Grundsätzlich habe die Swissair nie gesagt, dass sie ihre Verpflichtungen nicht einhalten wolle. Aber die Verluste der Sabena von 327 Millionen Euro (640 Mio DM) im Jahr 2000 seien zu hoch.

Einen Stellenabbau in großem Stil werde es nicht geben, sagte Corti. Die natürliche Fluktuation im Gesamtkonzern betrage rund 5 Prozent. Bei insgesamt 77 000 Beschäftigten seien dies bereits 3500 Personen, die jährlich das Unternehmen verlassen würden. «Aber ich kann nicht zusichern, dass es nicht zu Entlassungen kommen wird», sagte der Konzernchef.

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