Synagogen-Anschlag in Berlin
Nachama: Rechtsradikale Gewalttäter wie Links-Terroristen behandeln

dpa HAMBURG. Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Andreas Nachama, hat die deutschen Sicherheitsbehörden aufgefordert, "genauso beherzt und konsequent" gegen rechtsradikale Gewalttäter vorzugehen wie seinerzeit gegen den Links-Terrorismus. "Die Mittel, die damals angewandt wurden, waren drakonisch", sagte Nachama am Freitag in einem dpa-Gespräch. "So ähnlich könnte man jetzt auch vorgehen." Die Gesellschaft sei genauso bedroht wie in den 70er Jahren zur Zeit der terroristischen "Rote Armee Fraktion" (RAF).

Auch Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin (SPD) hatte nach dem Anschlag auf die Düsseldorfer Synagoge Parallelen zum Links- Terrorismus der RAF in den 70er Jahren gezogen. Politiker aller Parteien wollen an diesem Freitag in Berlin mit dem Besuch einer Synagoge ein Signal der Solidarität setzen. Auch am Donnerstag waren jüdische Einrichtungen geschändet und rassistische Schmierereien auf jüdischen Friedhöfen oder Gedenkstätten entdeckt worden.

Nach Ansicht von SPD-Generalsekretär Franz Müntefering sind die Anschläge von rechtsextremen Hintermännern organisiert worden. "Es gab offenbar Leute im Hintergrund, die am zehnten Jahrestag der Wiedervereinigung ein Zeichen setzen wollten", sagte Müntefering der "Westfalenpost" (Hagen/Freitag). Der nordrhein-westfälische SPD-Chef sprach sich für ein Verbot der rechtsextremen NPD aus.

Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) warnte angesichts der rechtsradikalen Anschläge vor Resignation. Er verlange keine Heldentaten, sagte Thierse im DeutschlandRadio Berlin. Es sei aber zum Beispiel wichtig, dass einer dazwischenrede, wenn etwa durch Witze eine Atmosphäre von Gewalt und Vorurteil entstehe. "Wenn einer anfängt zu widersprechen, dann können wir sicher sein, dass dann andere auch ihren Mut finden."

Nachama sagte, wenn das gesellschaftliche Klima in Deutschland durch Antisemitismus und Rechtsradikalismus wieder erhitzt werde, "dann schmilzt das dünne Eis der Gemeinsamkeit von Juden und Nichtjuden in dieser Gesellschaft und bricht an einigen Stellen wieder ein". Seine Vorgängergeneration um Heinz Galinski habe sich mit Überzeugung für den Aufbau eines neuen, besseren Deutschland eingesetzt, "weil sie daran glaubte". Er warf der Elterngeneration vor, ihre Kinder falsch erzogen zu haben.

Antisemitismus und Rassismus in Deutschland haben nach Ansicht der stellvertretenden Vorsitzenden des Zentralrats der Juden, Charlotte Knobloch, ihre Wurzeln in den alten Bundesländern. Obwohl der Hass auf Ausländer und Juden lange als Problem der neuen Bundesländer dargestellt worden sei, seien "die Grundlagen im Westen gelegt" worden, sagte die Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde in München dem "Münchner Merkur" (Freitag).

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