Synchronspringerin Nora Subschinski ist 16 Jahre alt
Die Notlösung träumt von einer Medaille

Nora Subschinski ist 16 Jahre alt und wartet. Vielleicht passiert es ja auf dem Flug von Berlin nach Athen. Oder beim ersten Trainingssprung ins Olympiabecken. Oder bei der Eröffnungsfeier. Nora Subschinski wartet auf den Augenblick, an dem sie das Unglaubliche begreifen wird.

HB DÜSSELDORF. Dass sie, die jüngste deutsche Olympiastarterin, am 16. August auf dem 10-Meter-Turm stehen wird und um eine olympische Medaille springt. "Ich glaube, das kapier? ich erst, wenn ich da oben stehe", sagt sie.

Nora Subschinski war eigentlich eine Notlösung. Im Dezember 2003 kündigte Ditte Kotzian ihren Rückzug vom Turm an. Der Verband war schockiert, 2002 war Kotzian zusammen mit Annett Gamm noch Europameisterin im Synchronspringen geworden. Als man keinen Ausweg mehr wusste, brachte jemand Nora Subschinski ins Spiel. Die war damals 15 Jahre alt, Annett Gamm 26, und der Verband zitterte um den Startplatz bei den Olympischen Spielen. Doch schon einen Monat später schaffte das ungleiche Duo die Sensation: Sie gewannen den Champions Cup in Stockholm und sicherten sich beim Weltcup im Februar den schon verloren geglaubten Startplatz für Athen.

Der Erfolg von SynchronspringerPaaren beruht nicht allein auf der Perfektion der Bewegung. Goldmedaillen gewinnen nur diejenigen, zwischen denen das herrscht, was Subschinskis Trainer Jan Kretzschmar "perfekte Harmonie" nennt. Subschinski und Gamm mussten sie zuerst suchen, diese Harmonie. Am Anfang habe man sich regelrecht "gesträubt", zusammen auf den Turm zu steigen. Gamm ist seit 22 Jahren Turmspringerin und hat schon zwei Mal die Qualifikation für die Spiele verpasst.

Subschinski sammelt Fan-Artikel von Michael Schumacher, und bei den Spielen vor vier Jahren in Sydney war sie noch zu jung, um sich nachts das Turmspringen anschauen zu dürfen. Kretzschmar sagt, die 16-Jährige profitiere von Gamms Erfahrung und Gamm von der Spontaneität der Jüngeren. 15 000 Sprünge haben die beiden im vergangenen Jahr absolviert, aber Subschinski sagt, dass sie noch immer großen Respekt hat, wenn sie den Turm hochklettert.

Sie trainiert mit einem Ballett- und einem Mentaltrainer, der ihr Atemübungen beibringt gegen die Nervosität. Nichts wird dem Zufall überlassen. "Wer Erfolg haben will, muss auch auf Dinge verzichten können", sagt Kretzschmar. Subschinski hat beschlossen, ab nächstem Jahr auf die Schule zu verzichten und in die Sportfördergruppe der Bundeswehr einzutreten. Nach der Grundausbildung darf sie sich komplett auf das Springen konzentrieren.

Am 16. August werden Gamm und Subschinski gemeinsam auf den olympischen Turm steigen, fünf Mal, fünf Sprünge, bei denen alles stimmen muss. Spätestens dann wird Nora Subschinski begriffen haben, wie es ist dabei zu sein, bei den Olympischen Spielen 2004.

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