System besteht seit mehr als 200 Jahren
Das US-Wahlmännerkollegium: Eine archaische Einrichtung

afp WASHINGTON. Das Wahlmännerkollegium, das am Montag offiziell den kommenden Präsidenten der Vereinigten Staaten bestimmt, ist eine archaische Einrichtung. Anders als manche Wähler beim Urnengang am 7. November dachten, wählen die US-Bürger ihren Präsidenten und Vizepräsidenten nicht direkt. Sie bestimmen lediglich die 538 Mitglieder des Wahlmännerkollegiums. Laut Bundesgesetz treffen diese Elektoren dann am Montag nach dem zweiten Mittwoch im Dezember in den Hauptstädten der 50 US-Bundesstaaten und im Regierungsbezirk Washington D.C. zusammen, um den künftigen US-Präsidenten sowie seinen Stellvertreter zu bestimmen. Nachdem die Wahlmänner ihre Stimmzettel abgegeben haben, werden diese versiegelt und dem Präsidenten des Senats übermittelt, der sie schließlich am 6. Januar öffnet, um sie vor dem US-Kongress zu verlesen.

Die Einrichtung des Wahlmännerkollegiums wurde 1787 von den Vätern der US-Verfassung ins Leben gerufen. Danach entsendet jeder Bundesstaat Elektoren entsprechend seiner Repräsentanz im Kongress. Hinzu kommen drei Wahlmänner für den District of Columbia. Für einen Sieg muss der Präsidentschaftkandidat 270 der 538 Stimmen auf sich vereinen. «Mit der Einrichtung des Wahlmännerkollegiums wollten die Verfassungsväter erreichen, dass der am besten qualifizierte und nicht der populärste Kandidat gewählt wird», erklärt Stephen Wayne, Politikprofessor an der Georgetown University. Das Wahlmännerkollegium sei über Generationen von jenen unterstützt worden, die davon profitieren. Das seien zum Beispiel die Einwohner bevölkerungsreicher Staaten wie Kalifornien, New York, Texas oder Florida, ergänzt Wayne.

Dreimal wurde der Präsident von einer Minderheit gewählt

Zwar schreibt kein Bundesgesetz den Wahlmännern vor, den Kandidaten mit den meisten Stimmen zu wählen, einige Staaten sehen dies aber vor. In der Geschichte der USA kam es bisher dreimal vor, dass ein Kandidat ins Weiße Haus einzog, der nicht die meisten Wählerstimmen auf sich vereinigt hatte. 1876 schlug Rutherford Hayes den Demokraten Samuel Tilden um Haaresbreite um 185 zu 184 Elektorenstimmen, obwohl dieser drei Prozent vor Hayes lag.

Zwölf Jahre später war dies erneut der Fall, als die Mehrheit der Elektoren für den Republikaner Benjamin Harrison statt für seinen stimmenmäßig überlegenen Konkurrenten Grover Cleveland stimmte. 1824 bekam Andrew Jackson zwar in einem Feld von vier Bewerbern sowohl nach Prozent als auch nach Wahlmännern die meisten Stimmen. Doch weil keiner der Kandidaten die absolute Mehrheit im Wahlmännerkollegium erringen konnte, kürte das US-Repräsentantenhaus den eigentlichen Verlierer John Quincy Adams zum Präsidenten.

Auch diesmal ist es so, dass George W. Bush zwar die meisten Wahlmännerstimmen hat, der unterlegene Kandidat Al Gore aber landesweit die meisten Wählerstimmen auf sich vereinen konnte.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%