System droht zu kollabieren
Gesundheitsreform behandelt nur Symptome

"Wer kann das bezahlen, wer hat so viel Geld?" - Dieser Gassenhauer bekommt im Hinblick auf das Gesundheitssystem eine ganz neue Bedeutung. Das 225 Milliarden Euro teure System droht zu kollabieren, da - von vielen unbemerkt - mehr Geld ausgegeben als eingenommen wird. Die gesetzlichen Krankenkassen schreiben rote Zahlen. Die rot-grün-schwarze Gesundheitsreform soll 2004 die Wende bringen, doch langfristig betrachtet löst sie die Probleme des Gesundheitssystems nicht.

HB BERLIN. Eines steht fest: Patienten müssen vom 1. Januar an für ihre Gesundheit tiefer in die Tasche greifen. Höhere Zuzahlungen sind fällig für Medikamente und stationäre Behandlung im Krankenhaus. Selbst der Besuch beim Hausarzt kostet künftig: Fällig wird erstmals eine Praxisgebühr von zehn Euro im Quartal. Im Gegenzug wird der Katalog der Kassenleistungen dünner: Auf der Streichliste stehen Taxifahrten für den Besuch beim Arzt, das Sterbe- oder Entbindungsgeld, und auch die Sehhilfen auf Kassenkosten gibt es für Erwachsene künftig nicht mehr.

Insgesamt knapp zehn Milliarden Euro soll die Operation zur Entlastung der Krankenkassen bringen - und die Patienten werden dafür bluten und Abschied nehmen müssen von lieb gewonnenen Leistungen. Doch auch Pharmaindustrie und Apotheken kommen nicht ungeschoren davon: Sie haben ihr Scherflein von rund drei Milliarden Euro beizusteuern-zum Beispiel durch niedrigere Festbeträge für neue Medikamente ohne erkennbaren Zusatznutzen, durch Wegfall der Preisbindung für rezeptfreie Arzneien und durch die Verpflichtung, Re-Importe billiger abzugeben.

Die Reform-Eingriffe dienen einem einzigen Zweck: Sie sollen die die Kosten der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) drücken, um die Beitragszahler, also Beschäftigten und Arbeitgeber, zu entlasten, ohne dass der Gesundheitsschutz grundsätzlich verloren geht. Eine Senkung des Durchschnitts-Beitrags um 0,7 Prozentpunkte auf 13,6 Prozent hat sich Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) für 2004 von der Reform erhofft. Doch flaue Konjunktur, hohe Arbeitslosigkeit und rote Zahlen der gesetzlichen Kassen drohen die Rechnung zu durchkreuzen.

Seite 1:

Gesundheitsreform behandelt nur Symptome

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%