System kleiner ausgelegt als vorgeschrieben
Biblis: Notkühlsystem so nicht genehmigt

Das hessische Atomkraftwerk Biblis A braucht für ein Sieb in seinem Notkühlsystem eine neue Genehmigung. Das Bundesumweltministerium teilte am Freitag in Berlin mit, der vergangene Woche vom Netz genommene Meiler dürfe erst wieder angefahren werden, wenn das Notkühlsystem die Anforderungen erfülle.

HB/dpa WIESBADEN/BERLIN. Die hessische Atomaufsicht verlangt nun vom Betreiber RWE Power einen Antrag auf ein neues Genehmigungsverfahren. "Bevor eine Entscheidung über das Anfahren von Biblis A getroffen werden kann, muss dieses Genehmigungsverfahren durchlaufen werden", verlangte Umweltminister Wilhelm Dietzel (CDU) am Freitag in Wiesbaden. Der Unternehmensvorstand wolle den Antrag umgehend stellen.

Das hessische Umweltministerium teilte am Freitag mit, dass ein Sieb des Notkühlsystems von Biblis A seit Anfahren des Reaktors im Jahr 1975 nicht der damals erteilten Betriebsgenehmigung entspricht. Das habe eine Überprüfung ergeben. Der Reaktor wurde am 18. April stillgelegt, nachdem das Problem im Ansaugbereich des Notkühlsystems bei einem Test entdeckt worden war.

Das Notkühlsystem in Biblis A ist nach Angaben von Bundes- und Landesumweltministerium kleiner ausgelegt als vorgeschrieben. Bei einem Unfall kann es wegen mangelnder Kühlung des Reaktors zu einer massiven Freisetzung von Radioaktivität kommen.

Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) sagte, ein Antrag auf ein neues Genehmigungsverfahren sei "die einzig mögliche Schlussfolgerung aus der Tatsache, dass ein in Teilen ungenehmigter Zustand des Reaktors festgestellt wurde". Inzwischen hat Trittins Ministerium die Gesellschaft für Reaktorsicherheit (GRS) und die Reaktorsicherheitskommission (RSK) mit der Untersuchung des Sachverhalts beauftragt.

In diesem Zusammenhang müsse auch die Qualitätssicherung beim TÜV überprüft werden, teilte das Bundesumweltministerium mit. Den Prüfern sei noch bei einer Inspektion im Mai 1999 nicht aufgefallen, dass das Notkühlsystem in Biblis A kleiner ausgelegt sei als in der Betriebsgenehmigung vorgeschrieben.

Vergangene Woche war bekannt geworden, dass die Ansaugöffnungen für Notkühlpumpen nicht die erforderliche Fläche besitzen. Dass es Probleme mit den Sieben an den Ansaugöffnungen geben kann, war 1992 nach einem Rohrbruch im Kühlkreislauf des schwedischen Atomkraftwerks Bärsebeck bekannt geworden.

Daraufhin waren die so genannten Ansaugflächen aller deutschen Atomkraftwerke daraufhin untersucht worden, ob sie die empfohlene Größe von 5,9 Quadratmetern haben. Im Reaktor Biblis A hatte das Sieb nur eine Größe von 4,8 Quadratmetern. Laut hessischem Umweltministerium muss das Sieb nach der Genehmigung von 1975 sogar eine Fläche von 7,3 Quadratmetern haben.

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