System-Veränderung gefordert
Europa verliert WM-Startplatz

Schwere Schlappe für Europa und Südamerika, Triumph für Urs Linsi: Während der Schweizer Finanzexperte vom Exekutiv-Komitee des Fußball-Weltverbandes Fifa zum Generalsekretär berufen wurde, endete die Vergabe der Startplätze für die WM 2006 in Deutschland mit einer Pleite für die führenden Kontinentalverbände.

HB/dpa MADRID. Die Europäer werden nur noch 14 Teams stellen, wobei die deutsche Mannschaft als Gastgeber gesetzt ist. Seit der Aufstockung des WM- Startefeldes auf 32 Teams 1998 in Frankreich war die Europäische Fußball-Union (Uefa) stets mit 15 Mannschaften am Start.

"So kann es nicht weitergehen. Ständig wird auf die Verbände losgegangen, die die meisten Startplätze haben", kommentierte DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder enttäuscht die Abstimmungs- Niederlage, bei der es im Raum "Real" im Madrider Nobelhotel Ritz zwischen den 24 Delegierten hoch her gegangen sei: "Es war sehr umstritten, am Ende gab es eine Kampfabstimmung." Immerhin wurden die Europäer mit ihrer Forderung nach einem neuen Vergabesystem gehört. Künftig soll nur noch ein Teil der WM-Plätze durch Quoten für die Kontinentalverbände vergeben werden. Daneben soll das Abschneiden bei der Weltmeisterschaft mitentscheidend für die endgültige Vergabe sein. "Eine Möglichkeit wäre, dass jeder Viertelfinalist automatisch einen Startplatz für seinen Verband sichert", sagte Mayer-Vorfelder. Eine Kommission soll nun Lösungsvorschläge ausarbeiten, die aber erst für die WM 2010 in Afrika zur Geltung kommen können.

Noch schlimmer als Europa erwischte es den südamerikanischen Verband. Einerseits wurde das Kontingent der Südamerikaner von 4,5 auf vier reduziert. Zum zweiten ist Brasilien als Titelverteidiger erstmals nicht mehr automatisch qualifiziert. Faktisch verlieren die Südamerikaner damit ein Drittel ihres Kontingents. Die großen Gewinner waren die Kleinen. Der Verband Ozeaniens, dessen Vertreter bislang stets ein Relegationsspiel gegen ein Team von einem anderen Kontinent bestreiten musste und letztmals 1982 durch Neuseeland nicht verlor, erhält zum ersten Mal einen Garantieplatz. Asien (4,5) bekam angesichts der WM-Erfolge von Südkorea und Japan einen Startplatz zusätzlich, Nord- und Mittelamerika (CONCACAF/3,5) immerhin einen halben Platz. Zweitstärkster Kontinentalverband bleibt Afrika mit unverändert fünf Endrunden-Teilnehmern.

Weitaus harmonischer und unumstrittener verlief die Entscheidung über den neuen Generalsekretär, bei der Fifa-Präsident Joseph Blatter seinen Vertrauten Linsi mühelos durchbrachte. Per Akklamation wurde der 53-jährige Leiter der Finanzdirektion, der nach der Entlassung des aufmüpfigen Michel Zen-Ruffinen im Sommer das Generalsekretariat bereits interimsmäßig geleitet hatte, zur festen Lösung befördert.

"Ich freue mich, dass das Exekutivkomitee meinem Vorschlag gefolgt ist und Linsi im Amt bestätigt hat. Er hat in den vergangenen sechs Monaten seine Fähigkeiten überall unter Beweis gestellt, nicht nur in seinem angestammten Bereich, sondern auch bei der Restrukturierung des Generalsekretariats", kommentierte Blatter die weit reichende Entscheidung. Denn die Installation des als fachlich unumstritten und ausgesprochen loyal geltenden Linsi dürfte nur der erste Schritt sein auf dem Weg, Blatters privates Beraterteam mit offiziellen Ämtern zu bekleiden. Demnach ist das Öffentlichkeits-Direktorium für Markus Siegler reserviert, Marketing-Spezialist Guido Tognoni soll Wettbewerbsdirektor werden. Diese Posten werden nicht von der Fifa-Exekutive, sondern vom Generalsekretär in Abstimmung mit dem Fifa - Präsidenten vergeben.

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