Systeme zur Unfallverhinderung
Sicher fahren mit dem Elektronik-Assi

Mehr Sicherheit im Wagen durch einen elektronischen Assistenten - intelligente Systeme im Automobil erkennen Gefahren viel schneller als der Mensch am Steuer und können ihn beim vorausschauenden Fahren unterstützen. Erste Serienlösungen werden in einigen Jahren erwartet.

HB DÜSSELDORF. Fast alle Automobilhersteller arbeiten zurzeit mit Hochdruck an neuartigen Assistenzsystemen. Sie sehen ein großes Marktpotenziel - zu Recht, wenn man einer aktuellen Untersuchung der Unternehmensberatung Frost & Sullivan glaubt. Danach sind 88 % aller europäischen Pkw-Besitzer daran interessiert, ihr nächstes Auto mit Telematikfunktionen auszustatten. Auf größtes Interesse stoßen dabei Funktionen, welche die Sicherheit beim Autofahren erhöhen, ohne jedoch den Entscheidungsspielraum des Fahrers einzuschränken.

Im Rahmen der vom Bundesforschungsministerium geförderten Forschungsinitiative "Invent" (Intelligenter Verkehr und nutzergerechte Technik) haben 23 Projektpartner aus der Automobil- und Elektronikindustrie kürzlich ihre Lösungsansätze präsentiert.

Von der Vision des fahrerlosen Fahrens habe man sich jedoch verabschiedet, so Invent-Koordinator und MAN-Ingenieur Eberhard Hipp. Die Lösungen konzentrierten sich nun auf die Unterstützung des Fahrers in konkreten Problemsituationen.

Unfallträchtig sind vor allem Kreuzungen, wie Verkehrsforscher der Universität Stuttgart herausgefunden haben. Daimler-Chrysler arbeitet deshalb an einem "Kreuzungsassistenten", der nicht nur Verkehrszeichen und Ampeln erkennt, sondern auch die Vorfahrtslage richtig interpretiert und heikle Situationen wie spielende Kinder am Straßenrand schnell und zuverlässig erfasst.

Videosensoren hinter der Windschutzscheibe nehmen die aktuelle Verkehrssituation auf. Eine extrem schnelle Bildverarbeitung erkennt in Echtzeit, was sich bewegt und was stillsteht. Aus der Bewegungsrichtung der Objekte berechnet das System deren neue Position in Sekundenbruchteilen voraus.

Auf diese Weise wittert der Kreuzungsassistent Gefahrensituationen. In einer ersten Stufe wird der Fahrer informiert und gewarnt. Bleibt die Reaktion auf die Gefahr aus, greift der Assistent ein, in dem er das Fahrzeug rechtzeitig abbremst.

Stoppschild-Erkennung

Als eine der ersten Assistenzfunktionen soll die Stoppschild-Erkennung serienreif werden, wie Stefan Hahn, Forschungsleiter bei Daimler-Chrysler erläutert: "Die Programme des Kreuzungsassistenten haben gelernt, wie ein Stoppschild aussieht und können dieses markante Zeichen in jeder erdenklichen Verkehrssituation richtig interpretieren, ob in der Nacht, bei Regen, oder im Schilderwald." Allerdings bleibe die letztliche Verantwortung dem Fahrer überlassen, betont Hahn. Wie die sich daraus ergebenden verkehrs-, zulassungs- und haftungsrechtlichen Fragen in die Praxis umgesetzt werden können, lässt das Invent-Konsortium parallel zu den Entwicklungsarbeiten untersuchen.

Auch BMW befasst sich mit intelligenten Fahrhilfen, die als Erweiterung zum Navigationssystem angeboten werden. Ein Spurführungsassistent soll etwa für mehr Sicherheit beim Fahrbahnwechsel sorgen. Vibrationen am Blinkerhebel und Anzeigen im Außenspiegel werden den Fahrer im BMW der Zukunft rechtzeitig vor Gefahren warnen.

Eine ähnliche Aufgabe übernimmt auch der Audi-Assistent. Hier wird der Fahrer jedoch über mehrere Kanäle vor der heiklen Situation gewarnt: Zunächst optisch über den Spiegel, der sich gelb und dann rot färbt sowie über die Blinkeranzeige. Setzt der Fahrer dennoch zum Fahrbahnwechsel an, kommt es zur haptischen Rückmeldung über das Lenkrad. Der aktivierte Assistent führt ihn dann in die Spur zurück.

Auto der Zukunft

Grundsätzlich soll das Auto der Zukunft durch eine Vielzahl von Sensoren wie Kameras, Radar, Laser, Infrarot sehen lernen, den Fahrer vor Fehlern warnen und diese nötigenfalls durch aktives Eingreifen verhindern können.

Wie sich die unterschiedlichen Sensorsysteme am besten im Auto vernetzen lassen, untersuchen VW-Forscher. Bei den Wolfsburgern ist ein im Kühlergrill integrierter Lasersensor Herzstück des so genannten verkehrsadaptiven Geschwindigkeits- und Abstandsregelsystems (ADR). Es soll vor allem auf Autobahnen die Gefahr von Auffahrunfällen mindern und den Verkehrsfluss optimieren helfen.

Eine ähnliche Funktion übernimmt auch der "Stauassistent" von Audi. In Versuchen mit einem Prototyp fahren die Fahrzeuge in kurzem Abstand hintereinander her. Vollautomatisch richtet der folgende Wagen seine Geschwindigkeit nach dem ersten und passt den Sicherheitsabstand entsprechend an.

Zwischen zwei und zehn Jahren dürfte es noch dauern, bis Ergebnisse der Forschungsarbeiten in die Serien der Autohersteller einfließen. Die "Invent"-Forscher rechnen mit Preisen von 2000 bis 3000 Euro für erste Systeme, die zunächst als Zubehör in der automobilen Oberklasse angeboten werden dürften.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%