Systems 2001 mit eigenem Themenbereich zum Online-Handel
Zweiter Anlauf beim E-Business

Jeder verdient seine zweite Chance - auch das Geschäft über das Internet. Nach gigantischen Abstürzen ehemals hoffnungsfroher Startup-Firmen verfiel die Branche zunächst in einen nicht minder großen Schock. Von diesem beginnt sie sich langsam zu erholen, versucht nun, durch neue Konzepte wieder Vertrauen bei Kunden und Anlegern zu schaffen.

ddp MÜNCHEN. Die Computermesse Systems 2001 in München will diese Bemühungen nach Kräften unterstützen, in der speziellen "E-BusinessArea" dreht sich alles rund um den Handel per Mausklick.

Doch wie muss der zweite Anlauf aussehen, um diesmal wirklich erfolgreich zu sein? Netz-Experte Georg Ruppert von der Hamburger Unternehmensberatung Mummert + Partner glaubt fest an einen vertieften Servicegedanken, der sich in den Portalen wiederfinden muss: "Die Anbieter werden ihre Inhalte so ausrichten müssen, dass sie sich dem Nutzungsverhalten der User anpassen. Nur so lässt sich eine feste Kundenbeziehung erreichen, mit der sich dann auch dauerhaft Geld verdienen lässt."

Im Klartext heißt das: Surft ein Nutzer zum wiederholten Mal auf die Seite eines Online-Kaufhauses, erkennt ihn das System sofort. Er wird persönlich begrüßt, und ihm werden gleich vor allem jene Artikel angeboten, für die er beim letzten Besuch besonderes Interesse gezeigt hatte. Doch der Service soll nach Rupperts Vorstellungen noch viel weiter gehen. "Kommt der Kunde plötzlich mit der Technik nicht mehr klar, soll er nur noch einen Hilfe-Button drücken und schon erreicht ihn der Anruf eines Callcenters", lautet die Vision des IT-Experten. Die Mitarbeiter leisten dann entweder telefonischen Beistand oder - so Rupperts Wunsch - loggen sich selbst mit auf der Seite ein und "führen dann dem Kunden praktisch die Maus".

Zertifizierung durch Gütesiegel

Als nützlich erachtet der Unternehmensberater auch die Zertifizierung von Verkaufs-Portalen durch so genannte Gütesiegel. Seiner Erfahrung nach brechen nämlich zwei von drei Nutzern den Kauf im Internet aus Angst vor Manipulation ab. Wichtig ist ihm, dass nur tatsächliche seriöse Anbieter wie beispielsweise der TÜV solche Zertifizierungen durchführen: "Sonst ist das Vertrauen nämlich ganz schnell wieder weg."

Eine ähnliche Einschätzung des E-Business-Bereiches hat Martin Sinner, Geschäftsführer des Preisvergleichs-Portals Idealo. Daher versucht auch Sinner, den Nutzern immer weiter entgegenzukommen. Er bietet statt reinem Preisvergleich Komplettinformationen zu Produkt, Kosten und auch Online-Händler, bei dem der gewünschte Artikel bestellt werden kann. "Jeder dieser drei Bereiche ist entscheidend. Wenn einer nicht stimmt, kauft der Kunde nicht", berichtet Sinner aus seinen Erfahrungen. Die Zukunft der Branche sieht auch er in einer Bündelung der Kräfte verschiedener Dienstleistungen und Firmen. So würden günstige, qualitätsbewusste Internet-Händler durch Vergleiche bekannter werden. Im Gegenzug könnten die Shops als Reaktion auf das von seinem Unternehmen analysierte Kundenverhalten ihre Angebote und den Service verbessern.

Warnen vor allzu viel Euphorie

Eher kritisch steht den Meinungen Rupperts und Sinners IT-Fachmann Bernd Zanner vom Beratungsunternehmen Cap Gemini Ernst und Young in Bad Homburg gegenüber. Zanner referiert auf der Systems zur Zukunft des E-Business und warnt vor allzu viel Euphorie. Sein Standpunkt: Viele Produkt-Hersteller haben schon bald gar kein Interesse mehr, ihre Waren über separate Online-Händler zu vertreiben: "Das führt nur zu weiterem Rabattdruck, der es dann schwer macht, Artikel für den ursprünglichen Preis im normalen Ladengeschäft abzusetzen." Viele Produzenten würden daher ihre Waren zwar weiterhin online anbieten, aber nur im Eigenvertrieb und vor allem zu den im Ladengeschäft üblichen Konditionen. Auch die Gütesiegel-Diskussion für Internet-Portale hält Zanner für eigentlich überflüssig: "Das ultimative Gütesiegel im E-Business der zweiten Generation bleibt nach wie vor die Anzahl der User. Und wenn die nicht stimmt, bringt auch die beste Zertifizierung nichts."

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