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Systems eröffnet - IT-Branche zwischen Aufbruch und Innovationsstau

Zum Auftakt der Computermesse Systems sieht sich die IT-Branche in Deutschland zwischen Aufbruchstimmung und Innovationsstau.

dpa-afx MÜNCHEN. Zum Auftakt der Computermesse Systems sieht sich die IT-Branche in Deutschland zwischen Aufbruchstimmung und Innovationsstau. "Der Tanker Deutschland hat sich in die richtige Richtung gewendet, das ist positiv, jedoch: Fahrt haben wir noch nicht aufgenommen", sagte der Präsident des Branchenverbandes Bitkom, Willi Berchtold, am Montag in München und zog damit eine ernüchternde Bilanz seiner vor einem Jahr gestarteten Initiative für eine bessere Innovationspolitik.

1 289 Aussteller zeigen bei der Systems bis Freitag Neuheiten rund um Computer, Multimedia und Telekommunikation, das sind fast ebenso viele wie im vergangenen Jahr. Die Messe ist das zweitgrößte Branchentreffen nach der Cebit.

Nach wie vor fehlten durchgreifende Reformen im Bildungswesen und Steuerrecht, Forschung und Entwicklung müssten deutlich besser als bisher gefördert und Infrastrukturprojekte zügiger angepackt und umgesetzt werden, erklärte Berchtold. Für dieses und das kommende Jahr sieht der Bitkom nach den Jahren der Flaute wieder Wachstumsraten von 2,5 beziehungsweise 3,5 Prozent für die IT-Branche, mittelfristig werde sie doppelt so schnell wachsen, wie die Gesamtwirtschaft.

Mobilfunkbranche MIT Zuversicht

Optimistisch zeigte sich zum Messestart auch die Mobilfunkbranche. So rechnet der Elektro-Konzern Siemens für 2005 weltweit mit einem zweistelligen Absatzplus für Handys. "Ein Wachstum von zehn Prozent haben wir immer hingekriegt", sagte der neue Chef der Siemens-Sparte Communications, Lothar Pauly.

Auf die Systems-Ausstellerzahlen schlägt der Aufschwung aber noch nicht durch, beteiligten sich doch im Boomjahr 2000 noch rund 3 200 Firmen an der Messe. Auch die Ausstellungsfläche wurde in diesem Jahr nochmals um eine auf sechs Hallen verkleinert. Branchenkenner sehen daher auch das auf Mittelständler und IT-Entscheider ausgerichtete Messekonzept der Systems vor einer Bewährungsprobe.

Hoffnungen machen der Branche derzeit vor allem Anzeichen für ein Ende der jahrelangen Investitionsschwäche. "Seit Herbst 2003 merkt man, dass es wieder eine Bereitschaft gibt, sich mit IT auseinanderzusetzen", sagte der IT-Experte Christian Götz von der Industrie und Handelskammer Regensburg. - Allerdings erwartet er vorerst keine Rückkehr zu den teils gigantischen Wachstumsraten früherer Jahre. "Es ist eigentlich ein ganz normales Geschäft geworden." Ähnlich beurteilt Barbara Brecht-Hadraschek von der Hamburger Unternehmensberatung IQM-Europe die Lage: "Es ist nicht so, dass die große Investitionswelle losbricht, aber die Talsohle aus 2003 ist durchschritten, und es geht wieder aufwärts."

Schwerpunkt Digitale Medien und IT-Sicherheit

Schwerpunkt der diesjährigen Systems sind digitale Medien und IT-Sicherheit. Im vergangenen Jahr kamen knapp 72 000 Besucher zu der Messe, auf etwa ebenso viele hoffen die Veranstalter für dieses Jahr. Berchtold erklärte, 2003 sei Deutschland zwar Exportweltmeister geworden, doch im Bereich Informations- und Telekommunikationstechnik habe das Ausfuhrdefizit bei 7,4 Mrd. Euro gelegen. "Das kann auf Dauer für einen Hochtechnologiestandort nicht gesund sein." Gemessen am staatlichen Einsatz von Informationstechnik belege Deutschland weltweit Platz 20, und mit dem Anteil der IT-Branche am Bruttoinlandsprodukt sei Deutschland weltweit Nummer zwölf hinter Österreich. Für Berchtold steht fest: "Ein Spitzenplatz sieht anders aus."

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