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Szenen aus dem Ramadan in Kairo

Nach Mitternacht in Maadi, einem gepflegten Stadtviertel im Süden Kairos. Die Straßenfeger in ihren grün-orangenen Uniformen beginnen ihren Arbeitstag. Mit ihren Wägelchen ziehen sie durch die Straßen und sammeln den Müll auf, fegen die Straßen.

Nach Mitternacht in Maadi, einem gepflegten Stadtviertel im Süden Kairos. Die Straßenfeger in ihren grün-orangenen Uniformen beginnen ihren Arbeitstag. Mit ihren Wägelchen ziehen sie durch die Straßen und sammeln den Müll auf, fegen die Straßen. Tagsüber sitzen sie während des Ramadan auf den Bürgersteigen unter den großen alten Bäumen und rühren sich nicht. Sie dösen, warten. Auf den Sonnenuntergang. Dann wird gegessen und die Nacht durch gearbeitet.

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In den Seitenstraßen der amerikanischen Schule von Kairo. Überall stehen und sitzen Soldaten herum, Wehrpflichtige aus Oberägypten, die morgens in vergitterten Mannschaftswagen, in denen sie wie Vieh zusammengedrängt sind, aus ihren Kasernen angekarrt werden. Ein brauner Mercedes mit ägyptischem Nummernschild fährt im Schritttempo die Straßen ab. Zwei Frauen im Fond des Wagens verteilen aus den heruntergekurbelten Fenstern Fünf-Pfund-Banknoten an die erfreuten Soldaten. Es sind die letzten Tage des Ramadan. Das Almosengeben ist fester Bestandteil des Fastenmonats.

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Die Grundschule al-Horreiya (Freiheit) in Maadi. Normalerweise ist es hier morgens um acht Uhr laut: Der paramilitärische Appell im Schulhof schockiert die westlichen Ohren - aber die Kinder sind wenigstens wach, wenn der Unterricht beginnt. Gegen 15 Uhr herrscht Panik und Krach, wenn die Kinder in die Schulbusse stürmen, die sie nach Hause fahren. Doch im Ramadan geht es ab 23 Uhr noch mal los. Jede Nacht finden auf dem Schulhof Fußballtuniere, Familienfeste und Nachbarschaftsfeiern statt. Mit Lautsprecheranlagen, die für die Allianz-Arena in München ausreichend wären. Mal arabische Musik, mal westliche Discomusik, Ansagen, Tombola - vor zwei Uhr nachts geht hier niemand nach Hause.

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Man könnte ihn den Laternenbaum nennen. Er wächst nur im Ramadan. Besonders schöne Exemplare sind am Mustafa-Kamel-Platz in Kairo zu sehen. Die hohen alten Mangobäume des Platzes sind voll gehängt mit bunten Laternen, Fanus genannt, die traditionell im Ramadan Balkone und Hauseingänge schmücken. Auf jedem Baum hängen mindestens 30 dieser bunten Laternen aus Blech und bunter Plastik, die mittlerweile vor allem in China für Ägypten gefertigt werden. Ihr warmes, buntes Licht verzaubert auch Nicht-Muslime in den Ramadannächten.

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