T-Aktie auf neuem Tief
Deutsche Börsen leiden unter Anleger-Misstrauen

Mal wieder ein Allzeittief der Telekom-Aktie - doch vor allem die allgemeine Verunsicherung der Anleger belastete den Handel an den deutschen Börsen. Der Dax drehte wieder ins Minus.

Reuters FRANKFURT. Unter dem Druck der anhaltenden Verunsicherung der Anleger und einer uneinheitlichen Kursentwicklung an den US-Börsen haben die deutschen Aktienwerte ihre anfänglichen Gewinne wieder abgegeben. Händlern zufolge verkauften viele Anleger im späten Handel wieder diejenigen Aktien, die sie am Vormittag in Hoffnung auf weiter steigende Kurse gekauft hatten. "Da werden kleine Verluste in Kauf genommen, da man nicht weiß, wie sich die Wall Street nach Börsenschluss in Deutschland entwickeln wird", sagte ein Marktteilnehmer.

Die Titel der Deutschen Telekom fielen gegen Börsenschluss kurzzeitig auf ein Allzeittief von 10,75 Euro, nachdem sie die meiste Zeit des Tages fester tendiert hatten. Auf der Gewinnerseite standen die Aktien der Allianz, die nach Angaben von Börsianern von der Hoffnung auf steigende Prämieneinnahmen profitierten. Das WM-Vorrundenspiel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gegen Irland brachte am Mittag den bis dahin schon sehr ruhigen Handel zeitweise fast zum Erliegen.

Der Deutsche Aktienindex (Dax) schloss fast unverändert 4624,31 Zählern, während der Auswahlindex des Neuen Marktes Nemax50 um 0,4 Prozent auf 765,34 Punkte fiel. Der Nebenwerte-Index MDax lag unterdessen 0,2 Prozent im Minus bei 4258,20 Stellen. Der Dow Jones EuroStoxx50 der größten europäischen Aktien gab um 0,8 Prozent auf 3233,65 Zähler nach. An der Wall Street tendierte der Dow Jones bei Börsenschluss in Deutschland 0,5 Prozent fester bei 9739 Stellen, während der technologielastige Nasdaq-Index um 0,3 Prozent auf 1574 Punkte nachgab.

Händlern zufolge ist derzeit weiterhin die Psychologie die treibende Kraft an der Börse und nicht die reale wirtschaftliche Entwicklung. "Der Markt will einfach nach unten, und deshalb sorgen auch positive Nachrichten nur für einen kleinen Kurssprung", sagte ein Börsianer mit Blick auf den begrenzten Effekt des besser als erwartet ausgefallenen Indexes der Geschäftstätigkeit im US-Dienstleistungssektor. Das Konjunkturbarometer stieg den Angaben zufolge im Mai auf 60,1 Punkte, nach 55,3 Zählern im Vormonat. Experten hatten lediglich mit einem Zuwachs auf 55,9 Stellen gerechnet.

Die T-Aktie wurde Händlern zufolge am Abend erneut von so genannten Leerverkäufen belastet. Dabei handelt es sich um den Verkauf von Aktien, die der Verkäufer noch gar nicht besitzt. Der Verkäufer setzt bei derartigen Geschäften darauf, dass er sich bis zum Liefertermin zu einem geringeren als dem Verkaufspreis mit diesen Papieren eindecken kann. Das Telekom-Papier schloss 2,2 Prozent schwächer bei 10,78 Euro, nachdem es zuvor zeitweise bis zu 2,5 Prozent im Plus gelegen hatte.

Bei den Technologiewerten machten Händlern zufolge die nachgebenden Kurse an der US-Technologiebörse Nasdaq die anfänglichen Gewinne zunichte. Der Branchenindex für diesen Sektor im Dax schloss 0,4 Prozent im Minus.

Zu den größten Gewinnern im Dax zählten mit einem Plus von 0,7 Prozent auf 226,10 Euro die Aktien der Allianz. Die Titel profitierten von einem Magazinbericht, demzufolge der Konzern von den Fluggesellschaften höhere Prämien einnehmen will. Unterdessen gaben die Aktien der Lufthansa um ein Prozent auf 14,60 Euro nach. Die anderen Versicherer legten ebenfalls zu, was Händler auf eine Reaktion auf vorangegangene Kursverluste dieses Sektors zurückführten. Der Branchenindex für die Versicherer im Dax zog um 0,5 Prozent an.

Am Neuen Markt schlossen die Aktien des Musiksenders Viva 26,3 Prozent im Plus bei 14,08 Euro und damit auf dem höchsten Stand seit Dezember 2000. Händler verwiesen auf Marktspekulationen um einen Übernahmepreis von bis zu rund 17 Euro je Aktie.

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