T-Aktie belastet
Schwarzer Tag für den Dax

Belastet von einer weiterhin negativen Stimmung im Unternehmenssektor und dem Durchbrechen wichtiger charttechnischer Marken hat der Deutsche Aktienindex (Dax) zum Wochenschluss seine Talfahrt der vergangenen Tage beschleunigt und ist dabei auf den tiefsten Stand seit 1999 gefallen.

rtr FRANKFURT. Börsianer sprechen mittlerweile von einem Crash der Aktien der Telekom und von Bayer, die in den vergangenen Tagen den Dax erheblich unter Druck gesetzt haben. "Die Nervösität am Markt ist groß, die charttechnischen Signale stehen auf verkaufen", sagte Timm Wege, technischer Analyst bei der Bankgesellschaft Berlin, am Freitag. Nach dem Durchbrechen einer Unterstützung bei 5400 Punkten im Dax gebe es seinen Berechnungen zufolge nach unten bei 5100 sowie bei 4750 Zählern weitere charttechnische Unterstützungsmarken. Im Mittelpunkt des Handels standen neben den Titeln der Telekom und Bayer Kurseinbußen bei MLP, Autowerten und Technologietiteln.

Der Dax beendete den Handel um 2,6 % leichter bei 5222 Punkten und hatte im Verlauf bei 5174 Zählern den tiefsten Stand seit fast zwei Jahren markiert. Am Neuen Markt rutschten die Indizes ebenfalls auf neue Tiefs. Der Nemax-All-Share-Index fiel erstmals in diesem Jahr unterhalb die Marke von 1100 Punkten. Am Abend schloss das alle Werte des Neuen Marktes umfassende Börsenbarometer rund 1,5 % tiefer bei 1098 Punkten. Die US-Aktienmärkte präsentierten sich kurz vor Börsenschluss in Frankfurt schwächer, was US-Händler auf negative Nachrichten unter anderem von Dell Computer und Ford zurückführten. Der Dow Jones gab um 1,4, der Nasdaq-Index um 2,7 % ab.

Im Dax zogen erneut die Aktien der Deutschen Telekom das Interesse der Anleger auf sich. Die Titel gaben um 3,44 % auf 17,38 ? nach, nachdem sie im Tagesverlauf bei 17,11 ? ein 42-Monats-Tief markiert hatten. Es herrsche immer noch die Furcht vor einem Überangebot an Telekom-Aktien vor, sagten Händler. "Bis die potenziellen 500 Mill. Stücke nicht aufgenommen worden sind, hat die T-Aktie kaum Chancen sich zu erholen", sagte Knut Hochwald, Händler bei der Hamburger Sparkasse.

Größter Verlierer war MLP

Größter Verlierer waren die Aktien des erst Ende Juli für die Dresdner Bank in den Dax aufgestiegenen Finanzdienstleisters MLP . Sie schlossen mit einem Minus von 15,15 % bei 71,44 ?, hatten im Verlauf ein 19-Monats-Tief bei 68,20 ? markiert. Händler machten den Rutschrutsch an dem Durchbrechen einer charttechnischen Unterstützungslinie fest. Nun könne es bis auf 53 ? herunter gehen, sagte ein Händler. "Es gibt einen großen Verkäufer, bei einem völligen Streik der Käufer", sagte Hochwald. Im Dax werde die früher im M-Dax notierte MLP-Aktie als zu teuer betrachtet.

Im Abwind befanden sich auch die Technologiewerte. Größter Verlierer waren die Titel von Infineon , die um 5,5 % auf 22,90 ? fielen. Siemens-Aktien büßten 3,6 % auf 55,02 ? ein. Kursverluste verbuchten auch die Aktien der deutschen Autokonzerne, nachdem Ford den Abbau von bis zu 5000 Arbeitsplätzen angekündigt und eine Gewinnwarnung ausgesprochen hatte. Die Aktien von Daimler-Chrysler gaben um 6,58 % auf 47,68 ? nach, die von BMW fielen um 3,29 % auf 34,95 ?, und die von Volkswagen rutschten um rund fünf Prozent auf 49,29 ?.

Zu den wenigen Gewinnern gehörten die Aktien der Bayer AG, die am Vortag noch deutliche Verluste hatte hinnehmen müssen. Dies sei ein kleine technische Reaktion, die nicht überbewertet werden sollte, sagte ein Händler. Die Anteilsscheine des Chemie- und Pharmakonzern legten um 1,3 % auf 33,33 ? zu.

Dax könnte weiter fallen

Mit Blick auf den weiteren kurzfristigen Verlauf des Dax äußerten sich Börsianer pessimistisch. Der Index könne zunächst bis 5000 Punkte weiter fallen, sagte Robert Halver, Aktienstratege bei Delbrück Asset Management. "Wir haben neben dem derzeit etwas stärkeren Euro weiterhin Probleme im Unternehmenssektor. Da kann man die ganzen Branchen durchgehen, da hält sich nichts mehr stabil, außer vielleicht bei den Banken."

Mit einer Trendumkehr am Markt ist Timm Wege von der Bankgesellschaft Berlin zufolge wohl zumindest bis Ende des Jahres nicht zu rechnen. "Ich gehe davon aus, dass wir eine echte Trendwende erst dann schaffen, wenn wir mehrere Quartale hintereinander positive Gewinnüberraschungen, insbesondere im Technologiesektor sehen. Das bleibt derzeit eindeutig aus.

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