T-Aktie fällt auf Allzeittief
Dax in der Vertrauenskrise

Die deutschen Aktienwerte sind am Dienstag angesichts der anhaltenden Vertrauenskrise der Anleger gegenüber den Unternehmen und ihren Bilanzpraktiken auf breiter Front abgerutscht. Während die T-Aktie ein neues Allzeittief markierte, schoben sich die SAP-Titel überraschend an die Spitze der Gewinnerliste.

Reuters FRANKFURT. Parallel zu den teilweise deutlichen Verlusten an den übrigen europäischen Börsen und an der Wall Street schloss der Dax auf dem tiefsten Stand seit November 2001. Die Aktien des Dax-Schwergewichts Deutsche Telekom fielen derweil zeitweise erstmals unter die Marke von 11 ?.

Die "Enronitis" sei noch nicht vorüber und belaste über die Kursverluste an den US-Börsen auch den Dax, sagten Händler mit Blick auf den Skandal um die Bilanzierungspraktiken des zusammengebrochenen US-Energiehändlers Enron.

Der überraschende Rücktritt des ebenfalls in die Kritik geratenen US-Mischkonzerns Tyco und die Spekulationen um mögliche Untersuchungen wegen ordnungswidrigen Aktienhandels bei Knight Trading verstärkten die Verunsicherung der Anleger. Knight ist einer der wichtigsten Aktienhändler an der US-Technologiebörse Nasdaq. Der Deutsche Aktienindex (Dax) schloss am Dienstag 2,6 % tiefer bei 4625,79 Zählern, während der Auswahlindex des Neuen Marktes Nemax 50 ebenfalls 2,6 % auf 767,99 Punkte abrutschte. Der Nebenwerte-Index MDax lag 1,3 % im Minus bei 4266,53 Stellen. Der Dow Jones EuroStoxx 50 der größten europäischen Aktien gab 2,1 % auf 3259,68 Zähler nach.

Vertrauensverlust könnte andauern

"Die Anleger stellen nun fest, dass in den vergangenen Jahren durch andere Bilanzierungsmethoden höhere Gewinne ausgewiesen wurden, aber eigentlich kein Geld verdient worden ist", kommentierte ein Händler die Vertrauenskrise der Investoren. Händler bezeichneten die aktuellen Kursverluste zwar einstimmig als übertrieben, dennoch sei kurzfristig keine Erholung in Sicht. "Wo soll es denn herkommen?", fragte ein Börsianer. Es stünden kurzfristig keine Konjunktur- oder Geschäftszahlen zur Veröffentlichung an, die einen Stimmungsumschwung bewirken könnten.

Telekom-Aktie auf neuem Allzeittief

Die T-Aktie fiel zeitweise auf ein neues Allzeittief von 10,90 ? und schloss 4,2 % schwächer bei 11,02 ?. Händler machten neben der Marktschwäche auch so genannte Leerverkäufe dafür verantwortlich. Dabei handelt es sich um den Verkauf von Aktien, die der Verkäufer noch gar nicht besitzt. Der Verkäufer setzt bei derartigen Geschäften darauf, dass er sich bis zum Liefertermin zu einem geringeren als dem vereinbarten Verkaufspreis mit diesen Papieren eindecken kann. Ein weiterer Belastungsfaktor sei, dass die Telekom einen Großauftrag der Bundeswehr zum Betrieb ihres Telefon- und Datennetzes nicht erhalten habe, hieß es unter Händlern.

Finanzwerte stark unter Druck

Die Branchenindizes für den Banken- und den Versicherungssektor im Dax fielen um 2,9 beziehungsweise 3,4 %. Händler sagten, Bedenken über große Verluste bei den Beteiligungen der Institute und schwindende Erträge im Investmentbanking führten vermehrt zu Verkäufen bei den Titeln. Größter Verlierer im Dax war die Aktie der Commerzbank mit einem Minus von 4,8 % auf 17,80 ?.

Preussag und SAP unter den Gewinnern

Zu den wenigen Gewinnern im Dax gehörten die Aktien von Preussag, die sich um 1,1 % auf 27,30 ? verteuerten. Bereits am Vortag hatten diese Papiere gegen den Markttrend zugelegt. Händler führten dies auf eine technische Reaktion auf vorangegangene Verluste zurück. In den vergangenen drei Monaten hatten die Preussag-Titel gut ein Viertel ihres Wertes verloren.

Kurz vor Börsenschluss drehten die Aktien von SAP stark ins Plus und schlossen 1,8 % im fester bei 110,75 ?. Zuvor hatten sie zeitweise mehr als 3 % verloren und waren auf ein neues Jahrestief gefallen.

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